Konferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES): Samtpfoten im Visier
WWF fordert effektiven Schutz für die bedrohten Schneeleoparden
Frankfurt a. M./Santiago de Chile, 7.11.2002: Schätzungsweise noch 3.500 bis 7.000 Schneeleoparden streifen durch die Gebirge Zentralasiens. Obwohl die Tiere streng geschützt sind, hat die illegale Jagd in den letzten Jahren stark zugenommen. Die prekäre Situation der seltenen Raubkatzen beschreibt der WWF in einer heute veröffentlichten Broschüre. Die Naturschutzorganisation fordert die Delegierten der derzeit in Santiago de Chile tagenden Weltartenschutzkonferenz dazu auf, konkrete Maßnahmen zum Schutz aller asiatischen Großkatzen, zu denen der Schneeleopard zählt, zu beschließen. Schneeleoparden (Uncia uncia) gehören nicht zu den Leoparden (Panthera pardus), sondern sind eine eigene Art mit kleinerem Körperbau als ihre Vettern.
Zwar ist der Handel mit allen asiatischen Großkatzen, zu denen neben den Schneeleoparden auch die Leoparden, Tiger, Nebelparder und Marmorkatzen zählen, bereits komplett verboten. Dennoch wurden in Kirgisistan in den vergangenen zehn Jahren 300 Schneeleoparden getötet. Dort übersteigt der Wert eines einzigen Fells das Jahreseinkommen eines Arbeiters um ein Vielfaches. Das Fell der bedrohten Katzen wird zu Mänteln verarbeitet, die Knochen werden als Heilmittel in der asiatischen Medizin eingesetzt und ihre Krallen als Schmuckstücke verkauft. Auch die Leoparden sind betroffen: Allein in Indien wurden erst in jüngster Zeit hundert Leopardenfelle und 18.000 Krallen beschlagnahmt. "Die imposanten Wildkatzen dürfen nicht sterben, damit die Menschen ihre Lust auf Luxusartikel wie Schmuck und Wintermäntel stillen können. Wenn auf der Konferenz über die Großkatzen verhandelt wird, darf keine Katerstimmung aufkommen!", appelliert Volker Homes, WWF-Artenschutzexperte und Beobachter in ! Santiago, an die Delegierten. Die Artenschutzkonferenz CITES könne das Überleben der asiatischen Großkatzen sichern, denn bereits beim Tigerschutz habe sich gezeigt, dass sich der Druck der Öffentlichkeit und strenge CITES-Handelskontrollen positiv auswirken können. Beides habe dazu geführt, dass in den meisten Staaten, in denen Tiger leben, der Schutz der Raubkatzen allerhöchste Priorität hat. Die illegale Jagd ist nicht die einzige Bedrohung für die Schneeleoparden: Der Mensch dringt immer weiter in die Lebensräume der wilden Katzen vor. So kommt es immer häufiger zu gefährlichen Begegnungen, bei denen die Räuber im Pelz getötet werden, um die Menschen und ihre Viehherden vor Angriffen zu schützen. Die durch den anschließenden Verkauf von Fell, Knochen und Krallen erzielten Gewinne stellen eine lukrative Nebeneinnahme dar. Der WWF setzt sich dafür ein, dass die sozialen und wirtschaftlichen Hintergründe der illegalen Jagd erforscht werden. "Mit Verboten allein lässt sich ! das Töten der letzten Schneeleoparden nicht verhindern", beurteilt Vol ker Homes die derzeitige Situation. "Wir müssen mit den Menschen vor Ort Lösungen suchen, die sowohl ihnen als auch den Tieren nützen." Der WWF fordert zum Beispiel, dass alternative Einkommensquellen gefunden werden, und dass Anti-Wilderer-Brigaden eingesetzt sowie Schmuggelrouten und Absatzmärkte ausfindig gemacht und zerstört werden.
WWF Deutschland Rebstöcker Straße 55 60326 Frankfurt 7.11.2002
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