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ISSN 1610-0611
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Medikamentenzugang in ärmeren Ländern

WTO-Kompromiss gefährdet Zugang zu kostengünstigen Medikamenten
in ärmeren Ländern

Die am Samstag von den Mitgliedern der
Welthandelsorganisation (WTO) in Genf verabschiedete Regelung zum
Medikamentenzugang in ärmeren Ländern wird laut ÄRZTE OHNE GRENZEN und OXFAM
ihrem ursprünglichen Ziel nicht gerecht. Die Regelung, die den Zugang zu
kostengünstigen Generika sicherstellen sollte, ist den internationalen
Hilfsorganisationen zufolge völlig unpraktikabel.

"Diese Regelung kommt vor allem den Interessen der USA und den
Pharmaunternehmen der Industrieländer nach", sagte Tobias Luppe von ÄRZTE
OHNE GRENZEN. "Sie bringt jedoch kaum Verbesserung für Patienten in ärmeren
Ländern."

Die im Vorfeld der WTO-Konferenz in Cancún geführten Verhandlungen hatten
ursprünglich zum Ziel, den Zugang zu erschwinglichen Generika in ärmeren
Ländern zu erleichtern. Die am Samstag verabschiedete Vereinbarung wird
jedoch laut ÄRZTE OHNE GRENZEN und OXFAM die Produktion und den Export der
Nachahmerprodukte weiter erschweren. Vertreter der US-amerikanischen
Regierung hatten darauf bestanden, den Export von Generika durch zusätzliche
juristische, politische und wirtschaftliche Hürden einzuschränken.

"Heutzutage können ärmere Länder Generika mittels der Vergabe einer
Zwangslizenz einführen, da generische Versionen fast aller Markenprodukte
irgendwo auf dem Weltmarkt hergestellt werden", sagte Céline Charveriat von
OXFAM. "Doch die jetzt verabschiedete Regelung macht den Generika-Export
derart kompliziert, dass die ärmeren Länder de facto keinen Gebrauch von
Zwangslizenzen machen können. Das heißt, sie werden zukünftig kaum eine
Alternative zu den teuren Markenpräparaten haben."

Am Freitag hatten mehr als 20 Länder ihre Bedenken gegenüber dem Textentwurf
geäußert. Am Samstag wurden sie laut ÄRZTE OHNE GRENZEN und OXFAM
offensichtlich unter massiven Druck gesetzt, dem Entwurf zuzustimmen.

Weitere Informationen:
http://www.aerzte-ohne-grenzen.de


Genf/Berlin, 30. August. 2003.
OXFAM: Amy Barry
Céline Charveriat
Pressemitteilung von ÄRZTE OHNE GRENZEN und OXFAM
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