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ISSN 1610-0611
Newsletter


Wolodymyr Jefremow

Ukraine
Journalist und Korrespondent von Reporter ohne Grenzen bei Autounfall
getötet / RoG fordert Untersuchung

Reporter ohne Grenzen fordert die ukrainische Regierung auf, die Ursachen
des Autounfalls, bei dem der ukrainische Journalist und Korrespondent der
internationalen Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit, Wolodymyr
Jefremow, am Montag, den 14. Juli ums Leben kam, gründlich zu untersuchen.
Der Journalist war auf dem Weg von der ukrainischen Stadt Dnepropetrowsk in
die Hauptstadt frontal mit einem Lastwagen zusammengestoßen.

Wolodymyr Jefremow war als Kritiker von Präsident Leonid Kutschma in der
Ukraine bekannt. Er war Herausgeber der Tageszeitungen Sobor und
Dniepropetrovsk und Gründer der Fernsehstation TV11, die den ehemaligen
Konkurrenten von Kutschma und ukrainischen Ministerpräsidenten Pavlo
Lasarenko unterstützten.

In einem Interview mit der Deutschen Welle äußert die Tochter Jefremows,
Julia Jefremow, die Vermutung, dass es einen Zusammenhang zwischen den
Aussagen des Journalisten in einem Geldwäsche-Verfahren gegen Lasarenko,
das in den USA anhängig ist, und seinem Tod geben könnte. Ihr Vater, so
Julia Jefremowa, habe sich mit politisch brisanten Themen beschäftigt und
sich gerade in letzter Zeit bedroht gefühlt.

Tatsächlich stand Wolodymyr Jefremow bereits seit mehreren Jahren unter
massivem Druck der ukrainischen Behörden. Im Januar 1999 wurde ein
Gerichtsverfahren gegen ihn eingeleitet wegen des Vorwurfs der
unsachgemäßen Verwendung von Krediten, und er wurde für zwei Tage
festgenommen. Dieses Verfahren ist später eingestellt worden. Im März
desselben Jahres wurde sein Fernsehsender angeblich aus technischen Gründen
geschlossen, obwohl die Station eine Lizenz bis zum Jahr 2001 besaß.

Wolodymyr hat sich als Korrespondent von Reporter ohne Grenzen und als
Vertreter des Instituts für Massenmedien in den letzten Jahren mit
zahlreichen Verstößen gegen die Meinungs- und Pressefreiheit in der Ukraine
befasst. Angesichts seines Engagements und der Repressionen gegen ihn in
der Vergangenheit fordert Reporter ohne Grenzen die ukrainischen Behörden
nachdrücklich dazu auf, bei der Untersuchung des Falles unvoreingenommen
und gründlich vorzugehen.

Die Ukraine gehört zu den Ländern, in denen gewalttätige Übergriffe auf
Journalisten und massiver Druck auf unabhängige Medien an der Tagesordnung
sind. In dem von Reporter ohne Grenzen veröffentlichten Index zur Situation
der Pressefreiheit nimmt die Ukraine einen der hinteren Ränge (112 von 139)
ein. Präsident Kutschma steht auf der Liste der schlimmsten Feinde der
Pressefreiheit.



Berlin 16. Juli 2003
Sabina Strunk
www.reporter-ohne-grenzen.de / www.rsf.org

Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin
Germany


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