Titel Hamburg Initiativen Hamburg-Termine Inland International Magazin Kleinanzeigen Archiv Suchen Info
International:
International


Themen:
urgent action
Gegen den Krieg I
Gegen den Krieg II
Der Krieg
  Hilfe
  Stoppt den Krieg
  Bilderkrieg
Krieg & Frieden Menschen- u. Bürgerrechte
  IOM-Press (deutsch)
  IOM-Press (english)
  Amnesty (deutsch)
  Amnesty (english)
  IMK
EU
  EP: Abtreibungen legal
Umwelt Natur Öko
Mensch & Tier
Report
  Weltsozialforum
  IStGH Haager Tribunal
  WTO
Presse- u. Informationsfreiheit
  WSIS
Initiativen
  Hilfe für Kinder


Service:
Archiv
Impressum
Information
Intern
ISSN 1610-0611
Newsletter


KlimaKompakt Nr. 31

* Editorial
DER KLIMA-LACKMUSTEST

* Anspruchsvolle Vorgaben von NRO für emissionsmindernde Projekte
DER GOLD-STANDARD

* Initiative der Bundesregierung zum Verlassen der Konsensfalle
HOHE ERWARTUNGEN AN DEN ERNEUERBAREN-GIPFEL IN BONN IM JUNI 2004

* Satellitendaten zeigen starke Erwärmung der Arktis
ARKTISCHES EIS OHNE TRENDUMKEHR IM JAHR 2100 VERSCHWUNDEN



Editorial

DER KLIMA-LACKMUSTEST

Vermutlich wird Russland erst nach der US-Präsidentenwahl im November 2004
entscheiden, ob es das Kyoto-Protokoll ratifziert. Aus russischer Sicht mag das
rational erscheinen. Vielleicht kann man durch die Wartezeit ja den Preis
hochtreiben, den Kyoto-Befürworter zu zahlen bereit sind; und dann könnte ja
eine andere US-Regierung gewählt sein, die man mit dem auf die russische
Ratifizierung automatisch erfolgten Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls weniger
verärgert. Für die Welt insgesamt aber ist die Unsicherheit, die so ins System
kommt, höchst irrational. Die notwendigen Investitionen in den Klimaschutz
brauchen Planungssicherheit.

Zentral ist, dass wichtige Kyoto-Staaten jetzt klar stellen: wir fahren mit der
Implementierung von Kyoto weiter fort, als wäre es in Kraft. Dies könnte auf dem
Klimagipfel in Mailand geschehen; auch eine gemeinsame Erklärung der EU, Japans
und Kanadas könnte den Anfang machen. Die Regierungschefs der EU und Kanadas
haben die Umsetzung ihrer Kyoto-Ziele bereits vom Inkrafttreten des Protokolls
entkoppelt. Jetzt naht der Lackmustest für ihre wohltönenden
Klimaschutzbekenntnisse.

Christoph Bals



========================================================================



Anspruchsvolle Vorgaben von NRO für emissionsmindernde Projekte

DER GOLD-STANDARD

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Emissionsmindernde Projekte können laut Kyoto-Protokoll auch in
Entwicklungsländern (Clean Development Mechanism / CDM) bzw. in anderen
Industriestaaten (Joint Implementation / JI) durchgeführt werden. Unter
Federführung des WWF haben Umwelt- und Entwicklungsexperten sowie
Wissenschaftler einen anspruchsvollen "Gold-Standard" entwickelt, der sicher
stellen soll, dass die Projekte sowohl klima- als auch entwicklungspolitisch
sinnvoll sind.

Germanwatch bringt gekürzt eine Einführung des WWF dazu.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

"Der Gold Standard ist der erste unabhängige Qualitätsstandard für Treibhausgas-
Minderungsprojekte im Rahmen des CDM und JI. Er stellt Projektentwicklern ein
Instrument zur Verfügung, mit dem sichergestellt werden kann, dass im Rahmen von
CDM und JI glaubwürdige Projekte mit tatsächlich positiven Umweltauswirkungen
durchgeführt werden. Sie geben so den Gastländern und der Öffentlichkeit die
Sicherheit, dass die Projekte neue und zusätzliche Investitionen in nachhaltige
Energiedienstleistungen bewirken.

Der Gold-Standard beruht auf einem einfachen, aber strengen Beurteilungsrahmen,
der folgende Kriterien erfüllt:

* Sicherstellung der Balance zwischen hohen Umweltanforderungen und
Praxistauglichkeit bei der Anwendung durch Projektentwickler und
Zertifizierungsinstitutionen.

* Direkte Kompatibilität mit den Projektzyklen von CDM und JI.

* Einfache Verfahrensweisen, die von CDM-Projektbeteiligten, wie z.B.
Projektentwicklern, Zertifizierern und örtlichen
Nichtregierungsorganisationen problemlos gehandhabt werden können.

* Globale Standards, die ohne Schwierigkeiten in unterschiedlichen
lokalen und nationalen Zusammenhängen und über verschiedene Sektoren
hinweg angewandt werden können.

Der Gold-Standard baut auf Empfehlungen auf, die das CDM Executive Board (...)
gegeben hat. Der Gold-Standard setzt einen "Code of best practise" hinsichtlich
vieler Fragen (...) und beinhaltet einige wenige zusätzliche Anforderungen, die
notwendig sind, um echte Beiträge zu nachhaltiger Entwicklung in den
Gastgeberländern sowie einen langfristigen Nutzen im Sinne des Klimaschutzes
sicherzustellen. (...)

WAS BRINGT DER GOLD-STANDARD?

(...) Hochwertige CDM- und JI-Projekte mit dem Schwerpunkt auf nachhaltigen
Energietechnologien können durch ihre Katalysatorwirkung für die Märkte
erneuerbarer Energien und Energieeffizienz auf der Anwenderseite entfalten.
Dazu gehören:

* Direkte finanzielle Anreize für die Wettbewerbsfähigkeit von
paradigmensetzenden Technologien

* Entwicklung von unterstützenden politischen Initiativen

* Verbessertes Verständnis und Akzeptanz für die Bedeutung und Anwendung
nachhaltiger Energietechnologien

* Verbreitung von "best-practise" Techniken

* Stärkung lokaler institutioneller Kapazitäten, einschließlich
Kreditbereitstellung, Technologieentwicklung und Ausbildung. (...)"

Quelle:
http://www.panda.org/about_wwf/what_we_do/climate_change/what_we_do/business_industry/gold_standard.cfm



========================================================================



Initiative der Bundesregierung zum Verlassen der Konsensfalle

HOHE ERWARTUNGEN AN DEN ERNEUERBAREN-GIPFEL IN BONN IM JUNI 2004

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Für Beschlüsse im Rahmen der UNO ist immer ein Konsens notwendig, der in
jüngster Zeit meist durch einige wenige Staaten, v.a. die USA, blockiert wird.
Als Ausweg aus dieser "Konsensfalle" gibt es hohe Erwartungen in den Gipfel für
Erneuerbare Energien im Juni 2004, der Vorreiter-Initiativen auf den Weg bringen
soll.

Germanwatch dokumentiert aus Papieren von Regierung und NRO.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

DIE KONFERENZ AUS SICHT DER BUNDESREGIERUNG

"Vom 1. bis 4. Juni 2004 findet in Deutschland die Internationale Konferenz für
Erneuerbare Energien, renewables 2004, statt. (...). Die renewables 2004 wird
der in Johannesburg angestoßenen Dynamik hin zu einem globalen Ausbau
erneuerbarer Energien weitere Impulse verleihen. Außerdem wird sie die
Initiative der Koalition gleichgesinnter Länder (die sogenannte "Johannesburg
Renewable Energy Coalition - JREC") aufgreifen und weiterentwickeln.

Nach derzeitigem Stand werden die Konferenzteilnehmer/innen insbesondere die
folgenden Themen bearbeiten:

* Finanzierung (Instrumente) und Marktentwicklung

* Gestaltung förderlicher politischer Rahmenbedingungen

* Aufbau von Kapazitäten (Bildung, Forschung, Netzwerke, Kooperationen
etc.)

unter Berücksichtigung der landesspezifischen Gegebenheiten. (...)

Bei der Fokussierung der erwünschten Konferenzergebnisse lässt sich die
Bundesregierung im weiteren Vorbereitungsprozess insbesondere von einem
internationalen Lenkungsausschuss (International Steering Committee) beraten. Zu
den derzeitigen Optionen gehören:

* Ausbauziele für Erneuerbare Energien auf lokaler, (supra)nationaler
und regionaler Ebene. Diese können als Steuerungsinstrument für die
Politik und als Investitionssignal für den privaten Sektor nützlich
sein.

* Politische Maßnahmenpakete, die entweder in individuellen oder
gemeinsamen Aktionen von Regierungen, Organisationen/Institutionen
oder Unternehmen bestehen können, oder sich in Form eines
internationalen Aktionsplans oder in regionalen Kooperationen äußern.

* Leitlinien für eine "gute Politik" im Energiesektor. Diese sind
vorstellbar als Politikempfehlungen anhand von Indikatoren oder auch
aktionsorientiert in der Umsetzung von "Lessons learned" bzw. "best-
practices".

* die Etablierung eines Nachfolgeprozesses. Dieser kann zum einen das
Monitoring der Ziele, Maßnahmen, Aktionen und anderer politischer
Verpflichtungen gewährleisten, zum anderen die Anbindung an andere
internationale Prozesse sicherstellen. Ferner soll er die weitere
Diskussion institutioneller Fragen ermöglichen."

Quelle: http://www.renewables2004.de



NRO-AKTIVITÄTEN: CURES

Auf einem von Heinrich-Böll-Stiftung, Forum Umwelt und Entwicklung und WWF
veranstalteten Workshop (...) hatten die NRO ihre Strategien und Forderungen für
die Erneuerbaren-Konferenz abgestimmt. Dabei wurde ein neues Netzwerk »CURES«
(Citizens United for Renewable Energies and Sustainability) gegründet, zu dessen
Mitgliedern u.a. auch Greenpeace International, Climate Action Network Europe
etc. gehören. (...) Die NRO betonen, dass der Johannesburger
Nachhaltigkeitsgipfel nicht die erforderlichen Ergebnisse gebracht hat und auch
die Klimaverhandlungen ins Stocken geraten sind. Die rasche Erwärmung der Erde
mache zügige Schritte erforderlich, das fossile Energiesystem rasch zu
überwinden. Zudem sind nach Ansicht der NRO erneuerbare Energien die einzige
Möglichkeit, den zwei Milliarden Menschen Zugang zu modernen
Energiedienstleistungen zu verschaffen, die davon bisher ausgeschlossen sind.

Während die meisten Entwicklungsländer bisher auf den Import teurer fossiler
Brennstoffe angewiesen sind, eröffnen erneuerbare Energien die Chance zu einer
dezentralen Energiebereitstellung, deren Wertschöpfung vorwiegend lokal
stattfindet, mehr Arbeitsplätze schafft und weit weniger korruptions- und
krisenanfällig ist als das fossile Energiesystem. Die NRO fordern alle
Regierungen auf, für den Bonner Erneuerbaren-Gipfel ambitionierte Ausbauziele zu
beschließen, um die UN-Ziele der Armutsbekämpfung und der Verhinderung eines
gefährlichen Klimawandels erfüllen zu können. Die Erklärung fordert alle
Regierungen auf, sich nicht länger von Bremsernationen blockieren zu lassen, und
listet dazu eine Vielzahl von Maßnahmen auf, wie z.B. die Abschaffung von
Subventionen für fossile und atomare Energieträger, wirksame Schritte und
Rahmenbedingungen zur Unterstützung der erneuerbaren Energien. Auch die
internationalen Finanzierungsinstitutionen wie die Weltbank müssten ihre
Energieprogramme radikal umstrukturieren. Auch die Wirtschaft wird aufgefordert,
zu einer globalen Energiewende beizutragen und nicht mit leeren Händen zu
"Renewables 2004" zu kommen.

Die CURES-Erklärung ist zu finden unter http://www.ee-netz.de/cures.html



========================================================================



Satellitendaten zeigen starke Erwärmung der Arktis

ARKTISCHES EIS OHNE TRENDUMKEHR IM JAHR 2100 VERSCHWUNDEN

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Die Klimaänderung wirkt sich in verschiedenen Regionen unterschiedlich aus.
Gerade in hohen Breiten und am Nordpol ist bereits gegenwärtig anhand Messdaten
festzustellen, dass dort die Erwärmung viel stärker ausfällt als im weltweiten
Durchschnitt. Tritt keine Umkehr in Erwärmungstrend ein, ist zu befürchten, dass
es 2100 kein arktisches Polareis mehr gibt.

Germanwatch übersetzt leicht gekürzt einen Beitrag von Krishna Ramanujan (NASA).
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

"Im Jahr 2002 deuteten zahlreiche wissenschaftliche Studien einen dramatischen
Wandel des arktischen Meereseises an. Meereseis, das im Sommer nicht schmilzt
und das ganze Jahr über bestehen bleibt, schmilzt mit der alarmierenden Rate von
9 Prozent pro Jahrzehnt, so eine Studie des Wissenschaftlers Josefino Comiso aus
dem NASA Goddard Space Flight Center. Die Ausdehnung des arktischen Meereseises
hat 2002 am Ende des Sommers einen neuen Niedrigrekord erreicht, berichteten von
der NASA geförderte Forscher (...). Erste Ergebnisse deuten an, dass die
Sommerschmelze des arktischen Meereseises 2003 mit dem Rekord des letzten Jahres
konkurrieren wird.

Zur Unterstützung dieses Beweises einer Änderung des arktischen Klimas zeigt
Comiso in einem neuen Papier, dass sich der größte Teil der Arktis in den 1990er
Jahren gegenüber den 1980ern signifikant erwärmte. Die Studie findet auch, dass
die Jahreszeiten mit Eisschmelzen zwischen frühem Frühjahr und spätem Herbst
jedes Jahrzehnt länger und wärmer geworden sind. Arktisregionen in Nordamerika
sind jedes Jahrzehnt wärmer geworden als andere Arktisregionen. Die Studie (...)
begründet sich auf Oberflächentemperaturen aus Satellitenmessungen, die zwischen
1981 und 2001 aufgenommen wurden.

(...) Die Wissenschaftler finden, dass das arktische Meereseis mit einer
zunehmenden Rate schmilzt. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, kann es gegen 2100
sogar verschwunden sein.

Es wäre einfach, sich damit zu trösten, dass es alles weit weg passiert. Jedoch
sind diese Änderungen in der Arktis ein früher Indikator, dass sich das globale
Klima im Fluss befindet. "Die Leute sprechen über den Klimawandel, und die
Arktis ist wirklich der beste Ort, um den Klimawandel nachzuweisen, weil die
Auswirkungen dort verstärkt auftreten", sagt Comiso. (...)

Die Arktis erwärmt sich beschleunigt. Satellitendaten, die zwischen 1981 und
2001 erhoben wurden, deuten daraufhin, dass sich manche Regionen mehr als 2,5 °C
pro Jahrzehnt erwärmen.

(...) Die Forscher vermuten, dass der Arktiseisverlust sowohl durch die globale
Erwärmung als auch durch wechselnde atmosphärische Druck und Windmuster über der
Arktis verursacht wird. (...)

"Die Erwärmung, die wir wahrnehmen, ist ein weiterer Indikator, dass sich das
Klima jetzt in einer Weise ändert, wie wir es seit Millionen Jahren nicht erlebt
haben", sagt David Rind aus dem NASA Goddard Institute for Space Studies in New
York."

Quelle: http://earthobservatory.nasa.gov/Study/ArcticIce


===================================================
Diese Ausgabe von KlimaKompakt finden Sie im Internet unter
http://www.germanwatch.org/kliko/k31home.htm



Außerdem neu auf den Germanwatch-Webseiten:

* Einladung zur Tagung "Wie weit reicht die Verantwortung von
Unternehmen?" Berlin 1.12.
http://www.germanwatch.org/news/t031201.htm

* 21. IPCC-Plenarsitzung: Inhalte und Ergebnisse
http://www.germanwatch.org/rio/ipcc03.htm

* Erneuerbare Energien unverzichtbar für Klimaschutz.
Pressemitteilung 5.11.
http://www.germanwatch.org/pubpress/p031105a.htm

* Germanwatch begrüßt Initiative des 'Carbon Disclosure Project'.
Pressemitteilung 3.11.
http://www.germanwatch.org/pubpress/p031103a.htm





========================================================================
KlimaKompakt Nr. 31 / November 2003

IMPRESSUM

Redaktion:
Germanwatch e.V.
C. Bals, B. Camps Febrer, G. Kier, K. Milke, Dr. M. Treber (V.i.S.d.P.)

Das Projekt wird finanziell vom Bundesumweltministerium und vom Umweltbundesamt
gefördert. Die Förderer übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, die
Genauigkeit und Vollständigkeit der Angaben sowie für die Beachtung privater
Rechte Dritter. Die geäußerten Ansichten und Meinungen müssen nicht mit denen
der Förderer übereinstimmen.


Germanwatch e.V.
RioKonkret
Kaiserstr. 201
53113 Bonn
http://www.germanwatch.org/rio
Spendenkonto 373737, Volksbank Bonn (BLZ 38060186)



251103


nach oben

--

< zurück --vorwärts > ↑ nach oben

Ölrausch im Naturparadies | Klimawandel lässt Gletscher schneller schmelzen