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ISSN 1610-0611
Newsletter


Journalisten in Kuba

Kuba
Reporter ohne Grenzen klagt miserable Haftbedingungen an und fordert erneut
die Freilassung der gefangenen Journalisten

Reporter ohne Grenzen ist entrüstet über die miserablen Haftbedingungen,
die die meisten der 26 kürzlich inhaftierten unabhängigen Journalisten in
Kuba ertragen müssen.

"Wir fordern die sofortige Freilassung aller gefangenen Journalisten und
Dissidenten", sagt Elke Schäfter, Geschäftsführerin von Reporter ohne
Grenzen (RoG) in Berlin, nachdem Details zu den Haftbedingungen bekannt
wurden. "Nicht nur die schlimmen Haftbedingungen machen uns Sorgen. Bereits
die Verurteilungen in Schnellprozessen stellen schwere
Menschenrechtsverletzungen dar, die wir entschieden verurteilen," betont
Schäfter.

Nach Informationen, die cubanet.org und nuevaprensa.org auf ihren Webseiten
veröffentlichten und die die Frauen verschiedener Gefangener gegenüber RoG
bestätigten, werden Normando Hernández (Nachrichtenagentur CPIC) und
Alfredo Pulido López (Agentur El Mayor) in Einzelhaft gehalten. Der
Journalist und Poet Raúl Rivero ist in eine drei Quadratmeter große Zelle
ohne Licht eingesperrt, während in der Zelle von Julio César Gálvez
Rodriguez die Glühbirne unablässig brennt.

Die hygienischen Bedingungen sind in der Regel schlecht. Die Zellen von
Omar Rodriquez Saludes (Neuva Prensa) und Ricardo Gonzáles, Herausgeber des
Magazins De Cuba, sind mit Ratten verseucht. Der Gesundheitszustand von
Oscar Espinosa Chepe, der unter chronischer Hepatitis, Leberinsuffizienz
und hohem Blutdruck leidet, hat sich unterdessen verschlechtert, weil er
nicht angemessen medizinisch versorgt wird.

Die Familienangehörigen dürfen die Inhaftierten, mit wenigen Ausnahmen, nur
alle drei Monate besuchen. Einigen Frauen wurde mit dem Entzug der
Besuchserlaubnis gedroht. Blanca Reyes, Ehefrau von Rául Rivero, sieht
diese Restriktionen als Teil einer Strategie zur Isolierung der Gefangenen.
Tatsächlich müssen die meisten der Verurteilten ihre Strafen in weit
abgelegenen Gefängnissen in der Provinz absitzen, was die Besuche von
Angehörigen erheblich erschwert.
Am 18. März wurden 80 Dissidenten in Kuba festgenommen, darunter auch 26
unabhängige Journalisten. Kurze Zeit später verurteilten Gerichte sie in
Schnellverfahren wegen "Konspiration mit den USA" zu Haftstrafen zwischen
sechs und 28 Jahren.




Berlin, 21. Mai 2003
Sabina Strunk
www.reporter-ohne-grenzen.de / www.rsf.org

Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin
Germany


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