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ISSN 1610-0611
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Alte Tanker sofort aus dem Verkehr ziehen

Greenpeace verfolgt Schwesterschiff der "Prestige" in der Kadetrinne
Umweltschuetzer fordern von EU-Gipfel: Alte Tanker sofort aus dem
Verkehr ziehen

Greenpeace-Aktivisten haben in der Nacht
das Schwesterschiff der "Prestige" in der Kadetrinne geortet. Mit
zwei Schlauchbooten verfolgten fuenf Umweltschuetzer den Oeltanker
"Express" auf der Ostsee und machten so auf ihn aufmerksam. Am Heck
der Greenpeace-Boote wehte eine Flagge mit der Aufschrift "Oel-
Gefahr!". Der Tanker ist 243 Meter lang, besitzt eine Tragfaehigkeit
von 81.000 Tonnen und ist 22 Jahre alt. Das Schiff hat nur eine
Huelle, befindet sich auf seinem Weg in die Nordsee und stellt eine
potentielle Gefahr fuer die europaeischen Kuesten dar.

"Alte Tanker wie die 'Express' muessen sofort verboten werden. Mit
diesem Verbot muessen die Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen
beim EU-Gipfel zeigen, dass sie den Menschen an den Kuesten helfen
und ihre Sorgen ernst nehmen. Wenn wieder nur politische Worthuelsen
kommen, ist das zu wenig", sagt Schifffahrtsexperte Christian Bussau
auf dem Greenpeace-Schiff "Sunthorice". An Bord des umgebauten
Feuerschiffes unterstuetzen Ueberseelotsen die Greenpeace-Aktivisten
beim Ueberwachen der Kadetrinne. Mit Radargeraeten wird das Gebiet
zwischen Warnemuende und der daenischen Insel Falster - eine der
gefaehrlichsten Wasserstrassen Europas - rund um die Uhr
kontrolliert.

Greenpeace fordert von den EU-Gipfel-Teilnehmern Sofortmassnahmen,
um die europaeischen Kuesten vor Schiffsungluecken zu schuetzen.
Tankerungluecke, wie das der "Prestige" vor Spanien koennen sich
jeden Tag wiederholen. Besonders kritisch ist die Situation in der
Kadetrinne. Das Nadeloehr in der Ostsee ist eine der meistbefahrenen
Schifffahrtsstrassen Europas. Jaehrlich passieren rund 63.000
Schiffe die Meerenge, ohne dass sie verpflichtet sind, einen Lotsen
an Bord zu nehmen. Statistisch gesehen faehrt pro Tag ein
schrottreifer Tanker, wie die Prestige, durch die Passage.

Auch Deutschland ist zur Zeit nicht in der Lage, einen Oelunfall,
wie den der "Prestige", wirksam zu bekaempfen. Es gibt keinen
einzigen Sicherheitshafen, der einen havarierten Tanker aufnehmen
koennte. "Wohin soll ein Havarist eigentlich geschleppt werden? Kein
Staat in Europa ist auf einen solchen Ernstfall vorbereitet.
Deswegen brauchen wir jetzt ein Konzept fuer Sicherheitshaefen in
Europa," fordert Bussau.

Weltweit sind rund 50 Prozent (3620 Schiffe) der Tankerflotte aelter
als 25 Jahre und haben nur eine Schiffshuelle. Die IMO
(International Maritime Organisation) will Tanker mit nur einer
Huelle noch bis zum Jahr 2015 erlauben. Ein generelles Verbot dieser
Schiffe soll es erst danach geben.

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Kadetrinne, 12.12.2002. -


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