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ISSN 1610-0611
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Bestürzung über hohe Zahl getöteter Journalisten

Reporter ohne Grenzen: Bestürzung über hohe Zahl getöteter Journalisten
seit Kriegsbeginn

Bei einem irakischen Raketenangriff südlich von Bagdad sind am Montag der
Focus-Reporter Christian Liebig und der Journalist Julio Anguita Parrado,
der für die spanische Tageszeitung El Mundo arbeitete, ums Leben gekommen.
Die beiden "embedded correspondents" befanden sich im Hauptquartier der 3.
Infanteriedivison, als eine Rakete einschlug und die beiden Journalisten
sowie zwei Soldaten tötete.

Auch der heutige Dienstag forderte zwei neue Todesopfer unter den
Journalisten. Der Kameramann Tarek Ajub wurde bei einem Bombenangriff der
US-Luftwaffe auf die Büros der beiden arabischen Fernsehsender Al Dschasira
und Abu Dhabi TV tödlich verletzt, wie Al Dschasira mitteilte. Beim Angriff
von US-Truppen auf das Hotel "Palestine" in Bagdad, in dem derzeit fast
alle ausländischen Medienvertreter untergebracht sind, starb nach
Informationen der Nachrichtenagentur Reuters der ukranische Kameramann Tats
Protsyuk.

Damit erhöht sich die Zahl der getöteten Journalisten, die aufgrund von
Kriegshandlungen ums Leben kamen, am 20. Kriegstag auf insgesamt acht. Zwei
weitere Journalisten starben während ihres Einsatzes im Kriegsgebiet,
jedoch nicht im Zusammenhang mit den Kämpfen. Ein Medienmitarbeiter kam
ebenfalls zu Tode. Zwei weitere Journalisten werden vermisst.

"Wir sind bestürzt über den Tod von Christian Liebig und die vielen Opfer,
die der Krieg unter den Journalisten fordert", erklärt Elke Schäfter,
Geschäftsführerin von Reporter ohne Grenzen (ROG) in Deutschland.
Christian Liebig gehörte zu den besonders vorsichtigen Journalisten, wie
seine Redaktion bestätigt. Er war im Militär-Camp geblieben und hatte aus
Sicherheitsgründen die Streitkräfte nicht beim Vorstoß nach Bagdad
begleitet.
"Sein Tod verdeutlicht, dass das Risiko der Berichterstattung aus dem
Kriegsgebiet unkalkulierbar bleibt, auch als "embedded journalist", so
Schäfter weiter "ROG verurteilt des weiteren aufs schärfste Angriffe auf
Gebäude, in denen sich nach allgemeinem Kenntnisstand Journalisten
aufhalten. Wir appellieren noch einmal eindringlich an alle Kriegsparteien,
unter allen Umständen Journalisten als Zivilpartei zu respektieren - sie
dürfen nicht zu Kriegszielen gemacht werden."

Zu den bisher getöteten Journalisten gehören unabhängig arbeitende
Journalisten ebenso wie "embedded correspondents". Sie alle haben einen
hohen Preis für ihre Bereitschaft bezahlt, über den Krieg zu berichten.

Am 4. April starb der amerikanische Journalist Michael Kelly von der
Washington Post, als das Fahrzeug dem Beschuss durch Iraker auswich und in
einen Kanal stürzte. Er ist der erste embedded -Journalist, der ums Leben
kam.

Der iranische Bildjournalist Kaveh Golestan, der für den britischen Sender
BBC arbeitete, wurde am 2. April nach Angaben des Senders in Kifri
(Nordirak) Opfer einer Mine.

Den australischen Kameramann Paul Moran, für den australischen Sender ABC
unterwegs, tötete am 22. März eine Autobombe im kurdischen Teil des Irak.
Die Bombe explodierte an einem Kontrollpunkt außerhalb von Khomal, einem
Dorf nahe der iranischen Grenze.

Am 22. März starb auch der britische TV-Journalist Terry Lloyd (ITN), als
er mit drei weiteren Kollegen in der Nähe von Basra (Südirak) unter
Beschuss geriet. Die Journalisten nutzten mit "TV" gekennzeichnete
Fahrzeuge und befanden sich nicht in unmittelbarer Nähe eines
Militärkonvois. Terry Llyod wurde, dem Sender zufolge, durch Schüsse der
britisch-amerikanischen Streitkräfte getötet. Der belgische Journalist
Daniel Demoustier wurde bei dem Feuergefecht verletzt. Vom Kameramann Fred
Nerac und der lokale Stringer Hussein Osman fehlen noch jede Spur. Sie
gelten als vermisst.

Ein Medienmitarbeiter wurde ebenfalls getötet. Der Kurde Kamaran Abdurazak
Muhamed, seit März als Übersetzer der BBC tätig , starb während eines
sogenannten "friendly fire" der amerikanischen Luftwaffe auf einen
amerikanisch- kurdischen Konvoi.

Zwei weitere Todesfälle stehen nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit den
Kämpfen.
David Bloom amerikanischer NBC-Journalist, der in einer amerikanischen
Division eingebettet war, starb am 6. April an den Folgen einer
Lungenembolie. Am 30. März stürzte Gaby Rado, Reporterin des britischen
Chanel 4 (Gruppe ITN), vom Dach des Hotels Abou Sanaa in Souleimaniah
(Nordirak).

Vor dem Hintergrund der jüngsten Opfer appelliert Reporter ohne Grenzen
noch einmal eindringlich an die Kriegsparteien, keine militärischen
Operationen durchzuführen, die wissentlich das Leben und die Sicherheit von
Journalisten gefährden könnten.

Reporter ohne Grenzen berichtet aktuell zur Situation der Pressefreiheit
und der Journalistinnen und Journalisten im Irak unter www.rsf.org in
Englisch und Französisch.





www.reporter-ohne-grenzen.de / www.rsf.org
Berlin, 08. April 2003
Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin
Germany
www.reporter-ohne-grenzen.de


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