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Irakische Medienlandschaft
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Irak / Hintergrund Irakische Medienlandschaft: 25 Jahre anhaltende Repression
Angesichts des immer wahrscheinlicher werdenden Krieges im Irak und der Tatsache, dass viele Journalisten in den Irak reisen werden, um zu berichten, hat Reporter ohne Grenzen einen aktualisierten Hintergrundbericht zur Situation der Journalisten und der Medien im Irak veröffentlicht.
In dem 14-seitigen Bericht gibt die internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit einen detaillierten Rückblick über die Unterdrückung der Medienfreiheit, die Saddam Hussein, sein Sohn Udai und die Baath-Partei über die 25-jährige Herrschaft entwickelt haben. Der Bericht nennt Beispiele wie das System von Propaganda und Desinformation praktisch funktioniert und geht außerdem auf die Arbeitsbedingungen ausländischer Journalisten ein.
Der Irak gehört zu den zehn pressefeindlichsten Ländern. Dies geht aus einer Untersuchung von Reporter ohne Grenzen im Oktober 2002 hervor. Der Irak belegte den 130. Platz von insgesamt 139 untersuchten Ländern.
Gleich nachdem Saddam Hussein1979 zum Präsidenten gewählt wurde, ließ er alle Zeitungen schließen, die die Baath-Partei bei der Machtübernahme nicht unterstützten. Die Zahl der Bedrohungen, Verhaftungen, sowie Vorfälle von Folter und Hinrichtungen gegenüber Medienvertretern stiegen dramatisch an. Der Krieg mit dem Iran wurde 1980- 1988 schließlich als Vorwand genutzt, um die Medien vollständig unter staatliche Kontrolle zu bringen. 1986 unterzeichnete Saddam Hussein eine Verordnung, die die Todesstrafe für Personen androht, die den Präsidenten, seine Gefolgschaft, die Baath-Partei oder den revolutionären Kommandorat beschimpfen oder kritisieren. Nach dem Golf-Krieg 1991 stieg Udai Hussein, ältester Sohn des Präsidenten, zum wichtigsten Mann der Medienzensur auf, der Privilegien willkürlich verleiht oder Terror verbreitet. Als Vorsitzender der irakischen Journalisten Union und Pressemagnat hat Udai Hussein die totale Kontrolle über Print-Medien, Radio und Fernsehen. Sein Einfluss ist heute sogar größer als der des Ministers für Information. Mehr als 400 irakische Journalisten gingen seit 1979 bis in die 90er Jahre ins Exil. Dutzende Journalisten verschwanden spurlos. Niemand weiß genau, wieviele umgebracht wurden.
Sowohl Print- als auch audiovisuelle Medien werden strikt vom Regime kontrolliert und für propagandistische Zwecke genutzt. Iraq Television, einer der vier staatlich kontrollierten Fernsehsender, widmet beispielsweise einen Großteil der Sendezeit, um jeden Schritt des Präsidenten zu dokumentieren. Die offiziellen Medien erwähnten nicht einmal, dass die UN-Inspektoren Hans Blix und Mohammed El Baradei ihre Inspektionen wieder aufnahmen.
Nachrichten aus nicht-staatlich kontrollierten Quellen sind der irakischen Bevölkerung kaum zugänglich. Nur der Sender Shabbab TV überträgt ausgewählte Programme des Senders Al-Dschasira. Der Gebrauch von Satellitenschüsseln zum Empfang ausländischer Programme wurde 1994 verboten und nur wenige missachten dieses Verbot, um heimlich Al-Dschasira und westliche Programme zu empfangen. Seit der Einführung des Internets 1999, gibt es etwa 30 Internet-Cafés, die jedoch ständig überwacht werden. Der Zugang zu Seiten wie Hotmail ist verboten und jeder, der versucht eine private Mailbox zu installieren riskiert hohe Strafen. Einen Internetzugang von zu Hause aus einzurichten, ist so gut wie unmöglich. Dennoch ist die irakische Bevölkerung nicht gänzlich von der Nachrichtenwelt abgeschnitten. Niemals, so der Bericht, gelang es dem Regime, den Gebrauch von Transistorradios vollständig zu kontrollieren. In der irakischen Bevölkerung ist das heimliche Hören von Radiosendern wie Radio Monte-Carlo und BBC weit verbreitet.
Während die Irak-Krise im Mittelpunkt des Interesses von Medien weltweit steht, müssen ausländische Journalisten damit rechnen, dass ihre Arbeit streng überwacht wird. Einreisegenehmigungen für ausländische Journalisten wurden bisher sehr willkürlich erteilt. Im Land selbst ist es verboten, Aufnahmen von offiziellen Gebäuden zu machen oder gar sensible Themen anzusprechen. Ausländische Journalisten müssen sich in der Regel von einem offiziellen Führer begleiten lassen, was Interviewpartner daran hindert frei zu sprechen. Die Behörden setzten Medienvertreter unter Druck indem sie den Entzug der Arbeits- und Dreherlaubnisse oder die Ausweisung androhen. Irakische Journalisten, die für ausländische Medien arbeiten sind extrem gefährdet, selbst dann wenn Nachrichtenagenturen ihre Artikel umschreiben und diese als eigene Nachrichten verbreiten.
"The Iraqi media: 25 years of relentless repression. Iraqi President Saddam Hussein and his son Uday have turned what was once one of the most vibrant presses in the Middel East into an instrument of propaganda"
Der Bericht liegt auf Englisch, Französisch und Spanisch vor und ist abrufbar unter:
www.rsf.org
Reporter ohne Grenzen Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin Germany www.reporter-ohne-grenzen.de
Berlin, 26. Februar 2003
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