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ISSN 1610-0611
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Grauwale im Visier der Ölmultis

WWF kritisiert geplante Ölbohrungen im Westpazifik

Frankfurt a. M., 19.02.03: Die Pläne von Shell und der russischen Investorengruppe Sakhalin Energie, die Öl- und Gasbohrungen im Ochotskischen Meer nördlich von Japan zu intensivieren, stoßen beim WWF auf massive Kritik. Die Naturschützer fürchten um die letzten westpazifischen Grauwale. In dieser Region haben nur weniger als 100 Exemplare der bis zu 35 Tonnen schweren und 15 Meter langen Meeressäuger überlebt. Die Investoren wollen zwar fünf Millionen Dollar springen lassen, um die Wale besser zu erforschen. Für Volker Homes vom WWF ist dies jedoch lediglich ein „grünes Feigenblatt“. Denn am Bau neuer Ölplattformen und Pipelines halten Shell und Sakhalin Energie unverändert fest. „Wenn die Firmen wirklich etwas für die Wale tun wollen, müssen sie ihre Pläne ändern. Forschung allein nützt den Walen überhaupt nichts“, so Homes.

Shell und Sakhalin Energie sind bereits in der Region aktiv. Jetzt wollen sie direkt in den Nahrungsgründen der Bartenwale neue Plattformen bauen. Außerdem sind
vier Pipelines direkt durch die „Speisekammer“ der Grauwale geplant. Eine weitere Bedrohung für die grauen Riesen sind die seismischen Untersuchungen, mit denen die Firmen versuchen, neue Öl- und Gasvorkommen ausfindig zu machen. Diese Untersuchungen stehen im Verdacht, das sensible Orientierungssystem der Wale durcheinander zu bringen. „Die Wale werden verschreckt und von ihren Futterplätzen verjagt“, befürchtet Volker Homes vom WWF. Auch die immer wieder beobachteten Strandungen von Walen seien möglicherweise auf die akustische Umweltverschmutzung in den Meeren zurückzuführen.

Mit weniger als 100 Tieren gehören die Grauwale des Westpazifik inzwischen zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Beständen der Großwale. Sie
gehören zu den so genannten Bartenwalen und überdauern den Sommer bevorzugt in Küstennähe, wo sie sich für den Winter eine Speckschicht anfressen. Von den Grauwalen existieren zwei von einander getrennte Populationen an den Küsten des West- und des Ostpazifiks. Bis zum 17. Jahrhundert waren Grauwale in allen Weltmeeren zuhause. Die unkontrollierte Jagd führte zur Ausrottung der atlantischen Population und reduzierte die Bestände im Pazifik drastisch. Heute gibt es wieder etwa 27.000 Tiere, aber nur noch weniger als 100 davon bilden die hochgradig gefährdete Population im Westpazifik, der Rest lebt im Ostpazifik.

WWF Deutschland
Rebstöcker Straße 55
60326 Frankfurt

19.02.2003


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