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ISSN 1610-0611
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Dramatische humanitäre Lage im Kaukasus

ÄRZTE OHNE GRENZEN: Positive Spendenbilanz für 2002
Dramatische humanitäre Lage im Kaukasus

Die deutsche Sektion von ÄRZTE OHNE GRENZEN hat nach
eigenen Angaben im Jahr 2002 Einnahmen in Höhe von 17,3 Millionen Euro
erzielt. Dies teilte die Organisation auf ihrer Jahrespressekonferenz am
Freitag in Berlin mit. Vorstandsvorsitzender Stefan Krieger wertete dieses
Ergebnis positiv, da die Einnahmen trotz Elbeflut stabilisiert werden
konnten. Große Sorge bereitet ÄRZTE OHNE GRENZEN derzeit die humanitäre
Situation im Kaukasus, wo humanitäre Organisationen aufgrund der schlechten
Sicherheitslage nur eingeschränkt arbeiten können. Die Organisation
appellierte erneut an den russischen Präsidenten Putin, sich für die
sofortige Freilassung des seit fast einem Jahr entführten niederländischen
Mitarbeiters Arjan Erkel einzusetzen.

Obwohl sich die Spendenbereitschaft der Deutschen 2002 vor allem auf die
Elbe-Flutkatastrophe konzentrierte, hat ÄRZTE OHNE GRENZEN keine Einbußen
für Auslandsprojekte zu verzeichnen. Von den Einnahmen in Höhe von 17,3
Millionen Euro entfallen 16,6 Millionen Euro auf private Spenden und
Zuwendungen (2001: 16,9 Mio Euro). Die deutsche Sektion hat Projekte in 45
Ländern finanziert, wobei der Schwerpunkt auf Afrika liegt. Insgesamt wurden
119 Mitarbeiter auf 151 Stellen vermittelt. "Wir wünschen uns, dass deutsche
Chefärzte künftig noch mehr Ärzten einen humanitären Einsatz ermöglichen",
sagte der Chirurg und Vorstandsvorsitzender Krieger. Dies könne durch
Teilzeitverträge oder Freistellungen erreicht werden.

Die Entführung des Mitarbeiters Arjan Erkel im letzten Jahr hat dazu
geführt, dass ÄRZTE OHNE GRENZEN alle Projekte in Dagestan eingestellt hat
und die Aktivitäten in Tschetschenien auf ein Minimum reduzieren musste. Die
Geschäftsführerin der deutschen Sektion, Ulrike von Pilar, beklagte, dass
die dringend notwendige humanitäre Hilfe in Tschetschenien aus
Sicherheitsgründen fast völlig zum Erliegen gekommen ist. In Inguschetien,
wo noch immer Zehntausende tschetschenische Vertriebene leben, erschweren
die Behörden durch bürokratische Auflagen die Arbeit der
Hilfsorganisationen.

In Inguschetien werden die Vertriebenen zunehmend unter Druck gesetzt, in
ihre Heimat zurückzukehren. "Die Menschen haben keine Wahl", so von Pilar.
"In Inguschetien wird die humanitäre Hilfe gekürzt, Gas und Wasser werden
oft abgestellt, verrottete Zelte dürfen nicht ersetzt werden. Gleichzeitig
herrscht in Tschetschenien weiterhin Gewalt und Zerstörung." Einer Studie
von ÄRZTE OHNE GRENZEN zufolge wollen 98 Prozent derjenigen Vertriebenen,
die in Zelten untergebracht sind, nicht nach Tschetschenien zurück, weil sie
dort um ihr Leben fürchten.

Die Organisation fordert alle Konfliktparteien auf, den Schutz der
Zivilbevölkerung zu gewährleisten und den Hilfsorganisationen unabhängigen
Zugang zu ermöglichen.



Berlin, 18. Juli 2003.
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AERZTE OHNE GRENZEN / AM KOELLNISCHEN PARK 1 / D-10179 BERLIN
OFFICE@BERLIN.MSF.ORG / HTTP://WWW.AERZTE-OHNE-GRENZEN.DE
SPENDENKONTO: 97097 / SPARKASSE BONN / BLZ 380 500 00


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