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ISSN 1610-0611
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RoG: Journalisten im Irak

Irak
Reporter ohne Grenzen über Vorgehen britisch-amerikanischer Streitkräfte
gegenüber Journalisten im Irak äußerst besorgt

Reporter ohne Grenzen wirft den britisch-amerikanischen Streitkräften vor,
die Arbeit und Sicherheit von Journalisten, die vom Kriegsgeschehen
berichten, zu missachten. Die internationale Organisation zur Verteidigung
der Pressefreiheit fordert die Alliierten auf, eine interne Untersuchung
über die Behandlung der Presse durch Armeeangehörige einzuleiten und ihre
Ergebnisse zu veröffentlichen.

"Journalisten gerieten unter Beschuss, wurden verhaftet, oft über mehrere
Stunden verhört, misshandelt und geschlagen", berichtet Robert Ménard,
Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, in Paris. "Außerdem wurde das
Informationsministerium in Bagdad zwei Mal bombardiert, obwohl allgemein
bekannt ist, dass die internationalen Nachrichtenagenturen dort
untergebracht sind", sagt Ménard weiter.

Eine vierköpfige Gruppe unabhängiger Journalisten, Dan Scemama und Boaz
Bismuth aus Israel und Luis Castro und Victor Silva aus Portugal,
beschuldigen die US-amerikanische Militärpolizei, ihnen "die schlimmsten 48
Stunden ihres Lebens" bereitet zu haben. Die Vier hielten sich in der Nähe
einer US-Militäreinheit zwischen den Städten Kerbala und Najaf auf, als sie
am 25. März aus dem Schlaf gerissen und festgenommen wurden. Obwohl sie
ihre Presseausweise zeigten, wurden sie bedroht, misshandelt und in einem
Jeep über 36 Stunden lang festgehalten. Sie durften weder ihre
Nachrichtenagenturen noch ihre Familienangehörigen verständigen.

"Die US-Soldaten warfen uns vor, wir seien Terroristen und Spione, und so
behandelten sie uns auch", sagt Scemama, der für den israelischen
Fernsehsender Channel One arbeitet. "Sie wollen allen Journalisten, die aus
dem Irak berichten, einen Verbindungsoffizier an die Seite stellen, um die
Berichterstattung zu kontrollieren. Für mich besteht kein Zweifel darüber,
dass sie uns deshalb so schlecht behandelt haben", ergänzt er weiter. Die
Vier hatten den Eindruck, dass die US-amerikanische Armee alles daran
setzt, die Bewegungsfreiheit unabhängiger Reporter einzuschränken.
Journalisten aus Kuwait berichteten, auch dort seien Kollegen bedroht und
über mehrere Stunden verhört worden. Britische und US-amerikanische
Militärs hätten außerdem verhindert, dass unabhängige Journalisten die
Grenze zum Irak passieren konnten.

Das Informationsministerium in Bagdad wurde am 29. und 30. März
bombardiert. Dabei wurde auch die Ausstattung der dort untergebrachten
internationalen Nachrichtenagenturen beschädigt. Die erste Rakete des
Luftangriffs am 29. März zerstörte die Übertragungsvorrichtungen auf dem
Dach des Gebäudes.

Der Kameramann des arabischen Senders Al Dschasira, Akil Abdel Reda, wurde
am 29. März von US-amerikanischen Soldaten über 12 Stunden lang
festgehalten und verhört. Ein Sprecher von Al Dschasira in Katar meldete,
ihr Kameramann sei verhältnismäßig gut behandelt worden. Der Sender
betonte, sie hätten die US-amerikanischen Behörden vor Kriegsausbruch über
ihre Präsenz im Irak informiert. Der Kameramann war mit seinem Team in
einem zivilen Fahrzeug unterwegs, um über die Lebensmittelvergabe
irakischer Behörden in Basra zu berichten, als britische Panzer das Feuer
eröffneten.

Der US-amerikanische Journalist und Freelancer, Phil Smucker, vom Christian
Science Monitor in Boston und Daily Telegraph in London, wurde von
US-Militärs aus dem Irak ausgewiesen mit der Begründung, er habe durch sein
Interview mit dem Sender CNN am 26. März die Sicherheit einer
Militäreinheit gefährdet, weil er zu detaillierte Informationen
veröffentlicht habe.

Vier Journalisten des britischen Senders ITN gerieten am 22. März in Basra
unter Beschuss. Der britische Journalist Terry Lloyd kam bei dem
Feuergefecht ums Leben, von dem französischen Kameramann Frédéric Nerac und
dem libanesischen Übersetzer Hussein Othman fehlt seitdem jede Spur.
Reporter ohne Grenzen hat US-General Tommy Franks aufgefordert, eine
Untersuchung einzuleiten und den Vorfall aufzuklären.

Aufgrund der Ereignisse ist die Organisation vor allem um die Sicherheit
von Journalisten besorgt, die nicht zu den "eingebetteten" Reportern
zählen.

Außerdem fordert Reporter ohne Grenzen die irakischen Behörden auf, den
Verbleib von vier Journalisten aufzuklären, die seit einer Woche als
vermisst gelten. Nach Aussagen ausländischer Korrespondenten in Bagdad
sollten die Vier abgeschoben werden. Seitdem fehlt jede Spur.

Zwei Reporter der US-amerikanischen Tageszeitung Newsday, der Peruaner
Moises Saman und der Brite Matthew McAllester, wurden zuletzt am 24. März
im Hotel Palestine in Bagdad gesehen. Journalisten vor Ort berichteten,
dass die beiden abgeschoben werden sollten, weil sie mit einem
Touristenvisum eingereist seien. Auch die US-amerikanische Fotoreporterin
und Freelancerin, Molly Bingham, sowie Johann Spanner von der dänischen
Tageszeitung Jyllands-Posten, sollten ausgewiesen werden.



Aktuelle Meldungen zur Pressefreiheit und zu Bedingungen von
Journalistinnen und Journalisten im Irak sind auf den Online-Sonderseiten
der internationalen Organisation in Englisch und Französisch abzurufen:
www.rsf.org

Informationen: Tel: 030-615 85 85
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de / www.rsf.org



Reporter ohne Grenzen hilft bedrohten und inhaftierten Journalistinnen und
Journalisten und verteidigt die Pressefreiheit weltweit. Das Recht zu
informieren und informiert zu werden ist in Artikel 19 der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte verankert. Wir arbeiten global mit einem Netz
von über 100 Korrespondenten und Sektionen in neun europäischen Ländern
sowie Büros in den USA, Asien, Afrika und Lateinamerika.



Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin
Germany
www.reporter-ohne-grenzen.de
PM Irak 1.4.2003


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