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KlimaKompakt Nr. 28
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Editorial
KLIMASCHUTZ DRÄNGT
Rekordhitze in Deutschland, und nicht nur hier. Sie sorgt für Ernteausfälle in der Landwirtschaft und bedroht dadurch wirtschaftliche Existenzen. In Italien wird das Wasser knapp. Sowohl für die Bewässerung als auch für die Kühlung von Kraftwerken. Dort werden bereits Schäden in Milliardenhöhe registriert. In Kauf genommen, auch weil man sich nicht vorher für den Klimaschutz engagierte.
Dabei ist dies erst der Anfang von Phänomenen, mit denen wir auf Grund der vom Menschen verursachten Erwärmung vermehrt rechnen müssen.
Die Klimawissenschaft macht klare Aussagen: Eine weitere Temperaturzunahme um mehr als ein Grad wird wegen bereits ausgestoßener Treibhausgase unweigerlich eintreten. An uns liegt es, wie viel mehr es noch wird!
Wichtige Maßnahmen wie der EU-Emissionshandel wurden beschlossen. US- Bundesstaten werden eigenmächtig tätig, weil Präsident Bush im Klimaschutz blockiert. Ende 2003 kommt die deutsche Klimastrategie ins Kabinett. Wird sich auch die Landwirtschaft vehement für beherzte Klimaschutzpolitik einsetzen, um die Erwärmung - und zukünftige Ernteausfälle - möglichst gering zu halten?
Manfred Treber
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US-Bundesstaat Maine verabschiedet Gesetz mit Zielen und Zeitvorgaben
"ERSTES GESETZ DER NATION ZUM KLIMAWANDEL"
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Das Engagement der Bush-Administration hinsichtlich des Klimaschutzes ist nach wie vor sehr begrenzt. Dies verdeckt jedoch oft den Blick darauf, dass unterhalb der föderalen Ebene die Herausforderung des Klimawandels von vielen Akteuren in den USA anders beurteilt wird. Einzelne Bundesstaaten ergreifen selbst Maßnahmen. Maine ist dabei Vorreiter, wie J. Weinstein am 25. Juni 2003 im Portland Press Herald berichtet.
Germanwatch bringt die Meldung leicht gekürzt in eigener Übersetzung. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
"Während Mitglieder des Kongresses nationale Maßnahmen verlangen, um Treibhausgasemissionen zu reduzieren, wird der Gouverneur John Baldacci am Donnerstag ein bundesstaatliches Gesetz unterzeichnen - das erste der Nation - um genaue Ziele und Zeitvorgaben zu setzen, die Kohlenstoffdioxidverschmutzung zu verringern.
Obwohl Maine der erste Staat mit einem Gesetz zu diesem Thema ist, haben sich auch andere Staaten mit Kohlenstoffdioxidemissionen beschäftigt.
Im August 2001 unterzeichnete der damalige Gouverneur Angus King ein Übereinkommen mit anderen Gouverneuren Neuenglands und ostkanadischen Premiers, das ähnliche Ziele für die Region festlegt.
Seitdem haben New Hampshire, Massachusetts und Rhode Island Handlungspläne entwickelt und Vermont hat eine Durchführungsverordnung erlassen, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren.
Keiner hat jedoch seine Pläne in ein Gesetz verwandelt.
Maines Gesetz wird von dem Staat verlangen, einen "climate change action plan" zu entwickeln.
Die bundesstaatliche Umweltschutzabteilung wird mit bundesstaatlichen Behörden, Einzelpersonen, Unternehmen und anderen zusammenarbeiten, um Wege zu finden, Kohlenstoffdioxidemissionen bis 2010 auf das Niveau von 1990, bis 2020 auf 10 Prozent unter dieses Niveau und letzten Endes um ganze 80 Prozent zu senken. (...)
Ted Koffman von der Demokratischen Partei (...) sagte "In manchen Fällen könnte ein regulierender Ansatz der effektivste und angemessenste Weg (...) sein. In anderen Fällen könnte Bildungsarbeit und technische Hilfe das sein, was gebraucht wird."
Jim Marston (Environmental Defense) äußerte, dass es besonders jetzt, da Washington sich nicht mit Treibhausgasen beschäftige, wichtig für die Bundesstaaten sei einzuspringen.
Ein Berichtsentwurf der US-Umweltschutzbehörde EPA behandelt in keiner Weise die Auswirkungen von Klimawandel und globaler Erwärmung, die zum Teil durch menschliches Verhalten verursacht ist.
Alle vier Mitglieder der Kongressdelegation aus Maine unterstützen nationale Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen und US Senatorin Olympia Snowe, eine Republikanerin, sagte Dienstag in einer schriftlichen Stellungnahme, dass sie dem Bundesstaat zur Verabschiedung des Gesetzes Beifall spende. (...)
Sen. Susan Collins, auch Republikanerin, gibt in einer schriftlichen Aussage kund, dass "die Klimaänderung eine ernste und wachsende Bedrohung ist. Das wichtigste, das wir tun können, um die Klimaänderung zu bekämpfen, ist es, reale Schritte zur Emissionsminderung von Treibhausgasen zu unternehmen. (...)"
Quelle: Portland Press Herald vom 25.6.03 (Online-Ausgabe)
http://www.pressherald.com/news/state/030625climate.shtml
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Nach hinreichender wissenschaftlicher Gewissheit und völkerrechtlichem Übereinkommen
KLIMAÄNDERUNG - EIN FALL FÜR JURISTEN
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Germanwatch bringt eine Meldung der Financial Times vom 14. Juli dazu gekürzt in eigener Übersetzung. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
"Zuerst waren es Tabak und Asbest. Dann war die Lebensmittelbranche an der Reihe. Jetzt haben Kläger noch ein neues Ziel in Sicht: die Verantwortlichen für den Klimawandel.
Zwei Fälle sind bereits vor US Gerichten begonnen worden. Weitere sind laut dem neu gebildeten "Climate Justice Programme" in Vorbereitung. Dies ist eine gemeinschaftliche Unternehmung von Rechtsanwälten, Wissenschaftlern und mehr als 40 gesellschaftlichen Gruppen, die den Einsatz des Gesetzes unterstützt, um den Klimawandel zu bekämpfen.
Sie glaubt, dass internationale und nationale Gesetze - zu Menschenrechten, Produkthaftung, öffentlichem Ärgernis, Verschmutzung und Schädigung anderer Staaten - eine effektive Waffe sein werden, um Emissionsminderungen zu erzwingen und Verursacher für die Folgen ihrer Handlungen haftbar zu machen.
"Die potentielle Entschädigung für Auswirkungen des Klimawandels würde die Tabakauszahlungen wie Peanuts aussehen lassen," sagt Peter Roderick, ein Anwalt, der für das Climate Justice Programme arbeitet.
Es gibt keinen Mangel an potentiellen Klägern. Wenn Vorhersagen von steigenden Temperaturen, Überschwemmungen, Dürreperioden, Waldbränden, steigendem Meeresspiegel, Seuchen, tauendem Dauerfrost und Schäden an Ernte und Wasserversorgung sich als korrekt herausstellen, dürfte die globale Erwärmung das am meisten Schaden verursachende Umweltproblem der Geschichte sein. (...)
Als er kürzlich im Columbia Journal of Environmental Law schrieb, zog David Grossman, ein Yale-Absolvent, die Schlussfolgerung: "Einige schadensersatzrechtlich begründete Klagen zum Klimawandel haben starke juristische Vorzüge und können zum Erfolg führen."
Er denkt, dass Küstenstaaten, Inselstaaten und -nationen, der Bundesstaat Alaska und Dörfer Alaskas alle vielversprechende Kläger sein könnten. Potentielle Angeklagte könnten Fossilbrennstoffunternehmen, Elektrizitäts-Versorgungsunternehmen und Autohersteller sein, deren Haftung dem Kohlenstoffgehalt ihres Produkts oder ihrem Marktanteil entsprechend bemessen werden könnte.
Die Schwierigkeiten, eine Verbindung zwischen globaler Erwärmung und spezifischen Umweltauswirkungen herzustellen, könnten mittels eines statistischen Ansatzes gelöst werden, schrieb Myles Allen, ein Physiker in Oxford, dieses Jahr in Nature. Mit fortschreitendem Verständnis des Klimawandels könnten Wissenschaftler in der Lage sein zu bestimmen, dass z.B. das Überschwemmungsrisiko in einer bestimmten Gegend um den Faktor 10 zugenommen hätte. Es könnte dann angemessen sein, 90 % des durch eine bestimmte Überschwemmung verursachten Schadens vergangenen Emissionen zuzuschreiben.
Im Moment ist es nach Ansicht von James Cameron von Baker & McKenzie, der internationalen Rechtsanwaltskanzlei, unwahrscheinlich für ein Unternehmen, nur aufgrund seiner Treibhausgasemissionen verklagt zu werden.
Er warnt jedoch davor, dass das Risiko stark erhöht werden könnte, wenn das Unternehmen als schuldhaft handelnd angesehen würde, z.B. indem es Lobbyarbeit gegen Treibhausgasregulierungen betreibe.
Unternehmen, die ihr Handeln zum Klimawandel verzögern, laufen auch Gefahr, von ihren Investoren verklagt zu werden. Sie könnten dafür angeklagt werden, als Folge von unangemessen verzögerten Emissionsreduzierungen höhere Kosten eingegangen, den Ruf eines Unternehmens beschädigt und investitionsrelevante Informationen nicht offengelegt zu haben.
"Folgen könnten Handlungen von Aktionären, die sich darauf berufen, dass Direktoren und Vorstandsvorsitzende solcher Firmen dafür haftbar sein sollten, potentiell drohende Regulierungen in Bezug auf den Klimawandel nicht adäquat behandelt zu haben", so die Swiss Re, ein Rückversicherer, der besorgt ist über die Folgen für Haftpflichtversicherungen von Direktoren und leitenden Angestellten.
Neben direktem juristischem Vorgehen gegen Unternehmen konzentrieren sich die Kläger auf Regulierungsbehörden. Im Februar erhoben die Staaten Connecticut, Maine und Massachusetts unter dem Clean Air Act Anklage gegen die US Umweltschutzbehörde wegen unterlassener Regulierung von Kohlendioxid, dem Haupttreibhausgas. (...)"
Quelle: Financial Times vom 14.7.03 (Online-Ausgabe)
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Globale Wetterdaten zeigen Rekordextreme
ERWÄRMUNGSTREND IN DEN LETZTEN 25 JAHREN DREIMAL SO STARK
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Die Weltmeteorologische Organisation (WMO) hat in einer Pressemitteilung am 2. Juli auf Rekordextreme bei Wetter- und Klimaereignissen weltweit hingewiesen. Einhergehend mit einem Anstieg globaler Temperaturen aufgrund des Klimawandels kann die Anzahl und Intensität von Extremereignissen ansteigen.
Germanwatch bringt die Meldung leicht gekürzt in eigener Übersetzung. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
"Im Juni wurden Rekorde bezüglich hoher Temperaturen im südlichen Frankreich aufgezeichnet, mit Maximaltemperaturen von über 40 °C in Teilen Südwest-Frankreichs. Hierdurch bedingt lagen die Durchschnittstemperaturen im Juni um 5 bis 7 °C über dem langjährigen Mittel. Umwelthistorikern zufolge war der Juni in der Schweiz der heißeste Monat in (mindestens) den letzten 250 Jahren. (...)
In den Vereinigten Staaten gab es im Mai 562 Tornados, die insgesamt 41 Tote verursachten. Noch nie gab es in einem einzigen Monat derart viele Tornados. Bisheriger Rekordmonat war mit 399 Tornados der Juni 1992. Im östlichen und südöstlichen Teil der USA war das Wetter über einen Monat lang feucht-kalt. Wöchentliche negative Temperaturanomalien von -2 bis - 6 °C traten im Mai auf, während über einen Zeitraum von über 12 Wochen ab März 2003 übermäßig hohe Niederschläge von 50-350 mm aufgezeichnet wurden.
In Indien brachte die diesjährige Vormonsun-Hitzewelle Spitzentemperaturen von 45 bis 49 °C. Die wöchentlichen Temperaturunterschiede im Vergleich zum Normalwert betrugen +2 bis +5 °C. Mindestens 1400 Menschen starben in Indien als Folge des heißen Wetters. In Sri Lanka verschlimmerten starke Regenfälle des Tropischen Zyklons 01B das ohnehin feuchte Wetter, was zu Überflutungen und Erdrutschen mit mindestens 300 Toten führte. (...)
Diese Rekordextremereignisse (hohe Temperaturen, niedrige Temperaturen und hohe Regenmengen sowie Dürren) gehen alle bei der Berechung der monatlichen und jährlichen Mittelwerte ein, die - im Falle der Temperaturen - im Verlauf der letzten 100 Jahre graduell gestiegen sind. Neue Rekord-Extremereignisse gibt es jedes Jahr irgendwo auf der Erde, aber in den vergangenen Jahren ist die Anzahl solcher Extreme gestiegen. Nach den jüngsten wissenschaftlichen Sachstands-berichten zum Klimawandel, die vom IPCC (...) veröffentlicht wurden, sind die weltweiten Durchschnittstemperaturen der Erdoberfläche seit 1861 gestiegen. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts betrug der Anstieg rund 0,6 °C. Dieser Wert liegt rund 0,15 °C höher als die in vorherigen Berichten gemachte Abschätzung. Neue Analysen (...) zeigen, dass der Temperaturanstieg im 20. Jh. wahrscheinlich höher ist als in allen anderen Jahrhunderten der letzten 1.000 Jahre. Es gilt auch als wahrscheinlich, dass auf der nördlichen Erdhalbkugel die 1990er Jahre das bislang wärmste Jahrzehnt waren und 1998 das wärmste Jahr. Während der Trend in Richtung höherer Mitteltemperaturen der Erdoberfläche im Verlauf des letzten Jahrhunderts ungleichmäßig war, fiel der Trend für die Zeit seit 1976 etwa dreimal so stark wie derjenige der gesamten letzten 100 Jahre zusammen aus."
Quelle: Pressemitteilung der WMO vom 2.7.03
http://www.wmo.ch/web/Press/Press695.doc
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IMPRESSUM
Redaktion: Germanwatch e.V. C. Bals, C. Braun-Munzinger; G. Kier, K. Milke, Dr. M. Treber (V.i.S.d.P.)
Das Projekt wird finanziell vom Bundesumweltministerium und vom Umweltbundesamt gefördert. Die Förderer übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, die Genauigkeit und Vollständigkeit der Angaben sowie für die Beachtung privater Rechte Dritter. Die geäußerten Ansichten und Meinungen müssen nicht mit denen der Förderer übereinstimmen.
Wir freuen uns über Anregungen und Verbesserungsvorschläge!
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* US-Bundesstaat Maine verabschiedet Gesetz mit Zielen und Zeitvorgaben "ERSTES GESETZ DER NATION ZUM KLIMAWANDEL"
* Nach hinreichender wissenschaftlicher Gewissheit und völkerrechtlichem Übereinkommen KLIMAÄNDERUNG - EIN FALL FÜR JURISTEN
* Globale Wetterdaten zeigen Rekordextreme ERWÄRMUNGSTREND IN DEN LETZTEN 25 JAHREN DREIMAL SO STARK
Diese Ausgabe von KlimaKompakt finden Sie im Internet unter
http://www.germanwatch.org/kliko/k28home.htm
Außerdem neu auf den Germanwatch-Webseiten:
* Kommissionsmitteilung: Klimaschutz aus entwicklungspolitischer Perspektive
http://www.germanwatch.org/klak/eu-kom03.htm
* Empörung über mögliche Atombürgschaften. Pressemitteilung 25.7.03
http://www.germanwatch.org/pubpress/p030725a.htm
* Anstieg der weltweiten CO2-Emissionen im Jahr 2002. Pressemitteilung 14.7.03
http://www.germanwatch.org/pubpress/p030714a.htm
* Analysis of BP Statistical Review of World Energy with respect to CO2 emissions. 4th Edition, 14 July 2003
http://www.germanwatch.org/rio/apbpst03.htm
* Gewinner des Wettbewerbs für Postkartenmotive zur Klima-AUSBADE-Kampagne
http://www.germanwatch.org/klak/postkart.htm
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KlimaKompakt Nr. 28 / Juli 2003 Germanwatch e.V. RioKonkret Kaiserstr. 201 53113 Bonn Tel. 0228/60492-17, Fax -19
http://www.germanwatch.org/rio
Spendenkonto 373737, Volksbank Bonn (BLZ 38060186)
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