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ISSN 1610-0611
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Greenpeace bringt tote Ostsee-Wale nach Berlin

Walfangkonferenz muss beschlossene Schutzmaßnahmen
umsetzen

- Am letzten Tag der
Jahreskonferenz der Internationalen Walfangkommission
(IWC) bringen Greenpeace-Aktivisten die Realität zum
Tagungsort: Sie legen drei tote Schweinswale im
Innenhof des Berliner Estrel-Hotels ab. Die drei Tiere
stehen stellvertretend für über 300.000 tote Wale und
Delfine, die jedes Jahr als Beifang in den Netzen der
Fischfangflotten, durch Meeresverschmutzung,
Unterwasserlärm oder durch die direkte Jagd umkommen.
Die drei kleinen Wale stammen aus der Ostsee, wo sie
vom Aussterben bedroht sind. Mit der Aktion fordert
Greenpeace die Delegierten der Walfangkonferenz auf,
die beschlossene "Berlin Initiative" in konkrete
Maßnahmen für den Schutz der Wale umzusetzen.

"Dem täglichen qualvollen Walsterben darf nicht mehr
tatenlos zugesehen werden", sagt Andrea Cederquist,
Meeresbiologien bei Greenpeace. "In den nächsten
Monaten müssen Schutzmaßnahmen ergriffen und
Zeitschienen festgelegt werden, damit die dramatische
Anzahl getöteter Wale endlich reduziert wird". Durch
die "Berlin Initiative", die 25 Staaten auf der IWC
durchgesetzt haben, sollen Wale und Delfine zukünftig
besser geschützt werden, weil nicht mehr nur der
Walfang im Mittelpunkt der Beratungen stehen soll.

Doch die Walfangnationen in der IWC wie Japan und
Norwegen haben bereits bekannt gegeben, dass sie den
dafür eingerichteten Ausschuss nicht unterstützen
werden. "Die Walschutzländer müssen nun ausreichend
Geld zur Verfügung stellen, um die Umsetzung der
Schutzmaßnahmen zu garantieren", so Andrea Cederquist.
Dazu gehören Maßnahmen gegen die Verschmutzung der
Meere und gegen den ständig zunehmenden
Unterwasserlärm. Auch die von einigen Ländern wie
Norwegen und Japan noch immer praktizierte Jagd auf
Kleinwale, wie Delfine und Tümmler, muss international
geächtet werden.

Heute morgen wurde auf der IWC bekannt gegeben, dass
die Resolution zur Reduzierung des Beifangs
zurückgezogen wurde. "Ein Skandal: hier wird
akzeptiert, dass Delfine und Wale zu Hunderttausenden
tot oder sterbend über Bord geworfen werden", sagt
Cederquist. Ein Beispiel für dies gravierende Problem
ist die dänische Stellnetzfischerei. Dort allein
sterben jährlich 7.000 Schweinswale. Die Tiere können
die aus feinem Garn bestehenden Netze mit ihrem
Echolot-Ortungssystem nicht erkennen, verfangen sich
und ertrinken. Greenpeace fordert selektive
Fischereimethoden, bei denen nur die Fische im Netz
landen, denen das Interesse der Fischer gilt. Die für
Fischerei zuständige Ministerin Renate Künast (Grüne)
hat während der diesjährigen IWC bereits Initiativen
angekündigt, um die Schweinswale in der Nord- und
Ostsee vor den Stell- und Treibnetzen zu schützen.

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Berlin, 19. 6. 2003


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