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ISSN 1610-0611
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USA: Hinrichtung jugendlicher Straftäter

ai zu USA:
USA: Hinrichtung jugendlicher Straftäter ist beschämender Anachronismus

- In einem heute veröffentlichten Bericht fordert
amnesty international (ai) ein Verbot der Todesstrafe bei Straftätern, die
zum Zeitpunkt ihrer Straftat unter 18 Jahre alt waren. Zwei Drittel der in
den letzten 10 Jahren weltweit bekannt gewordenen Hinrichtungen von
jugendlichen Straftätern gehen auf das Konto der USA. Allein vier Personen
wurden in den vergangenen 18 Monaten exekutiert. "Die USA sind das einzige
Land, das offen über jugendliche Straftäter die Todesstrafe verhängt",
kritisiert der Generalsekretär von ai- Österreich Heinz Patzelt. "Es ist
völlig unakzeptabel, dass derzeit 80 Häftlinge in US-Todeszellen wegen
eines Verbrechens sitzen, das sie zu einem Zeitpunkt begangen haben, als
sie erst 16 und 17 Jahre alt waren", beklagt Patzelt.

Zwischen 1994 und 2002 wurden in 70 Ländern 22.588 Personen hingerichtet.
19 Menschen in fünf Ländern wurden für Verbrechen exekutiert, die sie
begangen haben, als sie Jugendliche waren. 12 dieser international als
menschenrechtswidrig geächteten Tötungen wurden in den USA vollzogen.

Vier internationale Menschenrechtsabkommen schließen ausdrücklich
jugendliche Straftäter von der Todesstrafe aus, darunter die
UN-Kinderrechtskonvention. Darüber hinaus ist das Verbot inzwischen so weit
anerkannt und respektiert, dass es zu einem Grundsatz des internationalen
Gewohnheitsrechts geworden ist. Im heute erscheinenden Bericht fordert ai
ein Verbot, dass ausnahmslos alle Länder mit einschließt, ungeachtet
dessen, welche Verträge sie ratifiziert haben: Das Verbot der Hinrichtung
von jugendlichen Straftätern muss zu einem Grundsatz des allgemeinen
internationalen Rechts werden.

"Ein halbes Jahrhundert nach Annahme der vierten Genfer Konvention,
dreieinhalb Jahrzehnte nach der Annahme des Internationalen Pakts über
zivile und politische Rechte und über drei Jahrzehnte nach Inkrafttreten
der Kinderrechtskonvention ist es mit Sicherheit für die USA an der Zeit,
sich einzugestehen, dass ihr Verhalten ein beschämender Anachronismus ist",
sagt Heinz Patzelt.

Aktuell ist der Fall des kanadischen Staatsangehörigen Omar Khadr, der auf
dem US-Marinestützpunkt Guantanamo Bay festgehalten wird: Omar Khadr war
Berichten zufolge erst 15 Jahre alt, als er 2002 in Afghanistan gefangen
genommen wurde. Er wird verdächtigt, einen Soldaten erschossen zu haben.
Dafür droht ihm nun die Todesstrafe.





18. Juli 2003
Claudia Emmrich
Presse - Assistenz
amnesty international Austria
Moeringgasse 10
1150 Wien
www.amnesty.at


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