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ISSN 1610-0611
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Baustein für den Frieden

Baustein für den Frieden
Um ethnische Konflikte in Mindanao abzubauen, fördert die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) benachteiligte Bevölkerungsgruppen.

Mindanao, die zweitgrößte und ärmste Insel im Süden des philippinischen Archipels, ist immer wieder Schauplatz für Konflikte zwischen Christen, moslemischen und indigenen Minderheiten. Blutige Kämpfe zwischen islamischen Rebellengruppen und Militärs fordern zahllose Opfer in der Zivilbevölkerung, gewalttätige Übergriffe der Terrorgruppe Abu Sayyaf hinterlassen Wunden, die ein friedliches Zusammenleben scheinbar unmöglich machen.

Einen Weg, die komplexen, meist historisch verwurzelten Spannungen zu überwinden, hat die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) eingeschlagen. "Das Vorhaben 'Friedensentwicklung und Konflikttransformation' setzt darauf, die Gewaltbereitschaft in Krisengebieten Mindanaos zu senken", sagt Projektleiterin Ute Hübner. Rund 500 000 Euro hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hierfür bereitgestellt.

Mit einkommensschaffenden Maßnahmen zielt das Projekt darauf ab, die Lebensbedingungen in den Krisenregionen der Insel zu verbessern. Um Konfliktpotenziale zu verringern, hilft es Gemeinden zudem bei Trauma-, Versöhnungsarbeit und Konfliktmediation, etwa durch die Ausbildung von Friedensmediatoren. Gefördert werden auch die Friedensberichterstattung in den lokalen Medien und die Friedenserziehung.

Hübner: "Wir arbeiten Hand in Hand mit nationalen, regionalen und lokalen Regierungsstellen, mit Nichtregierungsorganisationen (NRO) und lokalen Selbsthilfegruppen, die sich bereits im Friedensprozess in Mindanao engagieren. Unsere Unterstützung konzentriert sich auf laufende Maßnahmen, die die Partner sodann ausbauen oder intensivieren."

Eine wichtige Rolle spielt die Förderung indigener Bevölkerungsgruppen. Hübner: "Ihre Bedarfe werden im Spannungsfeld der christlichen und moslemischen Zivilgesellschaft häufig nicht ausreichend berücksichtigt." In Zusammenarbeit mit der NRO Education for Life Foundation unterstützt die GTZ zum Beispiel den Subanen Klan in West-Mindanao mit praktischen Maßnahmen zur Armutsminderung, in erster Linie im landwirtschaftlichen Bereich. Parallel werden Mediatoren zur Konfliktlösung ausgebildet. Auch die schriftliche Erfassung der bislang nur mündlich festgehaltenen Geschichte und Tradition des Subanen Klans wird gefördert.

Die GTZ berät die Projektpartner zusammen mit einem nationalen Experten, der langjährige Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit in Mindanao besitzt. Inzwischen kooperiert das Vorhaben mit 18 Partnerinstitutionen. Dazu gehört die Frauenorganisation "Mindanao Commission for Women", die mithilfe der GTZ ihre Unterstützung für christliche, moslemische und indigene Frauenorganisationen ausgebaut hat. Sie setzt darauf, Frauen durch Beratungen und Trainings wirtschaftlich und politisch zu stärken und ein Friedens-Netzwerk zu knüpfen.

Auf der Insel Basilan im Süden Mindanaos hilft auch die NRO Isabella Foundation Frauen, deren Familien Opfer von Abu Sayyaf-Übergriffen wurden, ihr Einkommen zu verbessern: Trainingsmaßnahmen z.B. für Papierherstellung und Handel werden ergänzt durch Alphabetisierungskurse. Die GTZ unterstützt die NRO zudem dabei, Flüchtlingsfamilien in Basilan eine neue Existenzgrundlage zu sichern. Auch Traumaarbeit gehört dazu.

Hübner ist realistisch: "Das Projekt kann Terrorismus und Gewalt sicher nicht verhindern. Ich bin jedoch überzeugt, dass es einen wichtigen Beitrag zur Friedensarchitektur in Mindanao leistet."

Das Vorhaben ist eines von rund 40 Projekten des Anti-Terror-Programms (ATP), in denen sich die GTZ weltweit in der Krisenprävention engagiert. Im Gegensatz zu den Beratungs- und Ausstattungsleistungen, auf die sich die Technische Zusammenarbeit sonst konzentriert, stellt dieses Sonderprojekt den Partnern auch finanzielle Direkthilfen zur Verfügung.

Die GTZ ist ein weltweit tätiges Bundesunternehmen für internationale Zusammenarbeit. In 130 Ländern realisieren mehr als 10.000 Mitarbeiter der GTZ rund 2700 Entwicklungsprojekte und -programme, vornehmlich im Auftrag der deutschen Bundesregierung. Auf den Philippinen förderte die GTZ im Jahr 2002 23 Projekte und Programme mit rund 8 Mio. Euro.


Eschborn, 27. Januar 2003.


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