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ISSN 1610-0611
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300.000 tote Wale jährlich

Wale: Tod durch Ertrinken, Vergiftung, Lärm und Jagd
Greenpeace-Aktion auf der Zugspitze: Walfangkonferenz
in Berlin soll alle Walarten schützen

- Auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze,
haben Greenpeace-Aktivisten heute einen 15 Meter langen aufblasbaren
Wal aufgebaut. Auf einem Banner steht: "300.000 tote Wale jährlich -
Walfangkonferenz Berlin: Das ist der Gipfel!". Greenpeace appelliert
damit an die Regierungsvertreter der 55. Tagung der Internationalen
Walfangkommission (IWC), die vom 16. bis 19. Juni in Berlin statt findet,
sich nicht länger über Fangquoten zu streiten, sondern für einen
mfassenden Schutz der bedrohten Tiere zu sorgen.

"Wale fallen nicht nur der unsinnigen Jagd zum Opfer", sagt
Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. "Sie ertrinken auch als ungewollter
Beifang in Fischernetzen oder sterben durch die Verschmutzung der Meere
und den ständig zunehmenden Unterwasserlärm. Die IWC muss daher ihre
Aufgaben erweitern und endlich alle Gefährdungen der Wale beachten."

Bislang befasst sich die seit 1946 jährlich tagende IWC nur mit den
Großwalen der 79 Walarten, die einige Staaten wie Japan und Norwegen nach wie vor
jagen.
Den Kleinwalen hingegen gilt kein kommerzielles Interesse. "Alle großen und
kleinen Walarten sind bedroht. Die IWC muss daher zukünftig alle Walarten
schützen, also auch Kleinwale und Delfine", fordert Maack.

Eine Neuorientierung der IWC wird bereits vorbereitet: 19 der 46
stimmberechtigten Nationen in der IWC, darunter Deutschland, wollen mit der so genannten
"Berlin Initiative" die Schutzrolle der Organisation stärken und ihre Aufgaben
ausweiten.
Mit einer einfachen Mehrheit könnte der Antrag in Berlin verabschiedet
werden.
Doch das Waljagd-Land Japan und seine Verbündeten - mit japanischer
Entwicklungshilfe gekaufte Dritte-Welt-Staaten - werden versuchen, alle
Bemühungen zum Schutz der Wale zu blockieren.

Durch die Harpunen japanischer und norwegischer Walfänger starben trotz des
Walfangverbotes von 1986 im vergangenen Jahr 1318 Großwale. Japan tötet
sie aus vorgeblich "wissenschaftlichen" Gründen, Norwegen konnte gemäß
IWC-Satzung Einspruch gegen das Fangverbot erheben. Zusätzlich ertrinken
Hunderttausende von Walen in Fischernetzen, ohne dass die IWC davon Notiz
nimmt. Allein in der Nordsee und Ostsee sterben jährlich Tausende der
kleinen
Schweinswale in Netzen. Auch die schleichende Vergiftung der Meere ist eine
große Gefahr: So haben die weißen Beluga-Wale die höchste Krebsrate aller
Säugetiere.

Eine weitere Bedrohung für die Tiere ist der zunehmende Lärm in den
Ozeanen, erzeugt von Schiffschrauben, der Öl- und Gasförderung sowie
Unterwassersonaren der US-Marine. Die Sonare, die feindliche U-Boote aufspüren sollen,
erzeugen Schallpegel von bis zu 240 Dezibel; ein startender Jumbojet erreicht 150
Dezibel.
Anfang Mai strandeten an der kanadischen Küste mehrere Schweinswale in
unmittelbarer Nähe von Sonaren. Den Tieren waren die Innenohren geplatzt.
"All dieser Probleme muss sich die IWC endlich annehmen, wenn sie nicht in
der Bedeutungslosigkeit versinken will", betont Maack.



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Hamburg, 9.6.2003
www.greenpeace.org


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