 |
|
 |
 |
 |
 |
IMK Wocheninformationsdienst Nummer: 184-185
|
|
|
Internationaler Verein für Menschenrechte der Kurden IMK Wocheninformationsdienst Datum: 22. März - 4. April 2003 Nummer: 184-185
Die 48. Ausgabe von Dema Nu wurde auch konfisziert Die 48. Ausgabe der prokurdischen Zeitung Dema Nu wurde von der Staatsanwaltschaft des Staatsicherheitsgerichtes in Istanbul konfisziert. Als Grund wurde der Artikel von Kemal Burkay angegeben, der auf den Seiten 2 und 3 dieser Ausgabe erschienen ist. Der Titel dieses Artikels lautet „die Wirtschaftskrise und die Kurdenkrise“. Hier sei ein Verstoß gegen das Grundgesetz, Artikel 22 und gegen die Artikel 86 und 5680 der Strafprozessordnung gegeben. Diese Berichte würden dazu führen, dass sich in der Bevölkerung „Hass und Feindschaft entwickelt“. (Quelle: Dema Nu, 15-31 März 2003, S.4)
Ein neues Solidaritätskomitee für Südkurdistan Am 13 März 2003 wurde von den Briten im englischen Parlament eine Veranstaltung über Südkurdistan organisiert. Dort wurde ein Komitee zur Un-terstützung für den irakischen Teil Kurdistans ins Leben gerufen. An der Veranstaltung nahmen unterschiedliche Vertreterinnen und Vertreter der bri-tischen Parteien, Parlamentarier, Vertreter der kurdischen Parteien, sowie verschiedene Menschenrechtsorganisation, Intellektuelle, Journalisten und Künstler teil. Das Komitee beschloss mehrere Entscheidungen. Bei diesen Entscheidungen geht es um den irakischen Teil Kurdistans vor möglichen Angriffen der Türkei zu schützen. Weiterhin sollen Aktivitäten durchgeführt werden, um sich mit Kurdistan zu so-lidarisieren. In zwei Wochen soll eine umfangreiche Veranstaltung im britischen Parlament durchgeführt werden. An dieser Veranstaltung werden neben den britischen Parlamentariern auch Vertreterinnen und Vertreter der Kurden aus dem Irak, Iran und der Türkei teilnehmen. (Quelle: Dema Nu, 15-31 März 2003, S.4)
Forderung nach Schließung von 7 politischen Parteien Am 18. März eröffnete der Oberste Staatsanwalt am Kassationsgericht, Sabih Kanadoglu, ein Verfahren gegen 7 politische Parteien, da sie an zwei aufeinanderfolgenden allgemeinen Wahlen nicht teilgenommen hatten. Kanadoglu erklärte, dass er die betreffenden Parteien zuvor gewarnt habe, sich selbst nach Art. 105 des Parteien-Rechts aufzulösen. Es handelt sich um folgende Parteien: Revolutionäre Sozialistische Arbeiterpartei (DSIP), Sozialistische Arbeiterpartei der Türkei, Gerechtigkeitspartei der Türkei, Gerechtigkeitspartei, Haupt-Weg-Partei und die “Partei der zusammen mit den Behinderten Glücklichen”. (Quelle:: Cumhuriyet 19.03.03)
Gefangene sollen Transportgeld bezahlen Die Gefangenen Nuri Celik, Seyat Cengiz und Fe-ridun Iscimen haben sich beschwert, dass sie je 150
Millionen TL bezahlen sollten, um am 11. März aus dem Gefängnis in Dogubeyazit (Agri) zur Gerichtsverhandlung vor dem SSG Erzurum gebracht zu werden. (Quelle: Evrensel 20.03.2003)
Aufruf der TIHV zur Unterstützung Allgemein werden faire und unverzügliche Verfahren gegen Folterer und eine angemessene Bestrafung der Täter als einer der wichtigsten Faktoren zur Verhütung der Folter betrachtet. Dies ist auch notwendig, um ein wenig Fortschritt bei der Behandlung von Folteropfern zu erreichen. Aber in der Türkei, wie auch anderswo auf der Welt, bleibt die de facto bestehende Straflosigkeit der Folterer eins der größten Hindernisse im Kampf gegen die Folter. Leider wurden Gesetzesänderungen im Rahmen der Anpassung an das Rechtssystem der EU nicht in praktiziertes Recht umgesetzt. Folterer werden weiterhin durch verschiedene Maß-nahmen gegen Bestrafung geschützt. Es gibt viele Aspekte, die zur Straflosigkeit beitragen, wie die Gleichgültigkeit der Regierungsvertreter bezüglich der Folter, die Schwierigkeiten bei der Erhebung einer Anklage gegen Polizisten und ein schwerfälliges juristisches System. Eine weitere Tatsache ist, dass viele Verfahren aufgrund von Verjährung beendet werden. Wieder besteht die Gefahr, dass eine Verjährung in einem Folterverfahren eintritt, und zwar im Fall der „Jugendlichen von Manisa“, der in der Türkei und im Ausland gut bekannt ist. Wie Sie sich vielleicht erinnern, waren die „Jugendlichen von Manisa“, 16 junge Menschen im Alter von 14-26 Jahren, Ende Dezember 1995 und Anfang 1996 festgenommen (unter dem Verdacht der Mitgliedschaft in einer illegalen linksextremen Gruppe) und im Polizeipräsidium von Manisa gefoltert worden. Aufgrund der Berichterstattung in den Medien, der Anklage der Rechtsanwälte gegen die Polizisten vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und einer Untersuchung der Europäischen Antifolterkommission in Manisa wur-de ein Gerichtsverfahren gegen die Folterer eingeleitet. Die erste Gerichtsverhandlung fand am 24. Juni 1996 statt. Nach einer Reihe von Verhandlungen und Urteilen wurde das Verfahren zum vierten Mal an das Kassationsgericht verwiesen. Am 25. Juni 2003 wird die Verjährungsfrist ablaufen. In Anbetracht der Bemühungen der angeklagten Polizisten, der Behörden und auf gewisse Weise des örtlichen Gerichtes (die in einem beigefügten Hintergrundpapier zusammengefasst sind), das Verfahren möglichst in die Länge zu ziehen, ist es sehr wahrscheinlich, dass trotz eines positiven Urteils des Kassationsgerichtes zuvor das Verfahren nicht bis zu diesem Datum beendet wird. Tatsächlich ist der Manisa-Fall nur ein Beispiel für viele Folterfälle in der Türkei. Dieser Fall unterscheidet sich jedoch von den anderen dadurch, dass sich breite Unterstützerkreise gebildet haben wie die Familien, Rechtsanwälte, Politiker und Künstler im Kampf gegen die Folter. Augrund der intensiven Anstrengungen dieser Personen und einer zunehmenden Sensibilität in der öffentlichen Meinung durch diesen Fall, ist ein positives Urteil von besonderer Wichtigkeit. Anderenfalls würde die öffentliche Meinung und diejenigen, die sich engagiert haben, tief enttäuscht und desillusioniert sein. Darüber hinaus ist dieser Fall von besonderer Bedeutung für die wissenschaftliche Arbeit der Menschenrechtsstiftung der Türkei (TIHV). Die „alternativen gerichtsmedizinischen Atteste“, die durch die Untersuchungs- und Berichts-Kommission der Ärztekammer Izmir in Zusammenarbeit mit dem Behandlungszentrum der TIHV in Izmir, dessen Präsident ich bin, gehörten zu den wichtigsten Beweismitteln, die zu den Urteilen des Kassationsgerichtes führten. Obwohl der Justizminister und der Leiter des Kassationsgerichtes in den letzten Wochen geäußert haben, dass alles Notwendige für dieses Gerichtsverfahren getan würde, sind wir besorgt über die politische und soziale Atmosphäre unter den negativen Umständen des erwarteten Krieges, die dazu führen könnte, dass das Verfahren wegen Verjährung beendet wird. Unsere Besorgnisse sind nicht grundlos, wenn man die vorherigen Erfahrungen mit Gerichten und Behörden in ähnlichen Verfahren betrachtet. Als Zeichen des internationalen Kampfes gegen die Folter und der Solidarität fordern wir Sie auf, sich für diese Angelegenheit in Ihrem Arbeitsbereich einzusetzen und die türkischen Behörden an ihre Verantwortung zu erinnern. Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung und Solidarität und wünschen Ihnen Erfolg bei Ihrer Arbeit. Yavuz Önen Präsident der TIHV
P.S.: unter www.kurden.de finden Sie Dokumente zum Hintergrund des Manisa-Falles. Die Fax-Nummern der Behörden sind folgende: Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer: Fax: +90 - 312 - 427 13 30 Premierminister Recep Tayyip Erdogan: Fax: +90 - 312 - 417 04 76 Justizminister Cemil Cicek: Fax: +90 - 312 - 417 39 54 Parlamentspräsident Bülent Arinc Fax: +90 - 312 - 420 66 53 Aussenminister Abdullah Gül Fax: +90 - 312 - 287 88 11
Selbstmord im Gefängnis Mehmet Galip Yildirim (23), der wegen Fahnenflucht eine 5-monatige Haftstrafe im Gefängnis von Lice (Diyarbakir) absass, hat sich am 25. März das Leben genommen. (Quelle: Evrensel 26.03.03)
Journalisten vor Gericht Muharrem Cengiz, Besitzer der Zeitschrift “Position im Kulturellen und Künstlerischen Leben”, wur-de vom SSG Istanbul wegen “Propaganda für eine illegale Organisation” zu einer Strafe von 45 Monaten Haft verurteilt. Die Haftstrafe wurde in eine Geldstrafe umgewandelt. Die Chefredakteurin Ahu Zeynep Görgün wurde freigesprochen. Die Zeitschrift darf ausserdem einen Tag lang nicht erscheinen. (Quelle: Evrensel 26.03.2003)
Eren Keskin freigesprochen Das SSG Istanbul sprach die stellvertretende Vorsitzende des IHD, Eren Keskin, vom Vorwurf der Seperatismuspropaganda frei. Der Vorwurf war nach einer Rede auf einer IHD-Veranstaltung zum Thema “Gewalt gegen Frauen” am 25.11.2001 er-hoben worden. (Quelle: Evrensel 26.03.2003)
Weiteres Opfer im Todesfasten Yusuf Araci verstarb am 26. März im Numune Krankenhaus von Ankara an den Folgen des Todesfastens, das er am 1. Mai 2002 im F-Typ Gefängnis von Sincan begonnen hatte. Er war wegen Mitglied-schaft in der DHKP-C in Haft. (Quelle::: Bianet 27.03.03)
Freispruch für Studenten Das SSG Istanbul sprach 28 Studenten, die in Petitionen Kurdisch als Wahlfach gefordert hatten, vom Vorwurf der Unterstützung einer illegalen Organisation frei. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer die Bestrafung von 4 StudentInnen gefordert. (Quelle:: Özgür Gündem 27.03.03)
Vergiftetes Klima auf Zypern: Brutales Vorgehen gegen Denktasch-Kritiker im türkischen Teil Im Schatten des Irak-Krieges eskalieren die Spannungen im türkischen Teil der Insel Zypern. Am Widerstand des Präsidenten der türkischen Republik Nordzypern, Rauf Denktasch, war vor zweieinhalb Wochen ein letzter Versuch von UN-Gene-ralsekretär Kofi Annan gescheitert, die seit 30 Jahren bestehende Teilung der Insel zu überwinden. Denktasch hatte die von Annan für 31. März vorgesehene Volksabstimmung abgelehnt. Seitdem organisiert die breite Denktasch-Opposition ein eigenes symbolisches Referendum. Es soll den Wunsch nach Wiedervereinigung und Aufnahme der gesamten Insel in die EU unterstreichen. Am heutigen Freitag sollen die Wahlurnen in der Küstenstadt Kyrenia aufgestellt werden. Die Friedensbewegung erwartet wieder heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. In bislang nicht bekannter Härte waren die Sicherheitskräfte bereits am Dienstag gegen Demonstranten vorgegangen, die in der kleinen Ortschaft Doganci, nahe der innerzyprischen Grenze, zur Abstimmung aufgerufen hatten. Hunderte von Polizisten waren in den Morgenstunden in dem Ort erschienen, wie Augenzeugen der Süddeutschen Zeitung berichteten. Sie sperrten Straßen und wollten die Abstimmung verhindern. "Sie haben sogar unsere Frauen geschlagen", berichtete der Bürgermeister des Ortes im örtlichen Fernsehen. Fünf Personen wurden verhaftet, darunter Ahmet Barcin, Präsident einer Lehrergewerkschaft und einer der Führer der Friedensbewegung, die sich den Namen "Dies ist unser Land" gegeben hat. Doganci war schon zuvor berühmt geworden, weil hier am 13. Januar Bauern ein Friedensfeuer entzündeten. Am Tag danach gab es in Nikosia die größte Demonstration in der Geschichte der Insel, an der - Kinder und Alte abgerechnet - fast die gesamte türkisch-zyprische Bevölkerung teilnahm. Die Polizei hielt sich noch zurück. Jetzt hat sich das Klima geändert. Die Verhafteten wurden inzwischen zwar wieder freigelassen, nachdem Tausende vor der Polizeistation protestierten hatten und Lehrer wie andere Angestellte des Öffentlichen Dienstes einem Aufruf zu einem eintägigen Generalstreik gefolgt waren. Den fünf Führern der Opposition aber soll der Prozess gemacht werden - wegen Verstoßes gegen die Verfassung. Mit dem Eintreten für Annans Friedensplan hätten sie die "Abschaffung der Türkischen Republik Nordzypern" gefordert. Der Journalist Hasan Kahvecioglu erinnerte Denktasch am Donnerstag in der in Nikosia erscheinenden Zeitung Ortam daran, dass er selbst mit Annan verhandelt habe. So habe Denktasch selbst gegen die Verfassung verstoßen. (Quelle: SZ, 28.03.03)
Neuer Prozess gegen kurdische Politiker in Ankara Ankara. Unter starken Sicherheitsvorkehrungen ist in Ankara am Freitag der Prozess gegen vier inhaftierte kurdische Politiker vor dem Staatssicherheitsgericht neu aufgerollt worden. Die ehemaligen Abgeordneten der früheren Kurdenpartei DEP waren 1994 unter dem Vorwurf, sie hätten die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) unterstützt, zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Bekannteste Angeklagte ist die Menschenrechtlerin Leyla Zana, die 1995 mit dem Sacharow-Preis des EU-Parlamentes ausgezeichnet wurde; mit ihr zusammen stehen Hatip Dicle, Orhan Dogan und Selim Sadak vor dem Gericht. Das neue Verfahren wurde durch die Gesetzesänderungen vom letzten Jahr ermöglicht. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof hatte den Prozess gegen die kurdischen Politiker als unfair verurteilt. (Quelle: (afp) NZZ, 29.03.03)
Verfahren gegen Folterer Am 28. März sprach die 9. Kammer des Amtsgerichts in Ankara das Urteil gegen 2 Polizisten, die den Strassenhändler Haydar Durmaz nach seiner Festnahme am 17.08.2002 gefoltert haben sollen. Tayfun Nalçakar und Ali Gültepe wurden zu je 75 Tagen Haft verurteilt. Die Strafe gegen Nalçakar wurde zur Bewährung ausgesetzt, die von Gültepe och nicht, weil er zuvor wegen einer ähnlichen Tat verurteilt worden war. Seine Strafe wurde jedoch in eine Geldstrafe verwandelt, die er in 9 Raten zahlen kann. (Qu(Quelle:Milliyet, Radikal vom 29./31.03.03)
Kurdische Namen Die 18. Rechtskammer des Kassationsgerichtshofes hat den Antrag auf Streichung des Namens “Helin” aus dem Register abgelehnt. Das Verfahren war von der Staatsanwalt in Kurtalan (Provinz Siirt) eröffnet worden, nachdem das Einwohnermeldeamt mitgeteilt hatte, dass dort ein Vater sein am 23.09.2001 geborenes Kind unter dem Namen “Helin” eingetragen habe. Im Beschluss des Kassationsgerichtshofes heisst es u.a., dass die Eltern das Recht haben, den Namen des Kindes zu bestimmen und ein Beamter lediglich auf eine mögliche Änderung aufmerksam machen darf, wenn es dazu berechtigte Gründe gibt. Ein einmal erteilter Name sei aber nicht aus dem Register zu entfernen, da dies die Person namenlos machen würde. Ein Name könne geändert werden, aber dazu müsste ein neuer Name vorhanden sein.(Quelle: Milliyet vom 29.03.2003 )
Tod unter Folter Die 6. Kammer des Landgerichts Istanbul fällte am 1. April das Urteil im Zusammenhang mit dem Foltertod des Gewerkschafters Süleyman Yeter, der am 7. April 1999 verstorben war. Das Gericht befand Ahmet Okuducu (per Haftebefehl gesucht) und Mehmet Yutar der Folter schuldig, die zum Tode des Häftlings geführt habe. Das Verfahren gegen Ahmet Okuducu wurde abgetrennt und Mehmet Yutar wurde zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt. Diese Strafe wurde auf 5 Jahre reduziert, da mehr als eine Person an der Tat beteiligt waren und der wahre Schuldige nicht ermittelt werden konnte. Wegen guter Führung wurde diese Strafe auf 4 Jahre und 2 Monate Haft reduziert. Nach dem Strafvollzugsgesetz bedeutet dies eine effektive Haft von 20 Monaten und 8 Tagen. Nach der U-Haft von ca. 1,5 Jahren kommt der Verurteilte demnach nach 2 Monaten wieder auf freien Fuss. Der angeklagte Polizist Erol Ersan wurde freigesprochen. (Quelle:Yeni Safak vom 02.04.03)
Strafe für Journalisten Die 1. Kammer des Landgerichts in Mersin hat die Chefredakteurin der lokalen Zeitung “Cinar” zu einer Haftstrafe von 10 Monaten verurteilt. Die Strafe wurde in eine Geldstrafe verwandelt. Das Verfahren war eröffnet worden, nachdem ein Artikel erschienen war, der das Buch von Nadire Mater über den türkischen Soldaten (“Mehmet’in Kitabi”) erschienen war. Dies ist nun schon das 3. Urteil in diesem Verfahren, nachdem der Kassationsgerichtshof vorherige Veruretilungen aufgehoben und Änderungen im Gesetz (§ 159 TSG) vorgenommen worden waren. Nadire Mater wurde wegen ihres Buches freigesprochen. (Quelle: Özgür Gündem, 02.04.03)
EU-Beobachter bei Prozess gegen Kurdin Straßburg - Das Europaparlament wird eine Delegation zu dem neuen Prozess gegen die seit 1994 inhaftierte kurdische Politikerin Leyla Zana entsenden, der am 28. März in Ankara beginnen soll. Insgesamt sieben Europaabgeordnete wollen den Prozess verfolgen, bei dem sich neben Zana drei weitere kurdischstämmige Politiker verantworten müssen. Die ehemaligen Abgeordneten des türkischen Parlaments waren 1994 wegen angeblicher Unterstützung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu Haftstrafen zwischen dreieinhalb und 15 Jahren verurteilt worden. Dies wurde im vergangenen Juni vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gerügt. Die Richter werteten das Verfahren vor einem so genannten Staatssicherheitsgerichtshof, dem ein Militärrichter angehörte, als unfair und parteiisch. Der Prozess wird aufgrund einer Rechtsreform neu aufgerollt, die Ankara im Zuge des jüngsten Demokratisierungsprozesses verabschiedete. (Quelle: Wiener Zeitung, 17.03.03)
EU und USA warnen Türkei vor Irak-Einmarsch: Für die Entsendung von Truppen in den Nordirak hat Ankara viele Gründe Zunächst geht es darum zu verhindern, dass Flüchtlinge die Grenze zur Türkei überschreiten. Im Hintergrund steht jedoch der Streit über künftige Machtverhältnisse. ISTANBUL. Einen Tag nach der Zustimmung des Parlaments zur Öffnung des türkischen Luftraums dürfen amerikanische Kampfjets und Bomber immer noch nicht die Türkei überfliegen. Grund für die Verzögerung ist der anhaltende Streit zwischen Ankara und Washington über einen möglichen Einmarsch türkischer Truppen in den Nordirak. Genau hierzu hatte das türkische Parlament die Armee des Landes am Donnerstag ermächtigt. Stundenlang, so westliche Diplomaten in Ankara, hätten Regierungsmitglieder und US-Vertreter in der Donnerstagnacht verhandelt, um eine konkrete Vereinbarung über die US-Flugkorridore zu erzielen. Dabei sollen harte Worte gefallen sein. "Wir sind kein Golfemirat, mit dem ihr machen könnt, was ihr wollt", soll ein türkischer Diplomat seinem amerikanischen Gegenüber aufgebracht entgegen gehalten haben….. Offenbar hat auch ein letztes Treffen der irakischen Opposition mit der türkischen Regierung die Bedenken Ankaras nicht zerstreuen können, obwohl man sich in einer gemeinsamen Erklärung einig zeigte. Danach sollen die von Ankara protegierten Turkmenen ebenfalls einen Vertreter in den bislang sechs Mitglieder zählenden Präsidialrat der Opposition entsenden können, und die kurdischen Vertreter Jelal Talabani und Nevisar Barsani bestätigten, dass sie die nordirakische Stadt Kirkuk zunächst der Kontrolle der USA überlassen wollen. In einem Interview versicherte Talabani noch einmal ausdrücklich, dass die Kurden auch langfristig nicht die alleinige Herrschaft anstreben. "Kirkuk" sei "multiethnisch" und solle es auch bleiben……. Neben den USA hat auch die Europäische Union die türkische Regierung davor gewarnt, Truppen in den Nordirak zu schicken. Athens Außenminister Papandreou sagte auf dem Gipfel in Brüssel, die EU werde der Türkei bei den Folgen des Krieges beistehen, wenn sie sich aus dem Nordirak heraushalten. Der türkische Außenminister Abdullah Gül hat in Brüssel um finanzielle Unterstützung gebeten. (Auszug aus taz, 22.03.2003)
Türkischer Einmarsch in den Nordirak abgesagt: Armeeführung durch Kritik gekränkt Diyarbakir. In einer für Offiziere aussergewöhnlich emotionellen Rede hat der türkische Generalstabschef Hilmi Özkök am Mittwoch jede Spekulation über einen bevorstehenden Einmarsch türkischer Soldaten in den Nordirak zurückgewiesen. Die Türkei habe nicht vor, fremdes Territorium zu besetzen, sagte er am Hauptquartier des 7. Armeekorpses in der südostanatolischen Metropole Diyarbakir vor der Presse. Die Türkei habe auch nicht vor, im benachbarten Nordirak einen Krieg mit den einheimischen Kurden zu entfachen oder dort eine permanente Pufferzone zu errichten. Die türkische Armee habe aber im Grenzgebiet Vorkehrungen zur Verteidigung getroffen. Mit dieser öffentlichen Rede setzte General Özkök den zahlreichen, sich ständig widersprechenden Absichtserklärungen führender Politiker in Ankara zu einer aktiven Beteiligung am Irak-Krieg fürs Erste ein Ende…….. General Özkök bekräftigte am Mittwoch noch einmal, dass im Kriegsgebiet jede Vorkehrung der türkischen Armee in Absprache und im Einvernehmen mit „unserem strategischen Partner, den USA“ getroffen werde. Dass die Türkei aus Sicht der Alliierten innerhalb weniger Wochen ihr Ansehen als verlässlicher Bündnispartner verlor und zu einem Sorgenkind der Allianz wurde, wollte oder konnte General Özkök nicht verstehen. Das Misstrauen der Alliierten sei „unfair und manchmal herzzerbrechend“, sagte er verbittert. (Quelle: Auszug aus (it.) Neue Zürcher Zeitung, 27.03.03)
EU-Kommission: Türkisches Militär in Irak "unerwünscht" Die EU-Kommission hat die Türkei erneut vor ei-nem Armee-Einsatz im Norden Iraks gewarnt, sieht das Land aber grundsätzlich auf EU-Beitrittskurs. Jedes Eindringen türkischer Truppen nach Nordirak wäre "aus Sicht der EU unerwünscht", sagte EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen am Mittwoch in Brüssel. Ein möglicher türkischer Ein-marsch werde auch "in die Bewertung einfließen", die die Kommission 2004 über die Beitrittsreife der Türkei vorlegen werde. Zugleich attestierte die Kommission Ankara weiter Mängel bei den politischen Beitrittskriterien, so bei der Bekämpfung der Folter. (Quelle: AFP, 26.030.03)
Auslieferungen durch Syrien Syrien soll dem Vernehmen nach Selahattin Canavar und Hayri Kaner, die führende Mitglieder der KADEK sein sollen, an die Türkei ausgeliefert ha-ben. Die Zahl der Auslieferungen von Syrien an die Türkei hat sich seit November damit auf fünf Personen erhöht. (Quelle: Özgür Gündem 18.03.03)
Der Rat der Führenden Mitglieder der irakischen Opposition gab auf seiner Sitzung am 27. Maerz 2003 in Salahaddin (Südkurdistan) folgende Erklärung heraus:
Die führenden Mitglieder der irakischen Opposition begrüßen die internationale Unterstützung:
1.- Alle Iraker werden aufgerufen, einen Aufstand vorzubereiten, um die Städte und Dörfer von der Diktatur zu befreien und sich uns und der patriotischen irakischen Opposition anzuschließen. 2.- Das irakische Militär und alle Mitglieder der bewaffneten irakischen Kräfte sollen sich vom Bagdader Regime trennen, um sich der irakischen Opposition wie folgt anzuschließen: a. Im Süden, nach dem Zusammenschluss der Kräfte wird der Rat dies der Koalition mitteilen, um so zwischen uns und den Re-gimekräften unterscheiden zu können. Sie sollen zur Sicherheit der Bewohner in den Städten, Schutz des öffentlichen Eigentums und zur Vermeidung von Vergeltungsakten sowie Chaos eingesetzt werden. b. Im Norden kann in den befreiten Gebieten Irakisch-Kurdistans Kontakt mit uns gesucht werden und sich so der aktiven Opposition dort anschließen. c. Im Zentrum können Kräfte ihren Wunsch dem Rat der Opposition mitteilen, um mit ihnen zusammen zu arbeiten. Wenn die irakischen bewaffneten Kräfte in das Heer der Oppositionspartei eintreten, gehorchen sie deren Anordnungen und werden alle Befehle des brutalen Bagdader Regimes zurückweisen. 3.- Alle Botschaften und diplomatische Vertretungen außerhalb des Irak erklären ihre Trennung vom Bagdader Regime und schließen sich der irakischen Opposition und den ihnen angeschlossenen Institutionen an. Der Rat der führenden Mitglieder der irakischen Opposition teilt außerdem mit: 4. - Nach der Befreiung des Irak wird der Rat gemeinsam mit der Koalition eine unabhängige provisorische Regierung bilden, die die Geschicke des Landes, die Würde seiner Bewohner, die Einheit, die nationale Souveränität und die Unabhängigkeit des Landes garantiert. Diese Regierung wird aus kompetenten Politikern mit Erfahrung im Kampf für Unabhängigkeit, loyal zum Irak, auch aus solchen aus den bislang von Saddam besetzten Gebieten gebildet werden. Dazu gehören Verhandlungen und Gespräche mit der Koalition und den Vereinten Nationen, alle Massenvernichtungswaffen zu entdecken und sie zu vernichten. Außerdem will sie einen Zeitpunkt vorgeben für den Abzug der Koalitionstruppen aus dem Irak. 5. - Die nationale Übergangsversammlung setzt sich aus dem Komitee, Repräsentanten von Parteien und patriotischen demokratischen Bürgern zusammen. Sie bildet die gesetzgebende Körperschaft während der Übergangszeit und wird die unabhängige provisorische Koalitionsregierung beobachten nach den Beschlüssen der Londoner Konferenz vom Dezember 2002 und der Abschlusserklärung der Konferenz in Salahaddin vom März 2003. 6. - Der Führende Rat der Irakischen Opposition wird die UN, die Nachbarstaaten, die Koalition und alle Staaten der Welt um Unterstützung bitten, die Sanktionen aufzuheben, Schulden, die in der Zeit von Saddam entstanden sind, zu stunden und wirtschaftliche, technische und wissenschaftliche Hilfe zu leisten für die Entwicklung des Irak. 7. - Der Führende Rat der Irakischen Opposition wird eine demokratische befreite Zivilgesellschaft gründen, die die muslimischen Werte respektiert. Eine neue Armee soll wieder aufgebaut werden, mit einer modernen und demokratischen Basis weit entfernt von rassischer, ethnischer und politischer Diskriminierung.
Die Flucht in sichere Gefilde schaffen die meisten nicht Hilfsorganisationen werfen Saddam Hussein vor, die Iraker mit Gewalt im Kriegsgebiet festzuhalten Die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch etwa hat in Nordirak einige von mehreren tausend Menschen befragt, die aus den von Bagdad kontrollierten Ölstädten Mosul und Kirkuk geflohen sind. Die Flüchtlinge berichteten von Verhaftungswellen, die auf Männer zwischen 15 und 45 Jahren zielten. Auch Amnesty International (AI) hat Informationen über solche Razzien. Offenbar, so Ruth Jüttner von AI Deutschland, versuche Bagdad so Aufstände zu verhindern, wie es sie nach dem Irak-Krieg 1991 gegeben habe. Laut Jüttner wurden in Schiiten-Wohnvierteln Bagdads, etwa in Saddam City, schon lange vor den ersten US-Angriffen loyale Kräfte einquartiert, die die Bewohner in Schach halten sollen. Irak-Experte Thomas Uwer von der Menschenrechtsorganisation Wadi e.V. berichtet, irakische Truppen hätten inzwischen die Demarkationslinie zwischen Zentralirak und dem kurdisch kontrollierten Norden abgeriegelt: "Mit Gewalt wird die Bevölkerung gehindert, in sichere Regionen zu fliehen", so Uwer mit Verweis auf Informationen, die örtliche Mitarbeiter von Wadi in der kurdischen Stadt Suleimanijah erhalten hätten. Was aber ist eine sichere Region? Das ändert sich von Tag zu Tag. So flohen auch aus Suleimanijah schon in den vergangenen Tagen Tausende aus Angst vor irakischen Giftgasattacken, viele von ih-nen in Richtung Iran. Dort aber, im Grenzgebiet, fliegen die USA inzwischen Angriffe auf die Ansar el Islam, eine Islamistengruppe, der Washington Al-Qaeda-Kontakte vorwirft. Nach Angaben von Caritas International vom Montag hat das jüngste heftige US-Bombardement auf Mosul Bewohner mehrerer umliegender Dörfer in die Flucht getrieben. Das gleiche dürfte für Kirkuk gelten. Wohin aber fliehen die Menschen? Viele, heißt es, kampieren provisorisch in den Bergen, andere kamen bei Verwandten unter, teils auch in Iran. Die türkische Grenze ist dagegen dicht; Vertreter von Hilfsorganisationen klagen darüber, dass sie nicht einmal Hilfsgüter nach Nordirak hinein bringen dürften. Human Rights Watch sieht die kurdischen Autonomiebehörden in Nordirak deshalb schon jetzt überfordert und allein gelassen. Es fehle an Unterkünften, Nahrung, sanitären und medizinischen Einrichtungen. Schwillt die Zahl der Flüchtlinge aus Zentralirak wieder an - und damit ist zu rechnen, wenn etwa die Schlacht um Bagdad entbrennt - "ist die humanitäre Katastrophe sicher", warnen die US-Menschenrechtler. (Quelle: FR, 25.03.03)
Alliierte entdecken im Norden Trainingslager für Al-Qaida-Terroristen Die im Irak vorrückenden Truppen der Koalition haben am Wochenende zwei wichtige Entdeckungen machen können im Zusammenhang mit dem ursprünglichen Kriegsgrund: Iraks Waffen der Mas-senvernichtung. Im Norden des Landes konnten Soldaten der amerikanischen Eliteeinheit "US Navy Seals", im Verbund mit tausenden von Truppen der "Patriotischen Union von Kurdistan" (PUK) ein Chemiewaffen-Trainingslager der islamistischen Organisation "Ansar al Islam" überrennen und die meisten der dort ausharrenden 700 Terroristen töten oder in Gefangenschaft nehmen. Das Lager liegt in der Bergregion zwischen dem ostkurdischen Ort Halabja, wo 1988 mehr als 5000 Kurden einem irakischen Giftgasüberfall zum Opfer fielen, und der iranischen Grenze. Unter den tödlichen Toxinen, deren Herstellung an diesem Ort angeleitet und vorbereitet wurden, hat man dem Vernehmen nach auch einen Bestand an Rizin gefunden - jenes Gift, das im Januar in einer primitiven Wohnwerkstatt im Londoner Stadtteil Wood Green gefunden worden war. Der Stabschef der US-Streitkräfte, General Richard Myers, fühlte sich durch den Fund genügend bestätigt, um noch am Sonntag bekannt zu geben: "Wir glauben, dass hier das in London entdeckte Rizin herkam. Zumindest sind wir sicher, dass die Operateure und ihre Rezeptbücher von diesem Ort stammen." Die "Ansar al Islam" gilt als eine mit Al Qaida verbündete Terror-Organisation, in der Freiwillige aus Irak, Jordanien, Marokko und den Palästinensergebieten Dienst taten und auch mehrere Taliban-Kämpfer nach ihrer Vertreibung aus Afghanistan Unterschlupf fanden. Auf diese Gruppe machte zum ersten Mal US-Außenminister Colin Powell im Februar vor dem UN-Sicherheitsrat aufmerksam, mit der Behauptung, sie unterhalte Kontakte zur ira-kischen Führungsspitze. Dem wurde später widersprochen mit dem Hinweis, dass die in Ansar al Is-lam tätigen Iraker eher als Gegner des Saddam-Re-gimes einzustufen seien. Als unstrittig dagegen gilt die Verbindung zu Al Qaida. Der zweite Fund fiel den britischen Truppen im Sü-den von Iraks zweitgrößter Stadt Basra in die Hände, auf einer wahlweise als Waffendepot oder militärischem Trainingslager beschriebenen Anlage. In einem der dortigen Gebäude fanden die Soldaten Ausrüstungsgegenstände für den Kampf mit bakteriologischen und chemischen Waffen, verpackt in insgesamt 13 Kisten, die mit "Verteidigungsministerium Bagdad" gekennzeichnet waren. Es handelt sich um das bisher größte entdeckte Lager dieser Art überhaupt. Gasmasken, Plastikanzüge, aber auch Ampullen mit Atropin, dem Abwehrmittel von Nervengas-Angriffen fanden sich unter den Gegen-ständen. Diverse Glasbehälter, ominös in russisch und englisch mit dem Wort "Sarin" beschrieben, enthielten zwar, wie die Berichte besagen, nicht dieses tödliche Nervengas selber, dafür aber "Simulatoren" zum Testen, ob sich Giftgase in der Atmosphäre be-finden, gegen die man sich dann umgehend zu schützen hätte. Eine dieser Phiolen trug die Aufschrift: "Gefährlich für Menschen, die sich diesem Stoff länger als zehn Minuten ohne ein Atmungsgerät aussetzen." Unter den gefundenen Materialien befanden sich auch so genannte "Combo Pens", kleine Spritzen mit der winzigen Dosis eines Nervengas-Gegen-mittels, das man sich im Ernstfall in den Oberschenkel injiziert. An den Wänden des besagten Gebäudes waren Zeichnungen und schriftliche An-leitungen für das Verhalten bei atomaren Explosionen zu sehen. Die gefundenen Materialien weisen nach Einschätzung der Experten darauf hin, dass das Regime sich auf den Einsatz der Mittel eingestellt hat (Quelle:: Die Welt, 01.04.2003)
INNENMINISTER: EU wünscht Verbleib von Flüchtlingen in Region VERIA. Flüchtlinge aus Irak sollten nach dem Willen der Europäischen Union möglichst in den Nachbarländern Schutz finden. "Alle sind sich dar-über einig, dass die Hilfe vor Ort in der Region ge-leistet werden soll", sagte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) am Freitag im griechischen Veria, wo er mit EU-Amtskollegen über Asyl- und Flüchtlingsfragen beriet. Der griechische Justizminister Philippos Petsalnikos als Vertreter der amtierenden EU-Ratspräsi-dentschaft verwies auf "organisatorische Schwierigkeiten", wenn Vertriebene in weit entfernten Re-gionen versorgt würden. Besser sei es, Hilfslager in den Nachbarländern zu errichten. Nach eigenen Angaben hat die Gemeinschaft über ihr Hilfswerk Echo 21 Millionen Euro bereitgestellt und die Freigabe weiterer 79 Millionen Euro vorbereitet. Acht Tage nach Kriegsbeginn bleibe die Zahl der Flüchtlinge jedoch weiter sehr gering, hieß es. Frankreich erklärte indes, 2500 Iraker aufnehmen und ihnen vorübergehend Asyl gewähren zu wollen. (Quelle: (dpa/ap) Frankfurter Rundschau, 29.03.2003)
Vier Männer sollten über Rostock geschleust werden: BGS fand irakische Kurden im Güterzug Beamte der Bundesgrenzschutzinspektion Rostock entdeckten bei ihrer Kontrolle am Sonntag vier in Schlafsäcke eingehüllte Männer. Beim Versuch der Ausschleusung nach Skandinavien wurden vier ira-kische Kurden festgenommen, teilte der BGS gestern mit. Die Männer befanden sich im Güterzug aus dem norditalienischen Verona. Durch Spezialtechnik wurde ein sehr hoher Kohlendioxidgehalt in einem Sattelauflieger festgestellt, in dem sich die Männer befanden. Alle vier besaßen weder einen gültigen Pass noch eine Aufenthaltserlaubnis. Es wurde wegen des Verdachts unerlaubter Einreise Anzeige erstattet, zu den Hintermännern wird ermittelt. Bereits in der Nacht zum Sonnabend wurden im Hafen ein Iraker und ein Palästinenser bei einem Schleusungsversuch festgenommen, gegen einen Schleuser ist ein Strafverfahren eingeleitet worden. (Quelle: Schweriner Volkszeitung, 17.03003)
Zehn Jahre Haft für Menschenschmuggel - Acht Flüchtlinge starben Brügge (dpa) - Die Drahtzieher eines Menschenschmuggels, bei dem im Dezember 2001 acht Menschen den Tod fanden, müssen zehn Jahre ins Gefängnis. Ein Gericht im belgischen Brügge ordnete nach dem Schuldspruch am Dienstag die sofortige Verhaftung der beiden Hauptangeklagten an. Außerdem müssen die beiden Männer, ein 22- Jähriger aus Brüssel und ein 42-Jähriger aus London, Geldstrafen von je 10 000 Euro zahlen. Den Opfern und ihren Hinterbliebenen sprachen die Richter Schadenersatz von insgesamt 66 000 Euro zu. Die Bande hatte 13 Menschen aus der Türkei, Albanien und dem Kosovo in einem Container auf den Weg nach Großbritannien geschickt. Tatsächlich wurde der Container aber ins irische Wexford gebracht. Bei der Ankunft waren acht Insassen im Alter zwischen vier und 40 Jahren tot. Die übrigen waren unterkühlt und entkräftet. Weitere Mitglieder der Bande und ein Taxifahrer, der die Opfer zu dem parkenden Lastwagen an ei-ner Autobahn gefahren hatte, bekamen Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und acht Jahren. Der einzige Angeklagte, den die Richter freisprachen, war der Fahrer des Lastwagens. "Ich bin selbst ein Opfer der Menschenschmuggler", bekräftigte der Mann nach dem Urteil erleichtert. (Quelle: Dpa, 25.03.03)
FLÜCHTLINGE Amnesty rügt britische Pläne für EU-Asylpolitik Amnesty International hat die britischen Vorschläge zur EU-Asylpolitik kritisiert. Angesichts zu erwartender Flüchtlingsströme durch den Irak-Krieg sei dies ein Versuch, die "Festung Europa" weiter auszubauen, sagte Dick Oosting vom Europabüro der Menschenrechtsorganisation am Donnerstag in Brüssel. Nach der britischen Initiative sollen alle Flüchtlinge, die in der EU Asyl beantragen wollen, zunächst in regionalen Zentren in der Nähe ihrer Herkunftsländer aufgefangen werden. Derartige Schutzzonen für Flüchtlinge sollten in der Türkei, in Iran, in Nord-Somalia oder Marokko, aber auch in Osteuropa errichtet werden, schlägt die britische Regierung vor. Oosting nannte es ungewöhnlich, dass über diese Vorschläge gerade in dem Moment debattiert werde, in dem wegen des Irak-Krieges viele Menschen zur Flucht gezwungen würden. Die Pläne verstießen gegen die UN-Menschenrechtserklärung und die Flüchtlingskonvention, kritisierte die Organisation. (Quelle:: (epd). Frankfurter Rundschau, 28.03.2003)
Anklagebank statt Lehrstuhl Die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e. V. und der Internationale Verein für die Menschenrechte der Kurden e.V. Bonn protestieren gegen die Gastprofessur des ehemaligen Ministerpräsidenten der Türkei, Mesut Yilmaz an der Ruhr-Universität
Mit Bestürzung haben wir von der geplanten Vergabe einer Gastprofessur der Ruhr-Universität an den ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten Mesut Yilmaz Kenntnis erlangt. Mesut Yilmaz war in der Zeit vom Juni 1991 bis zum November 1998 mit Unterbrechungen dreimal Ministerpräsident der Türkei. Später hatte er unter Ministerpräsident Ecevit das Amt des Stellvertreters inne. In den Neunziger Jahren weitete sich der Krieg des türkischen Militärs gegen die Bevölkerung in den kurdischen Provinzen der Türkei dramatisch aus. Insgesamt verloren 30.000 Menschen in diesem Krieg ihr Leben, Tausende Dörfer wurden zerstört, Millionen ergriffen die Flucht. Ohne Zahl sind die Verletzten. Ebenso endlos präsentieren sich die Listen der Verhafteten und in der Haft Verschwundenen, der Vergewaltigten und der Gefolterten die-ser Jahre. Die kurdische Frage ist in der Türkei bis heute ebenso ungelöst wie die Frage von Recht und Demokratie. Für die während seiner Amtszeiten als Ministerpräsident begangenen Verbrechen trägt Mesut Yilmaz zumindest eine persönliche politische und moralische Verantwortung. In seine Amtszeiten fielen zahlreiche Prozesse und Attentate gegen MenschenrechtsaktivistInnen. Noch in seiner Regierungserklärung vom März 1996 bekannte sich Yilmaz ausdrücklich zur Fortsetzung dieses Krieges. Ob dies auch justiziabel ist, wurde mangels einer unabhängigen türkischen Ge-richtsbarkeit nie überprüft. Mehrfach jedoch wurde die Türkei vom Europäischen Gerichtshof in Strass-burg wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilt. Im November 1998 musste Ministerpräsident Yilmaz wegen möglicher Verstrickungen mit dem organisierten Verbrechen zurücktreten. Mesut Yilmaz gehört nicht an einen Lehrstuhl sondern auf die Anklagebank. Dort soll er sich für die Verbrechen des türkischen Staates, dessen Ministerpräsident er lange Zeit war verantworten. Wir fordern die Ruhr Universität Bochum auf, ihre Entscheidung zu überdenken und das Angebot an Mesut Yilmaz für eine Gastprofessur schnellstens zurückzuziehen. (PE, 27.03.03)
Nachstehende Pressemitteilungen und Aufrufe zum drohenden Irak-Krieg können Sie auf unserer web-Seite www.kurden.de nachlesen:
„Irak: Jetzt droht auch noch ein “Krieg im Krieg“ Pressemitteilung des Stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion Gernot Erler
„Sorgen bezüglich der Intentionen der Türkei im irakischen Kurdistan“ Aufruf von Dilshad Barzani, VERTRETUNG DER REGIONALREGIERUNG KURDISTAN-IRAK IN DEUTSCHLAND
„Nein zur Besetzung Südkurdistans (Nordirak) durch die türkischen Streitkräfte“ Pressemitteilung des IMK e.V. Bonn
Wie zuvor auch diesmal möchten wir an Sie appellieren, uns mitzuteilen falls Sie eine e-mail-Adresse haben, denn der Versand über e-mail ist kostengünstiger und schneller.
Wir möchten Sie gleichzeitig auf unsere web-Seiten hinweisen, die interessante Beiträge enthält:
· Presseerklärung des IMK e.V. vom 07. Januar 2003 (Deutsch und Englisch) · Anmerkung zum Lagebericht des Auswärtigen Amtes zur Türkei (Deutsch) · Offener Brief an die Bundesregierung wegen eines möglichen EU-Beitritts der Türkei (Deutsch) · Gedanken zum Thema Irak I und II, von Alexander Kauz (Deutsch) · Kampagne gegen Straflosigkeit „Gerechtigkeit heilt“ (Deutsch) · „Die Quadratur des Kreises , von Ofra Bengio (in Deutsch und Englisch) · Die gemeinsame Presseerklärung von GfbV, KOMKAR, Kurdische Gemeinde in Deutschland und IMK e.V. vom 24. Oktober (in Deutsch) · Ein Bericht der Turkish Daily News über das Dorfschützersystem (Deutsch und Englisch) · Presserklärung des IMK e.V. zum 40. Jahrestag der rassistischen Sondervolkszählung in Syrien (Deutsch) · Eine Analyse über das Verhalten der türkischen Medien während des Bundestagswahlkampfes in Deutschland, von Irina Wiessner (Deutsch) · Pressemitteilung des Stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion Gernot Erler „Irak: Jetzt droht auch noch ein “Krieg im Krieg“ · Aufruf von: Dilshad Barzani, VERTRETUNG DER REGIONALREGIERUNG KURDISTAN-IRAK IN DEUTSCH-LAND „Sorgen bezüglich der Intentionen der Türkei im irakischen Kurdistan“ · Pressemitteilung des IMK e.V. „Nein zur Besetzung Südkurdistans (Nordirak) durch die türkischen Streitkräfte“ · Offenbacher Bündnis gegen rechte Gewalt und Rassismus: Aufruf um Hilfe und Unterstützung für einen zum Tode verurteilten jungen Mann. Sein Name ist Sassan Alkanaan, er ist 34 alt.
Diese Beiträge tragen nicht unbedingt unsere Meinung, sondern geben die aktuell für unser Themengebiet interes-santen Diskussionen wieder. Besuchen Sie doch einmal www.kurden.de <http://www.kurden.de/>.
Mit freundlichen Grüßen, Ihre Redaktion
Neuerscheinung Neuerscheinung Neuerscheinung Die Dokumentation der Wochenendtagung vom 06. - 08. Dezember 2002 in der Evangelischen Akademie Bad Boll mit dem Titel „Kurden im Irak und in der Türkei: Ihre Zukunft zwischen Agas, Sheiks und Öl-Multis“ ist erschienen. Die 56-seitige Dokumentation kann bei uns für ein Gebühr in Höhe von Euro 6,00 (einschließlich Portokosten) bestellt werden. Neue Publikation der IMK e. V. möchte alle Interessierten und MitarbeiterInnen in der Flüchtlingsarbeit darauf hinweisen, dass wir eine neue Publikation herausgeben. Thema dieser Publikation ist „Traumatisierte kurdische Flüchtlinge in Deutschland“ und trägt den Namen der gleichnamigen Fachtagung, die vom 15.-16. Juni 2001 im Maternushaus in Köln, stattfand:
„Odyssee ins Ungewisse“
Durch Herrn Dr. Ilhan Kizilhan wird ausführlich über die spezifischen Fluchtursachen der Kurdinnen und Kurden in Nordkurdistan berichtet. Er gibt einen historischen Überblick der Flüchtlingsentwicklung und geht auf die wirtschaftliche und soziale Lage der Menschen in Nordkurdistan ein. Herr Prof. Ferhad Ibrahim und Herr Abubekir Saydam behandeln das Thema: „Fluchtursachen aus dem Irak und Südkurdistan - Gibt es eine innere Fluchtalternative?“ Sie schildern die aktuelle Situation im Irak und in Sürkurdistan und berichten von Stationen der Traumatisierung. „Fluchtwege“ ist das Thema von Herrn Jürgen Hoppe, Journalist. Hier werden die Methoden und Vorgehensweisen von Schleppern oder Schleusern erläutert, die für hohe Geldsummen, Flüchtlinge unter oft unmenschlichen Bedingungen nach Deutschland schleusen. Frau Dipl. Psychologin Hamidiye Ünal spricht über traumatisierte Flüchtlinge in Gesellschaft und in Therapie. Sie geht auf Foltermethoden und auch auf die psychosoziale und rechtliche Situation der Flüchtlinge in Deutschland ein. Besonders behandelt wird das Thema „Trauma“, von den Folgen über Symptome bis hin zu Beratung und Therapie. Das Thema „Möglichkeiten der Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen im Herkunftsland Türkei“ wird exemplarisch anhand einer Prozessbeobachtung in Izmir von Dr. med. Nesmil Ghassemlou behandelt. Anschliessend werden die Voraussetzungen für eine erfolgversprechende Behandlung und die Behandlungsmöglichkeiten erörtert. Die 64-seitige Publikation (Format DIN A4) kann in gebundener Form bei uns gegen die Entrichtung eines Betrages von 8,00 Euro (inkl. Versandkosten) bestellt werden.
ISSN 1438- 08 Herausgeber: IMK e.V., Postfach 07 38, D-53137 Bonn, Telefon: + 49 228 362 802, Fax: + 49 228 363 297, E-Mail: IMK-Bonn@t-online.de <mailto:IMK-Bonn@t-online.de> und imkkurds@aol.com <mailto:imkkurds@aol.com> Besuchen sie auch unsere Website: http://www.kurden.de <http://www.kurden/> Verantwortlicher Leiter: Abubekir Saydam Abonnementbedingungen (pro Jahr): · Stiftungen, Parteien, Regierungen und internationale Organisationen sowie Gremien: Euro 92,00 · Gerichte, Rechtsanwälte, Menschenrechtsorganisationen, Flüchtlingsberatungsstellen: Euro 46,00 · Förderabonnement, Einzelpersonen und kleinere Vereine: Euro 31,00 Spendenkonto: Volksbank Bonn (BLZ: 380 60 186), Konto-Nr.: 201 246 90 23
|
nach oben
--< zurück
•--vorwärts >
↑ nach oben
|
Anklagebank statt Lehrstuhl | Kurden feiern die Zerschlagung des Baath-Regimes i
|
|