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ISSN 1610-0611
Newsletter


Internationaler Tag der indigenen Völker:

Ureinwohner weltweit immer mehr ins Abseits gedrängt

Weltweit werden Ureinwohner immer mehr ins
Abseits gedrängt, vielfach drohen ihre Kulturen
und Kenntnisse unwiederbringlich verloren zu
gehen. Darauf hat die Gesellschaft für bedrohte
Völker (GfbV) anlässlich des Internationalen
Tages der indigenen Völker (9. August)
hingewiesen. Besonders kleinere Gruppen, die
ihre Lebens- und Wirtschaftsweise ökologisch
sensiblen Gebieten angepasst haben wie die
Seenomaden in Südostasien, die Pygmäen in den
letzten großen Wäldern Afrikas oder die von der
Ölförderung bedrohten indianischen Völker in
Ecuador könnten in wenigen Jahren verschwunden
sein.

„Die Ureinwohner sind die großen Verlierer der
Globalisierung“, erklärte die
Menschenrechtsorganisation am Freitag in
Göttingen. Sie vor dem rücksichtslosen Abbau von
Bodenschätzen durch internationale Konzerne, dem
Kahlschlag ihrer Regenwälder durch Holzfirmen
oder dem Aufstauen von Flüssen für die
Stromerzeugung durch weltweit agierende
Energieunternehmen zu schützen, sei zwar Ziel
der Vereinten Nationen gewesen, als sie 1994 das
Jahrzehnt der Indigenen Völker ausriefen. Doch
bisher sei dem Landraub, der Umweltzerstörung
und damit der Vernichtung der Lebensgrundlage
indigener Völker wie die Ureinwohner offiziell
genannt werden kaum ein Riegel vorgeschoben
worden.

„Vom so genannten Fortschritt überrollt sind
schon heute viele Indigene entwurzelt und
rutschen ins Elend ab“, erklärte die GfbV. Von
dieser Entwicklung seien kleinere Völker wie
etwa die Ureinwohner Sibiriens im Hohen Norden
Russlands, aber auch große
Ureinwohnergemeinschaften betroffen. So seien
zum Beispiel die rund 1,3 Millionen Mapuche-
Indianer in Chile, die etwa zehn Prozent der
Gesamtbevölkerung stellen, die Ärmsten der Armen
im Land. Vor allem diejenigen, die um ihre
Rechte streiten, ihren Landbesitz mit
juristischen Mitteln verteidigen oder Missstände
öffentlich anklagen, gingen ein hohes Risiko
ein, Opfer der Willkür von Polizei und Behörden
zu werden. Zurzeit seien mehr als 100 Mapuche
zum Teil schon seit Monaten ohne
Gerichtsverfahren inhaftiert.

Zwar sei für die Mapuche nach dem Sturz des
Diktators Augusto Pinochet 1990 ein Gesetz zum
Schutz ihrer Rechte und der Förderung ihrer
Kultur erlassen worden. Doch nichts habe sich
verbessert. Deshalb unterstütze die GfbV jetzt
einen hoffnungsvollen Ansatz führender
Persönlichkeiten der Indianer: Sie erwarten
rund 300 Delegierte zu dem ersten Mapuche-Kongress in Chile im Oktober. Ihr
Ziel ist es, eine neue Interessensvertretung zu wählen, deren Stimme bei der
Regierung Gewicht hat. Für diesen Kongress hat
die GfbV die Schirmherrschaft übernommen.

Rund 5.000 Ureinwohnervölker mit insgesamt etwa
300 Millionen Angehörigen gibt es Schätzungen
der GfbV zufolge noch weltweit. Zu ihnen zählen
die etwa 70 Millionen Adivasi in Indien, die
Saami im Norden Europas, die Indianer in Nord-,
Mittel- und Südamerika, die Aborigine in
Australien, die San in südlichen Afrika und
viele andere.



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Göttingen, den 08.08.2003
Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010 Goettingen
Tel. +49/551/49906-25, Fax:+49/551/58028
Hompage: http://www.gfbv.de
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