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ISSN 1610-0611
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Wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt !

Afghanistan
Journalisten wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt
Oberstes Gericht bestätigt Todesstrafe

Reporter ohne Grenzen kritisiert aufs Schärfste die Verurteilung der beiden
Journalisten Sayeed Mahdawi und Ali Reza Payam von der Wochenzeitschrift
Aftab und fordert die Aufhebung der Urteile. Die beiden Journalisten hatten
kritische Artikel zur reaktionären Ausrichtung des Islam und zur
politischen Funktionalisierung von Religion durch konservative Führer
veröffentlicht. Der Präsident des Obersten Gerichts, Maulavi Fazl-e Hadi
Shinwari, folgte der Entscheidung der islamischen Gelehrten des Landes und
bestätigte die Todesstrafe wegen Gotteslästerung. Sayeed Mahdawi und Ali
Reza Payam halten sich versteckt.

In einem Brief an Präsident Hamid Karzai bedauert die internationale
Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit den Einfluss der
Konservativen auf das juristische System. Sie setzten ihre Macht ein, um
das Recht auf freie Meinungsäußerung einzuschränken. Reporter ohne Grenzen
fordert den Präsidenten auf, die Sicherheit der Journalisten zu garantieren
und das Oberste Gericht zu reformieren. Es müsse als unabhängige Instanz
gelten und grundlegende Rechte und Freiheiten der afghanischen Bevölkerung
verteidigen.

Die Todesstrafen gegen Sayeed Mahdawi und Ali Reza Payam waren vor einigen
Tagen vom "Rat der Ulamas", der sich aus 13 islamischen Gelehrten
zusammensetzt, gefällt worden. Die zehnseitige Urteilsbegründung trägt die
Unterschrift des Präsidenten des Obersten Gerichts, Maulavi Fazl-e Hadi
Shinwari. Bei dem Verfahren wurde der vorgeschriebene Rechtsweg nicht
eingehalten. Zunächst hätte eine niedrigere Instanz, die mit dem Fall
bereits beschäftigt war, ein Urteil fällen müssen.

Hintergrund der Anklagen ist ein am 11. Juni in der Wochenzeitschrift Aftab
veröffentlichter Artikel mit dem Titel "Heiliger Faschismus". Die beiden
Journalisten fragten "Wenn der Islam die einzige und vollendetste
Offenbarungsreligion der Welt ist, warum liegen die muslimischen Länder
dann hinter der modernen Welt zurück?". Aftab wurde nach der
Veröffentlichung geschlossen.

Die beiden Journalisten waren bereits über ein Woche in Haft als sie, auf
Präsident Karzais Intervention hin, wieder auf freien Fuß gesetzt wurden.
Sie sollten sich vor einem Gericht wegen des Artikels verantworten. Als
jedoch Islamisten wegen ihrer Freilassung demonstrierten, fürchteten sie
Repressalien und tauchten unter. Afghanische Zeitungen hatten Fatwas mit
Todesdrohungen veröffentlicht.

Reporter ohne Grenzen hat sich ebenfalls an den UN-Sonderbeauftragten in
Afghanistan, Lakhdar Brahimi, gewandt und ruft die internationale
Gemeinschaft auf, ihr politisches Gewicht für das Recht auf freie
Meinungsäußerung in Afghanistan einzusetzen.
www.reporter-ohne-grenzen.de / www.rsf.org

Berlin, 7. August 2003
Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin
Germany
www.reporter-ohne-grenzen.de
Tel.: 49 - 30 - 615 85 85
Fax: 49 - 30 - 614 56 49


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