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ISSN 1610-0611
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PM Brasilien/Getötete Journalistin

Brasilien:
Journalistin in São Paulo getötet

Reporter ohne Grenzen ist bestürzt über den Tod von Melyssa Martins
Correia, Journalistin der Tageszeitung Oeste Notícias, aus Presidente
Prudente im Bundesstaat São Paulo. Auf die Kulturredakteurin wurde am 3.
Juni aus nächster Nähe geschossen. Die 23-Jährige erlag auf dem Weg ins
Krankenhaus ihren Verletzungen.

Robert Ménard , Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, fordert den
Gouverneur von São Paulo, Geraldo Alckim, in einem Brief auf, sich
persönlich für eine umfassende Untersuchung in diesem Mordfall einzusetzen.
Darüber hinaus apelliert die internationale Organisation zur Verteidigung
der Pressefreiheit an die Behörden, künftig Maßnahmen zum Schutz von
Journalisten zu ergreifen.

Ob es eine Verbindung zwischen dem Anschlag und der journalistischen Arbeit
der jungen Redakteurin gibt, bleibt vorerst ungeklärt. Der Herausgeber der
Tageszeitung, Adolfo Padilha, teilte mit, dass Martins Correia über die
kriminelle Organisation Primero Comando da Capital (PCC) aus São Paulo
recherchierte. Eine Woche vor ihrem Tod erschien ein Artikel über einen
Werbeevent in einem Supermarkt, der einem Mitglied der PCC gehören soll. Da
der Supermarkt tags darauf von der Polizei geschlossen wurde, hätte die PCC
annehmen können, die Journalistin habe ihre Informationen an die Polizei
weitergegeben, so Padilha.

Die Annahme, es gäbe einen Zusammenhang zwischen dem Mord und der PCC, wird
von den Aussagen eines Zeugen gestützt. Der angebliche Mörder hatte Fábio
César Padoves gezwungen, ihn in seinem Auto in den Nachbarstaat Mato Grosso
du Sul zu bringen. Auf der Flucht habe er ihm erzählt, er sei beauftragt
worden, Melyssa Martins Correia umzubringen. Darüberhinaus sei auch der
Mörder des Richters Antonio José Machado im März diesen Jahres ein
Auftragskiller gewesen. Die Tageszeitung Oeste Noticias berichtete damals
ausführlich über diesen Fall. Sie prangerte die Machenschaften der
Organisation an und machte sie für den Mord an dem Richter verantwortlich.

Die Polizei schließt auch die Möglichkeit nicht aus, dass es sich um einen
Raubüberfall handeln könnte. Das Mobiltelefon und die Geldbörse von Martins
Correia wurden gestohlen.






Berlin, 6. Juni 2003
www.reporter-ohne-grenzen.de / www.rsf.org
Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin
Germany


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