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ISSN 1610-0611
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Gesundheit in ärmeren Ländern steht auf dem Spiel

G8-Gipfel in Evian:
Gesundheit in ärmeren Ländern steht auf dem Spiel
ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert G8 auf, Versprechungen umzusetzen

Im Vorfeld des G8-Gipfels befürchtet die
Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN, dass die Gesundheit der Menschen in
ärmeren Ländern den Interessen der Pharmaindustrie zum Opfer fällt. Die
Organisation kritisiert, dass sich viele Zusagen, die auf früheren Gipfeln
getroffen wurden, bislang als leere Versprechungen erwiesen haben.

ÄRZTE OHNE GRENZEN warnt davor, dass der Globale Fonds zur Bekämpfung von
Aids, Tuberkulose und Malaria, der erst 2001 auf dem G8-Gipfel in Genau
eingerichtet wurde, seine Arbeit bald einstellen muss, wenn die Regierungen
ihre finanziellen Zusagen nicht erfüllen. So hat die deutsche Regierung zwar
214 Millionen US-Dollar versprochen, tatsächlich jedoch erst zwölf Millionen
Dollar einbezahlt. Allein für das Jahr 2003 fehlen dem Fonds 1,4 Milliarden
US-Dollar, um weitere Projekte finanzieren zu können.

Die G8-Regierungen haben sich zudem wiederholt für ein gestaffeltes
Preissystem ausgesprochen, wonach die Pharmaindustrie ihre Arzneimittel in
ärmeren Ländern kostengünstig abgeben soll. ÄRZTE OHNE GRENZEN zufolge haben
die jüngsten EU-Verhandlungen in Brüssel jedoch gezeigt, dass den Interessen
der Pharmaindustrie deutlichen Vorrang gegenüber dem Schutz der Gesundheit
in ärmeren Länden eingeräumt wurde. "Gerade die deutsche Regierung hat den
ursprünglich von der EU-Kommission vorgelegten Vorschlag abgeschwächt. Die
von der EU jetzt festgelegten Richtpreise sind höher als die Preise der
meisten bereits erhältlichen Generika", so Tobias Luppe von ÄRZTE OHNE
GRENZEN. Die Organisation befürchtet, dass das europäische Modell nun im
Rahmen der G8-Verhandlungen als Vorbild für ähnliche Regelungen weltweit
genutzt wird. Die Preisgestaltung bliebe so auch künftig der Pharmaindustrie
überlassen.

"Das wirksamste Mittel, Medikamentenpreise zu senken, ist nach wie vor der
Wettbewerb durch die Herstellung von Nachahmerprodukten", erklärte Tobias
Luppe. "Doch auch die Verhandlungen über die Nutzung von Zwangslizenzen und
den Import von kostengünstigen Generika werden vor allem durch die
Interessen der pharmazeutischen Industrie blockiert."

Die Pharmaindustrie rechtfertigt die hohen Preise und ihr Bestreben nach
verstärktem Patentschutz mit den Entwicklungskosten für Medikamente. Doch
Menschen in ärmeren Ländern profitieren von den Forschungsaktivitäten der
Industrie bis heute kaum. Nach Angaben von ÄRZTE OHNE GRENZEN ist die
Entwicklung von Medikamenten gegen vernachlässigte Krankheiten nahezu zum
Stillstand gekommen. Besonders besorgt ist die Organisation deshalb über die
Streichung der Arbeitsgruppe, die von den G8 hierzu ursprünglich vorgesehen
war.





Berlin, 28. Mai 2003.
Pressestelle, Kattrin Lempp,

http://www.aerzte-ohne-grenzen.de
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