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ISSN 1610-0611
Newsletter


AFP-Korrespondent Astamirow

Russland/ Inguschetien

Journalisten appellieren an Entführer des AFP-Korrespondenten Astamirow
Initiative von zehn ehemaligen Geiseln und Reporter ohne Grenzen

Neun Journalisten, die selbst einmal Geiseln waren, haben am Donnerstag an
die Entführer von Ali Astamirow appelliert, den in Inguschetien entführten
Kollegen freizulassen. In dem offenen Brief, den Reporter ohne Grenzen
initiiert hat, wird gleichzeitig der russische Präsident Wladimir Putin
aufgefordert, sich persönlich für die Freilassung von Astamirow einzusetzen
und dabei das Leben des AFP-Korrespondenten nicht zu gefährden.

Ali Astamirow war am 4. Juli in der Nähe von Nasran (Inguschetien) entführt
worden. Wo er sich befindet und ob er überhaupt noch lebt, weiß nicht
einmal seine Familie.

Hier der Wortlaut des Appells, den auch der deutsche Journalist Andreas
Lorenz unterzeichnet hat:

Wir, die unterzeichnenden Journalisten, die im Libanon, auf den Philippinen
oder in Kolumbien Geiseln waren, kennen das Gefühl der Verlassenheit und
Isolation, die Angst, unsere Nächsten nicht mehr wiederzusehen, die
ständige Ungewissheit, was einen erwartet. Wir sind daher äußerst besorgt
über das Schicksal unseres Kollegen Ali Astamirow, Korrespondent in
Tschetschenien und Inguschetien für die französische Nachrichtenagentur
AFP. Er wurde am 4. Juli von einer Gruppe bewaffneter Männer in dem Dorf
Altievo, in der Nähe von Nasran (Inguschetien), vor den Augen eines
Kollegen verschleppt.

Ali ist 34 Jahre, gebürtiger Tschetschene und Vater von zwei Kindern. Seit
einem Jahr berichtete er für AFP. Zuvor hatte er für ein privates Radio in
Grosny gearbeitet. Von 1998 bis zum Oktober 1999 war er für das
tschetschenische Büro des unabhängigen russischen Fernsehsenders NTW tätig.
In den Monaten vor seiner Entführung erhielt er mehrere anonyme Drohungen
und musste aus Sicherheitsgründen umziehen.

Die Verantwortlichen für die Untersuchung des Falls in Moskau und die
Staatsanwaltschaft in Nasran in Inguschetien haben bisher keine
nennenswerten Erkenntnisse erzielt. Alis Familie, drei Wochen nach der
Entführung noch überzeugt davon, dass er lebt, ist sich heute nicht mehr
sicher. Auch wenn niemand die Identität der Entführer kennt, eines ist
gewiss: Einer der wenigen Journalisten, die über diesen schrecklichen
Konflikt und die ihn begleitenden Gräueltaten berichteten, wurde zum
Schweigen gebracht.

Wir rufen die Entführer auf, sich zu Erkennen zu geben und Ali Astamirow so
schnell wie möglich freizulassen. Wir bitten außerdem Präsident Putin, sich
persönlich dafür einzusetzen, dass Ali wiedergefunden und freigelassen
wird, ohne sein Leben zu gefährden.



Roger Auque, Journalist, Geisel im Libanon 1987

Maryse Burgot, Journalist, Geisel auf Jolo (Philippinen) 2000

Scott Dalton, Journalist, Geisel in Kolumbien 2003

Jena-Jacques Le Garrec, Journalist, Geisel im Libanon 1985 - 1988

Andreas Lorenz, Journalist, Geisel auf Jolo (Philippinen) 2000

Roland Madura, Journalist, Geisel auf Jolo (Philippinen) 2000

Ruth Morris, Journalistin, Geisel in Kolumbien 2003

Jean-Louis Normandin, Journalist, Geisel im Libanon 1986 1987

Philippe Rochot, Journalist, Geisel im Libanon 1986





31. Oktober 2003
Sabina Strunk
Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin
Germany
www.reporter-ohne-grenzen.de


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