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ISSN 1610-0611
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Radio-Moderator erschossen

Philippinen
Nach zweitem Mord an Journalist fordert Reporter ohne Grenzen Maßnahmen zum
Schutz

Der Radio-Moderator Apolinario "Polly" Podeba wurde am 17. Mai erschossen.
Reporter ohne Grenzen (RoG) ist bestürzt über diesen gewaltsamen Tod. In
einem Brief an den Präsident Gloria Macapagal Arroyo fordert die
internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit die
philippinischen Behörden auf, alles zu unternehmen, damit die
Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden. Zugleich
ruft die Organisation die Behörden dazu auf, spezielle Maßnahmen zum Schutz
von Journalisten zu ergreifen.

"Wenn man Morde an Journalisten straflos ausgehen lässt, akzeptiert man,
dass sich solche Verbrechen wiederholen. Die Regierung ist daher
mitverantwortlich für die Welle der Gewalt gegenüber Journalisten," erklärt
Robert Ménard, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, in Paris.
Podeba hatte die lokalen Behörden beschuldigt, an der Verbreitung von
Drogen und Glücksspiel in der Stadt Lucena beteiligt zu sein. Am Morgen
des 17. Mai wurde er auf dem Weg zu den Studios seiner Radio-Station
dwTI-AM in der Umgebung von Lucena von zwei Männern aus nächster Nähe
erschossen.

Der Journalist war bekannt für seine Kritik an nationalen wie lokalen
Behörden. Der ehemalige Anhänger einer kommunistischen Guerilla, hatte in
den beiden letzten Jahren zusammen mit zwei Kollegen die Sendung "Nosi ba
Lasi" (Wo sind sie?) moderiert, in der sie den Bürgermeister von Lucena,
Ramon Talaga, für die Verbreitung von Drogen und Glücksspiel verantwortlich
machten. Der Bürgermeister hatte daraufhin im Jahr 2002 die Schließung der
Radio-Station angeordnet, die jedoch ihren Betrieb außerhalb der
Stadtgrenzen wieder aufnahm.

"Polly" Podeba ist bereits der zweite Journalist, der in diesem Jahr auf
den Philippinen getötet wurde. Im April starb John Villanueva in Legapzi
nachdem zwei Männer Schüsse auf den Radio-Reporter abfeuerten. Weitere
Morde an Journalisten in den vergangenen Jahren, wie der Fall Edgar
Damalerio oder der Fall Beng Hernandez, sind nach wie vor nicht aufgeklärt.
40 Journalistinnen und Journalisten wurden seit der Rückkehr der
Philippinien zur Demokratie 1986 getötet.



Berlin, 20. Mai 2003
Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin
Germany
www.reporter-ohne-grenzen.de


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