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ISSN 1610-0611
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Wal schwebt über Berlin

- Greenpeace-Aktivisten ist es heute Vormittag
gelungen, von der Kuppel des 365 Meter hohen Fernsehturms am
Alexanderplatz aus einen 15 Meter langen aufblasbaren Wal an einem
Stahlseil zu hissen. Mit dem Banner "IWC: ACT NOW!" ruft Greenpeace
die Delegierten der Internationalen Walfangkommission (IWC) auf, endlich
konkrete Maßnahmen zum Schutz der über 300.000 Wale zu
beschließen, die jedes Jahr in den Weltmeeren umkommen. Ein erster
Schritt zum Schutz der Wale ist die so genannte "Berlin Initiative", über
die in den ersten beiden Tagen der IWC-Konferenz abgestimmt wird. Die
von weltweit über 40 Tier- und Umweltschutzorganisationen unterstützte
Resolution will den umfassenden Schutz aller Walarten zur zentralen
Aufgabe der IWC machen. Die 55. IWC-Haupttagung findet vom 16. bis
19. Juni in Berlin statt.

300.000 Wale und Delfine sterben jedes Jahr allein als Beifang in
Fischernetzen, weitere durch Meeresverschmutzung, Unterwasserlärm
und direkte Jagd. "Diese riesige Zahl von toten Tieren zeigt, dass sich die
IWC aller Probleme der Wale annehmen muss", sagt Greenpeace-
Meeresbiologe Thilo Maack. "Die IWC als ehemaliger Club der Walfänger
muss sich endlich zu einer Schutzorganisation wandeln. Das gilt
besonders für den Schutz der bislang kaum beachteten Kleinwale wie
Delfine und Schweinswale." Doch das Waljagd-Land Japan und seine
Verbündeten - mit japanischer Entwicklungshilfe gekaufte Dritte-Welt-
Staaten - werden voraussichtlich gegen den Schutz der Wale stimmen.

Stattdessen wird die japanische Delegation auch dieses Jahr beantragen,
das Walfangverbot durch ihre Vorstellung eines "Wale-
Bewirtschaftungsverfahrens" zu ersetzen. Die Pläne basieren jedoch auf
unsicheren Schätzungen der Walbestände. Sie schreiben zudem weder
unabhängige Kontrollen noch Strafen für den Piratenwalfang vor. Diese
sind aber notwendig: Wissenschaftler haben durch DNA-Analysen sogar
Fleisch des streng geschützten Blauwales auf dem japanischen Markt
entdeckt. Greenpeace lehnt eine "Bewirtschaftung" in dieser Form ab. "Es
ist viel zu früh, um über die Wiederaufnahme des kommerziellen
Walfangs zu diskutieren", sagt Maack. "Mindestens für die nächsten 50
Jahre müssen die Gefahren für Wale verringert und ihr Schutz garantiert
werden."

Greenpeace unterstützt den sanften Walbeobachtungs-Tourismus.
"Whale-Watching" erzielt weltweit Umsätze von rund einer Milliarde Euro.
Nur wenige IWC-Staaten wie Japan, Norwegen und Russland haben
Interesse am aktivem Walfang. Durch den Stimmenkauf Japans sind
jedoch die Fronten zwischen Walfang- und Walschutzländern in der IWC
so verhärtet, dass jeder Fortschritt zum Schutz der Wale verhindert wird.
"Die Walschutzländer dürfen nicht zulassen, dass Japan sich die Kontrolle
über die IWC erkauft", fordert Maack.

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Berlin, 15. 6. 2003
www.greenpeace.org


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