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ISSN 1610-0611
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Cyberdissidentin gegen Kaution freigelassen

China
Cyberdissidentin gegen Kaution freigelassen/ RoG fordert deutliche Schritte
in Richtung Informationsfreiheit

Nach einem Jahr in Polizeigewahrsam ist die Cyberdissidentin Liu Di am 28.
November in Peking gegen Kaution freigelassen worden. Unter dem Pseudonym
Maus aus Edelstahl hatte die 23-jährige Studentin im Internet Kritik an der
Regierung geübt. Reporter ohne Grenzen (ROG) begrüßt die Freilassung im
Vorfeld des Chinabesuches von Bundeskanzler Gerhard Schroeder. Dies sei
jedoch kein Signal für eine grundsätzliche Verbesserung der
Informationsfreiheit im Internet, mahnt die internationale
Menschenrechtsorganisation. Zusammen mit der Chinesin wurden zwei weitere
Cyberdissidenten, Wu Yiran, 34, und Li Yibin, 29, freigelassen.

"Die chinesische Regierung gibt zwar mit den Freilassungen ein positives
Signal", erklärte Robert Ménard, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen
in Paris. "Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Informations-
und Meinungsfreiheit im Internet täglich unterdrückt werden. Wenn diese
Freilassungen mehr sein sollen als ein diplomatisches Geschenk an Schröder,
dann müssen weitere deutliche Schritte in Richtung Informationsfreiheit
folgen."

Die Menschenrechtsorganisation erinnert daran, dass immer noch mehr als 40
Cyberdissidenten in China hinter Gittern sind, weil sie im Internet
regimekritische Texte veröffentlichten. Mindestens zwei Dissidenten sind
inhaftiert, weil sie gegen den Gefängnisaufenthalt von Liu Di
protestierten. Allein im November wurden acht Dissidenten zu Haftstrafen
zwischen drei und zehn Jahren verurteilt.

Die 23-jährige Studentin Liu Di ist vergangenen Freitag von der
chinesischen Polizei gegen Kaution freigelassen worden, bestätigte ihre
Familie gegenüber ROG. Sie war am 7. November vergangenen Jahres auf dem
Campusgelände verhaftet und seitdem von der Polizei ohne Anklageerhebung an
einem unbekannten Ort gefangen gehalten worden. Ihr wurde vorgeworfen, eine
Bedrohung für die Sicherheit des Landes zu sein, nachdem sie verschiedene
kritische Stellungnahmen im Internet veröffentlicht hatte.

Im Mai hat die Menschenrechtsorganisation einen detaillierten Bericht zur
Zensur und der Überwachung von Internetnutzern in China veröffentlicht.

Den China-Bericht: Gefährlich Leben im Internet finden Sie Im Internet unter:
http://www.rsf.org/article.php3?id_article=6793


1. Dezember 2003
Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin
Germany
www.reporter-ohne-grenzen.de


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