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ISSN 1610-0611
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Anstieg der weltweiten CO2-Emissionen im Jahr 2002


Kohleverbrauch nimmt vermutlich wegen hoher Rohölpreise zu

Die weltweiten, energiebedingten CO2-Emissionen im
Jahr 2002 um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Dies geht aus
einem heute veröffentlichten Arbeitspapier von Ludwig-Bölkow-Systemtechnik
(LBST) und Germanwatch hervor, das die aktuelle Entwicklung der globalen
energiebedingten Kohlendioxidemissionen analysiert. Dem Papier zufolge
blieben die Emissionen der Industrieländer konstant, während die
Entwicklungsländer eine Zunahme um 7 Prozent verzeichneten. Doch hinter
den gegenläufigen Bilanzen von Industrie- und Entwicklungsländern verbirgt
sich eine andere Wahrheit.

Der scheinbare Erfolg der Industriestaaten beruht immer noch auf der
Rezession in den ehemaligen Ostblockländern; die meisten westlichen
Industrieländer weisen seit 1990 praktisch keine Fortschritte bei der
Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen auf. "Nach offiziellen
Projektionen für die hochindustrialisierten Industrieländer wird bis zum
Jahr 2010 mit einem Anstieg um 17 Prozent gegenüber 2000 gerechnet,"
kommentiert Dr. Manfred Treber, Klimareferent der Nord-Süd-Initiative
Germanwatch. "Wenn sich das nicht ändert, wird kein Entwicklungs- oder
Schwellenland irgendwelchen Einschränkungen durch klimapolitische
Maßnahmen zustimmen, die es selbst betrifft."

Unter den Entwicklungs- und Schwellenländern weisen Thailand, Malaysia und
Südkorea mit einer Zunahme um jeweils rund 120 Prozent den höchsten
Anstieg von 1990 bis 2002 auf. Entwicklungsländern wird derzeit -
angesichts ihrer geringen Pro-Kopf-Emissionen - weiteres Emissionswachstum
zugebilligt. "Einiges spricht allerdings dafür, dass die starke Zunahme in
den Entwicklungsländern im letzten Jahr teilweise ein statistischer Effekt
ist. Möglicherweise war beispielsweise der Rückgang der Emissionen in
China Ende der 90er Jahre nicht so stark wie bislang dargestellt, so dass
die höheren Emissionen Chinas im Jahr 2002 teilweise auf einer Anpassung
der Daten beruhen," erklärt Dr. Werner Zittel (LBST).

Eine weitere, bedenkliche Erkenntnis des Arbeitspapiers: "Zwar findet seit
1990 erfreulicherweise weltweit ein leichter Rückgang der
Kohlenstoffintensität statt, was vor allem am sinkenden Anteil der Kohle
am Energieverbrauch liegt," so Zittel. In den letzten beiden Jahren jedoch
habe die Kohlenstoffintensität (diese gibt an, wie viel Kohlendioxid pro
verbrauchter Energiemenge frei wird) wieder zugenommen - vermutlich wegen
des hohen Ölpreises und der in der Folge wieder angestiegenen
Kohlenutzung. Das gälte auch für den weltgrößten Verursacher von
Treibhausgasen, die USA. "Es ist eine Schande, dass in dem Land, das
ohnehin den höchsten Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen hat, auch noch der
Kohleverbrauch ansteigt," beklagt Treber. "Das US-Emissionswachstum von
1990 bis 2000 lag doppelt so hoch wie der weltweite Durchschnitt."
Demgegenüber verzeichnete China in den letzten Jahren insgesamt sogar
einen Rückgang des Verbrauchs von Kohle als seinem wichtigsten
Energieträger. In den vergangenen beiden Jahren stieg der Kohleverbrauch
in China zwar wieder an, 2002 lag er aber immer noch unter dem Wert von
1997.

Das Arbeitspapier rechnet die im jährlichen 'BP Statistical Review of
World Energy' ausgewiesenen Energieverbrauchswerte in
Kohlendioxidemissionen um. Die so entstehenden absoluten Emissionswerte
sind bestens geeignet, um Trends und die relative Entwicklung der
Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger abzubilden.



Das vollständige Arbeitspapier kann unter
http://www.germanwatch.org/rio/apbpst03.htm abgerufen werden.


Bonn, 14. Juli 2003:
Pressemitteilung von Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH und Germanwatch e.V.


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