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ISSN 1610-0611
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Türkei beschlagnahmt Bücher v. Mehmet Bayrak

Bücher vom kurdischen Autor Mehmet Bayrak
in der Türkei beschlagnahmt


Die Staatsanwaltschaft des Staatsicherheitsgerichtes in Ankara hat die im September letzten Jahres vom kurdischen Schriftsteller und Wissenschaftler Mehmet Bayrak im Verlag Özgür Gelecek (Die freie Zukunft) herausgegebenen drei Bände „Kurdische Musik, Tänze und Lieder“ sowie das Buch „Kurdische Frau – von der Vergangenheit bis Heute“ beschlagnahmt.

Im Beschlagnahmebeschluß des Staatssicherheitsgerichtes in Ankara, der am 27. Dezember 2002 an M. Bayrak zugestellt wurde, wird ihm vorgeworfen, dass „diese Bücher in ihrer gegenwärtigen Erscheinungsform gegen die Einheit des Staates und der Nation zielen würden. Ausserdem würden deren Inhalte die Bevölkerung in verschiedene Rassen teilen und damit eine Feindschaft und einen Hass schüren.“

M. Bayrak hat bisher zahlreiche Werke und wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Kurdologie, kurdische Volkskultur, Alevitismus, usw. herausgegeben.

Seine letzten Bücher, „Kurdische Musik, Tänze und Lieder“ (3 Bände) sind ein Sammelwerk der kurdischen Lieder (versehen mit Noten) und Tänze. Für dieses Kulturwerk arbeitete und recherchierte der Autor mehrere Jahre im In- und Ausland. Ebenfalls sein Buch über die kurdischen Frauen hat einen Anspruch ein Standardwerk in diesem Bereich zu sein.

Mehrere Bücher von M. Bayrak über die Kurden wurden auch in den 80er und 90er Jahren von den Staatssicherheitsgerichten beschlagnahmt und gegen den Autor zahlreiche Verfahren eingeleitet.

Für die Publikation des Buches „kurdische Volkslieder“ (Kürt Halk Türküleri) wurde M. Bayrak im November 1995 zu einem Jahr Gefängnis und einer Geldstrafe von 100 Millionen TL verurteilt. Gleichzeitig verurteilte ihn das Gericht wegen der Veröffentlichung von „Zeitgenössische Kurdische Dichtung“ (Cagdas Kürt Destanlari) zu einer weiteren Geldstrafe von 50 Millionen TL und einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten, die dann letztendlich in eine Geldstrafe in Höhe von 900.000 TL umgewandelt wurde. Ausserdem bestätigte der Kassationshof im Juni 1996 das Urteil über die einjährige Freiheitsstrafe und die Zahlung von 100 Millionen TL wegen der Veröffentlichung der Publikation „Die Kurden und ihr Kampf für Demokratie und nationales Bewusstsein“ (Kürtler ve ulusal demokratik mücadeleleri).

M. Bayrak hatte 1996 beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg gegen diese Verfolgung bzw. Urteile eine Klage eingereicht, die im September 2002 zu seinen Gunsten entschieden wurde. Der Menschenrechtsgerichtshof verurteilte den türkischen Staat, an M. Bayrak 11.000 Euro Entschädigung zu zahlen.

Die offiziellen Vertreter der Türkei haben nach der Verabschiedung der Gesetze „EU-Anpassungspaket“ am 03. August letzten Jahres der Öffentlichkeit im In- und Ausland weisgemacht, die Rechte der Kurden wären damit gemäß der Kopenhagener Kriterien zuerkannt. Sowohl die von der türkischen Exekutive festgelegten Rahmenbedingungen, als auch die weitere Praxis der türkischen Sicherheitskräfte und Justiz bestätigen leider das Gegenteil.

Die erneute Beschlagnahme der Bücher von M. Bayrak ist ein eklatanter Verstoß gegen die europäischen Standards und den Geist der Kopenhagener Kriterien.

Wir bitten die Europäische Kommission und den zuständigen Kommissar bei ihren bilateralen Gesprächen mit ihren türkischen Partnern auf diese unakzeptable Praxis hinzuweisen und deren Aufhebung unverzüglich zu fordern.
Wir bitten weiterhin das Europa Parlament, den Europarat und die OSZE, gegen diese Praxis und gegen die weitere Verfolgung der kurdischen Kultur in der Türkei energischer vorzugehen.

Wir appellieren an die UNESCO, den Internationalen PEN sowie die Reporter ohne Grenzen und Amnesty International, den verfolgten kurdischen Wissenschaftler und Autor Mehmet Bayrak zu unterstützen.

Bonn, den 07.01,2003
Internationaler Verein
für die Menschenrechte der Kurden – IMK e.V.
für den Vorstand
gez.

Abubekir Saydam
(Büroleiter)

Kontakt:

IMK e.V.
Postfach 200738, D – 53 137 Bonn
WEB-Seite:
www.kurden.de


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