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ISSN 1610-0611
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Die Toten von Srebrenica kehren keim

Die Toten kehren heim die Lebenden haben keine Chance

„Heute haben wir hier 602 unserer Söhne, Ehemänner, Väter und Großväter, Knaben und Männer im Alter von 10-70 Jahren in Potocari bei Srebrenica bestattet, an dem selben Ort, an dem am 11.Juli 1995 Tausende unsere Männer von serbischen Einsatzgruppen selektiert und in den Tagen danach erschossen und in Massengräbern verscharrt wurden“, sagte Hatidza Mehmedovic, die Präsidentin der Vereinigung der Mütterbewegung von Srebrenica und Leiterin des dortigen Büros der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV).

Hatidza Mehmedovic hatte selbst beim serbischen Morden in Srebrenica alle ihre männlichen Familienmitglieder verloren. Darunter ihre zwei Söhne, ihr Ehemann und ihre Brüder. „Sechshundertzwei Knaben und Männer durften nun endlich heimkehren, tot. Aber die meisten der Lebenden haben keine Chance“, erklärte die Menschenrechtlerin unmittelbar nach der Bestattungszeremonie in Potocari im Namen der Gesellschaft für bedrohte Völker International. Die politischen Anhänger des damaligen Schlächters Radovan Karadzic regieren heute die Stadt. Die Rückkehrer werden diskriminiert. Ihr Leben ist von Elend gezeichnet und die internationalen Hilfsorganisationen haben die Stadt verlassen. Der höchste bosnische muslimische Geistliche, Rais Ul Ulema Mustafa Efendi Ceric, hat in seiner Ansprache von einem „Tag der Wahrheit für Bosnien“ gesprochen und hinzugefügt: „Jetzt müsse man an die Rückkehr der Lebenden denken“.

Am selben Tag hat die GfbV-International, unterstützt von vielen prominenten Persönlichkeiten, in einem Appell an die Europäischen Union, ihre Mitgliedstaaten und den Vertreter der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien Herzegowina endlich Taten gefordert. Es reiche nicht, nur von dem schlimmsten Verbrechen in Europa seit 1945 zu reden und dabei gleichzeitig die nur 4 000 Rückkehrer ihrem Schicksal zu überlassen.

Die Unterzeichner (Sabine Christiansen, Marek Edelman, Hermann van Veen, Ralph Giordano, Prof. Jürgen Habermas, Prof. Walter Jens, Bischöfin Maria Jepsen, Dr. Christian Schwarz-Schilling und Dr. Hans Jochen Vogel) forderten mit der GfbV dazu auf, Srebrenica als autonomen Distrikt (der muslimisch-bosnischen wie der serbisch-bosnischen Einwohner) direkt der bosnischen Zentralregierung zu unterstellen. Darüber hinaus mahnen die Prominenten gemeinsam mit der GfbV ein internationales Wiederaufbau- und Wirtschaftsprogramm für die von allen internationalen Hilfsorganisationen verlassene und vergessene Stadt zu initiieren. Außerdem müssten endlich alle Mittäter der Massenerschießungen aus ihren Ämtern in Srebrenica entfernt und die Hauptkriegsverbrecher Radovan Karadzic und Ratko Mladic an das Internationale Kriegsverbrechertribunal überstellt werden.

Im Vorstand der bosnischen Sektion der Gesellschaft für bedrohte Völker in Sarajevo arbeiten muslimische, kroatische, serbische, jüdische und Roma-Bosnier zusammen. Die GfbV initiierte die Mütterbewegung mit heute über 10000 Mitgliedern, führt die Kampagne „Wahrheit und Gerechtigkeit für Srebrenica“, unterstützt seit Jahren den Exhumierungs- und Identifikationsprozess für die Opfer der Massenexekutionen und initiiert humanitäre und ökonomische Projekte für Srebrenica.

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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010 Goettingen
Göttingen, Srebrenica, 31. März 2003
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Online-Zeitschrift "IMI-List" Nummer 0164 | Forschung zu Freiwilligkeit