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ISSN 1610-0611
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Bilanz zur Situation der Pressefreiheit 2002

Recht auf freie Information im Jahr 2002 weiter ausgehöhlt
25 Journalisten getötet / Zunahme von gewalttätigen Angriffen / Im Namen
des Anti-Terror-Kampfes Quellenschutz zunehmend beschränkt

Reporter ohne Grenzen veröffentlicht heute die Bilanz zur Situation der
Pressefreiheit im Jahr 2002.

Demnach wurden 25 Journalistinnen und Journalisten im vergangenen Jahr
während der Berichterstattung oder wegen missliebiger Recherchen und
Berichte ermordet. Vier Medienmitarbeiter wurden ebenfalls getötet. Die
Umstände und Motive von weiteren 30 Todesfällen werden zur Zeit noch von
der internationalen Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der
Pressefreiheit untersucht. Im Vergleich zum Vorjahr (31 Tote) kamen in 2002
zwar weniger Reporter zu Tode, die Gewalt gegenüber Journalisten nahm
jedoch gravierend zu.

Drastisch stieg die Zahl der Medienvertreter, die 2002 bedroht oder
schikaniert wurden. Im vergangenen Jahr wurden 1420 Übergriffe registriert.
Im Vergleich zu 716 Vorfällen im Jahr 2001 hat sich die Zahl damit nahezu
verdoppelt. Auch die Zahl der Journalistinnen und Journalisten, die
vorübergehend festgenommen, verhört oder entführt wurden liegt um über 40
Prozent höher als im Vorjahr. 692 Journalisten saßen im Jahr 2002
zeitweilig hinter Gittern.

389 Mal wurden Medien zensiert. Das Ausmaß der Zensur bleibt 2002 damit
unverändert hoch. Durchschnittlich traf die Zensur täglich mindestens ein
Medium.

Die Arbeitsbedingungen von Reporterinnen und Reportern wurden aufgrund
internationaler Spannungen und Konflikte erheblich erschwert. In einer
Reihe von Staaten und Konfliktregionen wie beispielsweise in Bangladesch,
Eritrea, Haiti, Nepal und Simbabwe hat sich die Lage der Pressefreiheit im
Jahr 2002 weiterhin verschärft. Die im vergangenen Jahr an Journalisten
begangenen Morde wurden, bis auf wenige Ausnahmen, nicht aufgeklärt und die
Mörder und Auftraggeber nicht zur Verantwortung gezogen. Solange sich
jedoch die Täter in Sicherheit wähnen und straffrei ausgehen, wird die
Gewalt weiter wachsen. Reporter ohne Grenzen wird daher auch im Jahr 2003
eigene Untersuchungen vorantreiben und öffentlichen Druck auf Regierungen
ausüben, um die Sicherheit von Journalisten zu verbessern.

Eine weitere Tendenz beunruhigte im Jahr 2002. In rund einem Dutzend
Ländern wurde der Quellenschutz im Zuge neuer Anti-Terror-Gesetze
ausgehöhlt. Mittlerweile werden Journalisten selbst in einigen
demokratischen Ländern (beispielsweise in den USA) festgenommen oder
verhört, wenn sie ihre Quellen nicht preisgeben. Das Recht auf
Vertraulichkeit der Information ist jedoch eine unverzichtbare
Voraussetzung für die freie und unabhängige journalistische Recherche und
darf nicht leichtfertig geopfert werden.

Einige positive Entwicklungen brachte das Jahr 2002 dennoch. Politische
Reformen und Friedensprozesse trugen dazu bei, die Arbeitsbedingungen für
Journalisten in Angola, Afghanistan und Sri Lanka zu verbessern.
Fortschritte bei der Aufklärung der Ermordung von Carlos Cardoso in
Mosambik und Griogrij Gongadse in der Ukraine machen Hoffnung, dass die
Mörder gefasst und bestraft werden. Nach langen Jahren in Haft und
zahlreichen weltweiten Protesten wurden die Journalisten Gédéon
Mushimiyimana (Ruanda), Ayub Khoso (Pakistan) und Myo Myint Nyein (Birma)
endlich freigelassen.



Bilanz des Jahres 2002 im Überblick



2002 2001 2000

Ermordete Journalisten 25 31 32

Bedrohung, Übergriffe,
Entführungen 1420 716 510

Festnahmen, Verhöre,
zeitweilige Inhaftierung 692 489 329

Zensierte Medien,
Erscheinungsverbote 389 378 295

Inhaftierte Journalisten
(Stichtag: 1. Jan.) 118 110 68



Eine Langfassung der Jahresbilanz auf Deutsch (7 Seiten) ist im Internet ab
12.00 Uhr abrufbar unter:
www.reporter-ohne-grenzen.de

Französische und englische Versionen unter:
www.rsf.org



Für weitere Informationen:

Sabina Strunk
Tel. (030) 615 85 85
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de / www.rsf.org

Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin
Germany
rog@snafu.de
kontakt@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de
Tel.: 49 - 30 - 615 85 85
Fax: 49 - 30 - 614 56 49


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