GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER Offener Brief an Bundesaußenminister Joschka Fischer
Kollaborierte der BND mit dem irakischen Geheimdienst?
Sehr geehrter Herr Minister, im britischen Sunday Telegraph hat David Harrison am Ostersonntag, dem 20. April 2003, aus Bagdad berichtet, ein Repräsentant des deutschen Geheimdienstes namens Johannes William Hoffner habe unter diplomatischem Schutz Gespräche mit Generalleutnant Taher Jalil Haboosh, dem Direktor von Iraks Geheimdienst (Intelligence Service), geführt. Bei dem Treffen am 29. Januar 2002 sei es um die Vertiefung der beiderseitigen Beziehungen gegangen. Außerdem habe die irakische Seite lukrative Kontrakte für die Zukunft angeboten. Der Sunday Telegraph behauptet, er hätte entsprechende Dokumente im bombardierten Hauptquartier des irakischen Geheimdienstes sichergestellt.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) bittet Sie herzlich, uns Auskunft darüber zu geben, ob tatsächlich derartige Gespräche mit einem Regime stattgefunden haben, das Genozide an Kurden und Schiiten verübt hat. Bei den Massenvernichtungen der Kurden wurden bekanntlich auch chemische Waffen eingesetzt, an deren Produktion deutsche Firmen führend beteiligt waren.
Wir halten eine Kollaboration des Bundesnachrichtendienstes BND mit dem irakischen Geheimdienst schon deshalb nicht für unwahrscheinlich, weil es während Ihrer Amtszeit schon andere ungeheuerliche Aufträge an den BND gegeben hat: Bereits Ende März 2000 hatte eine BND-Delegation in der Trümmerwüste von Grosny nach der totalen Zerstörung der tschetschenischen Hauptstadt mit den russischen Geheimdienstkollegen verhandelt. Damals lagen noch hunderte, vielleicht tausende Leichen ermordeter Tschetschenen in Ruinen und Kellern Grosnys. Thema war nicht etwa der an den Tschetschenen verübte Genozid. Vielmehr wurden Informationen über „tschetschenischen Terrorismus“ ausgetauscht. Die GfbV hatte seinerzeit Anzeige gegen BND- Chef August Hanning erstattet, der die dreiköpfige Delegation des Deutsches Dienstes in Grosny angeführt hatte.
Mit freundlichen Grüßen Gez. Tilman Zülch, Generalsekretär
========================================================= Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV) Inse Geismar, Pressereferentin Postfach 2024, D-37010 Goettingen Göttingen, den 22. April 2003 Hompage:http://www.gfbv.de ==========================================================
|