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ISSN 1610-0611
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Die Mörder von Srebrenica nach Den Haag


Überstellung der über 500 Mörder von Srebrenica
nach Den Haag gefordert -
SFOR-Truppen haben letztes Vertrauen der Opfer
Srebrenicas zerstört

„Die NATO-Staaten haben nun endgültig auch das
letzte Vertrauen der Opfer von Srebrenica
verloren.“ Das meldet heute die Mütter- und
Frauenbewegung Srebrenicas und die GfbV-Büros in
Sarajevo und Srebrenica.

Gestern wurde der frühere bosnische Kommandant
und Verteidiger von Srebrenica, Naser Oric, von
SFOR-Truppen festgenommen. Er soll wegen der
Tötung von sieben Serben an das Tribunal von Den
Haag überstellt werden. Demgegenüber leben über
500 Angehörige der serbischen Milizen
unbehelligt auf freiem Fuß. Die serbischen
Milizen hatten in Srebrenica das schlimmste
Massaker seit Ende des zweiten Weltkrieges
angerichtet.

Über 8.000 Knaben und Männer wurden zwischen dem
11. und 15. Juli 1995 von den Angehörigen
serbischer „Einsatzgruppen“ wahllos ermordet und
in Massengräbern verscharrt. Die Drahtzieher des
Massakers, Radovan Karadzic und Radko Mladic
wurden bis heute nicht festgenommen. Niemand der
überlebenden Opfer Srebrenicas zweifelt
ernsthaft daran, dass diese Mörder und
Kriegsverbrecher vom Westen geschützt werden.

Angesichts der Tatsache, dass die über 500
serbischen Bluttäter frei herumlaufen können ist
die Festnahme Orics eine Verhöhnung der
bosnischen Opfer und ihrer überlebenden
Angehörigen. Oric war Kommandant jener
bosnischen Truppen, die damalige UN-Schutzzone
Srebrenica beim Überfall der serbischen Armee
verteidigt hatten.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker
International fordert die sofortige Festnahme
Karadzics und Mladics und ihrer über 500 Mann
starken Mördertruppe. Kriegsverbrechen jeder
Seite müssen geahndet werden. Das gilt auch für
jene der Opferseite. Solange jedoch die
serbischen Verursacher des Massakers unbehelligt
bleiben vertieft die Festnahme der Verteidiger
die Verzweiflung der Überlebenden und zerstört
das Vertrauen in die NATO-Staaten.

Gemeinsam mit der Mütterbewegung von Srebrenica
fordern wir darüber hinaus, dass das Schicksal
von etwa 800 Frauen und Kindern der Stadt
untersucht wird, die nach Angaben der
Überlebenden seit dem Fall Srebrenicas
verschwunden sind. Weiter muss recherchiert
werden, wie viele hundert Einwohner, zwischen
dem April 1992 und dem 11. Juli 1995, dem Tag
des Einmarsches der serbischen „Einsatzgruppen“,
ums Leben kamen“.





Tilman Zülch, Präsident

Andre Rollinger, Vizepräsident, Luxemburg

Fadila Memisevic, Vorstandsmitglied, Sarajevo

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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010 Goettingen
Göttingen, den 12.04.2003
Homepage:http://www.gfbv.de
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