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ISSN 1610-0611
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Bombardierung des irakischen Fernsehens

Irak
Reporter ohne Grenzen verurteilt Bombardierung des irakischen Fernsehens

In der Nacht vom 24. auf den 25. März bombardierten US-amerikanische
Streitkräfte die gebäude des staatlichen irakischen Fernsehsehens. "Das
amerikanische Verteidigungsministerium hat sich bei der Ausstrahlung der
Bilder von US-amerikanischen Kriegsgefangenen auf die Genfer Konventionen
berufen. Ein Fernsehsender gilt als ziviles Objekt und ist daher eindeutig
durch dieselbe Konventionen geschützt. Der Vorfall erinnert an den Beschuss
des arabischen Senders Al Dschasira in Kabul im Jahr 2001. Wir befürchten,
dass Medien immer häufiger zum Kriegsziel deklariert werden", verurteilt
Robert Ménard, Generalsekretär der internationalen Organisation zur
Verteidigung der Pressefreiheit, den Angriff.

Das Ausmaß der durch den Luftangriff verursachten Schäden ist bisher nicht
bekannt, da die irakischen Behörden den Journalisten den Zugang zu dem
Gebäude verweigern. Das staatliche Fernsehen und Satellitenfernsehen gingen
45 Minuten nach dem Angriff wieder auf Sendung. Der Jugendsender Schebab
TV, der dem ältesten Sohn Saddam Husseins gehört, blieb geschlossen.

In der offiziellen Stellungnahme zum Luftangriff auf die Fernsehstation
heißt es, dass die Kommunikation von Saddam Hussein mit dem irakischen Volk
und der Armee unterbunden werden müsse. Auch die vom irakischen Fernsehen
ausgestrahlten Bilder von US-amerikanischen Kriegsgefangenen und angeblich
getöteten US-amerikanischen Soldaten, wurden erwähnt.

Mit der offiziellen Erklärung der US-amerikanischen Seite wird deutlich,
dass das staatliche irakische Fernsehen gezielt attackiert wurde, obwohl es
durch das Völkerrecht als ziviles Gut geschützt ist.

Medien wurden bereits mehrfach mit dem Argument, sie würden Propaganda
verbreiten, ange-griffen. Am 23. April 1999 bombardierte die NATO den
staatlichen Radio- und Fernsehsender Serbiens Radiotelevizija Srbije in
Belgrad. Im Januar 2001 sprengte die israelische Armee den
palästinensischen Fernseh- und Radiosender Die Stimme Palästinas in
Ramallah in die Luft. Die US-ameri-kanische Armee bombardierte am 12.
November 2001 das Gebäude des arabischen Senders Al Dschasira in Kabul.

Reporter ohne Grenzen fordert die US-amerikanischen Behörden erneut auf,
lokale Medien nicht als militärische Ziele anzugreifen, auch wenn sie für
Propaganda-Zwecke genutzt werden.

Reporter ohne Grenzen berichtet aktuell zur Situation der Pressefreiheit
und der Journalistinnen und Journalisten im Irak unter www.rsf.org in
Englisch und Französisch.







Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin
Germany
Berlin, 26. März 2003
www.reporter-ohne-grenzen.de



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