Im ersten Wahlgang wurden 7 von insgesamt 43 KandidatInnen gewählt: Ein Mann (Südkorea) und sechs Fraün (Mali, Ghana, Südafrika, Costa Rica, Brasilien, Irland). Dass sechs von insgesamt 10 Kandidatinnen auf Anhieb gewählt wurden, sorgte für eben so viel Applaus wie Irritation. Die Glückwunschstimmung schlägt jedoch allmählich um, da offensichtlich wird, dass vor allem die westeuropäischen Staaten (einschliesslich Kanada) mit der Geschlechterkarte zugleich die Gruppe Afrika abgehakt haben. Nochmal zum besseren Verständnis: In den ersten vier Wahlrunden gelten regionale Mindestquoten. Mindestens drei aus der Gruppe Afrika müssen gewählt werden. Mit den in der ersten Runde gewählten drei Frauen aus der Gruppe Afrika ist die Mindestquote erfüllt. Entsprechend besorgt reagierte ein afrikanischer Delegierter, der nochmals ausdrücklich darauf hinwies, dass die Mindestquote eben nur eine MINDESTquote ist.
Mittlerweile zeichnet sich auch ab, dass die westeuropäischen Staaten und Kanada nach der Erfüllung der "Geschlechterquote" jetzt darauf setzen, die regionalen Mindestquoten grundsätzlich zu umgehen, um dann ab dem fünften Wahlgang, ab dem die Mindestquoten nicht mehr gelten, ihre eigenen Kandidaten quasi en block durchzubringen.
Erstes Anzeichen dafür war der zweite Wahlgang, bei dem nicht nur fünf ungültige Wahlzettel abgegeben wurden (Absicht?), sondern auch kein einziger Kandidat bzw. keine einzige Kandidatin die erforderliche Stimmenanzahl (54 von 80 gültigen Stimmen) erhielt. Es war eine reine Nullrunde. Die verbliebenen Kandidatinnen aus Lettland, Polen, Ungarn und der Schweiz verloren dabei erheblich an Stimmen im Vergleich zur ersten Runde.
Im dritten Wahlgang schaffte lediglich der Kandidat aus Trinidad und Tobago die erforderliche Anzahl von 56 Stimmen (von 83 gültigen). (Trinidad und Tobago brachten in den 90er Jahren die Verhandlungen zum ISTGH in Gang und haben auch als einziger Staat aus der Karibik einen Kandidaten aufgestellt. Seine Wahl war von daher so gut wie sicher.)
Im Hinblick auf die regionialen Gruppen sind bislang die osteuropäischen Staaten die Verlierer. Kein einziger ihrer Kandidaten bzw. keine einzige ihrer Kandidatinnen (3 von 7) wurden bislang gewählt. Alle anderen regionalen Gruppen haben entweder 1 (Westeuropa/Andere, Asien), 2 (Lateinamerika/Karibik) oder 3 (Afrika) RichterInnen sicher.
Für die, die sich für Details interssieren, hier die Stimmenabgaben der ersten drei Runden;
Runde 3 2 1
1. Hudson-Phillips, Trinidad/Tobago 56 49 53 2. Kirsch, Kanada 54 46 55 3. Kourula, Finland 54 53 51 4. Pikis, Zypern (Gruppe Asien) 50 47 43 5. Politi, Italien 49 46 46 6. Kaul, Deutschland 48 45 43 7. Fulford, England 47 45 42 8. Jorda, Frankreich 43 43 43 9. Josipovic, Kroatien 39 30 26 10. Usacka, Lettland 37 31 46 (!) 11. Ott, Schweiz 36 36 45 (!) 12. Slade, Samoa 33 30 34 13. Blattmann, Bolivien 30 27 30 14. Zupancic, Slovenien 27 27 27 15. Karpati, Ungarn 24 26 35 (!) 16. Zielinska, Polen 24 26 36 (!) 17. Zane-Barnüvo, Spanien 22 24 28 18. Karibi-Whyte, Nigeria 21 19 30 19. Diacohu, Rumänien 20 23 23 20. Gochev, Bulgarien 20 18 18 21. Ndir, Senegal 19 17 39 22. Rodrigüs, Portugal 19 24 28 (Kand. zurückgezogen) 23. Giannidis, Griechenland 18 15 14 24. Boggiano, Argentinien 11 7 18 25. Rodriqüz-Cedeno, Venezüla 10 9 20 26. Heng Vong, Kambodscha 8 10 14 27. Nieto Navia, Kolumbien 8 7 16 28. Sissoko, Niger 7 17 39 29. Enkhsaikhan, Mongolei 6 11 27 (Kand. zurückgezogen) 30. Tuivaga, Fiji 6 7 14 31. Katuala Kaba Kashala,Dem. Rep. Kongo 5 8 14 (Kand. zurückgezogen)
Tansania, Uganda, Gambia, Peru, Belgien haben ihre Kandidaten nach der 2. Runde zurückgezogen.
Der vierte Wahlgang findet morgen vormittag Ortszeit statt.
Gabriela Mischkowskifür medica mondiale e.V. z. Zt. New York
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