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ISSN 1610-0611
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Monopoly in Sumatras Elefantenwald

WWF-Studie zeigt Mitverantwortung deutscher Banken und Unternehmen bei der Zerstörung des indonesischen Regenwalds Tesso Nilo

Frankfurt a. M., 08.04.03: Tesso Nilo im Zentrum der indonesischen Insel Sumatra ist eine ökologische Schatzkammer: In den Wäldern von Tesso Nilo, die eines der wichtigsten Rückzugsgebiete der selten gewordenen Sumatra-Elefanten sind, wurde die weltweit größte Pflanzenvielfalt nachgewiesen. Doch in Indonesien und damit auch in Tesso Nilo wird der Regenwald schneller vernichtet als überall sonst auf der Welt. Deutsche Finanzinstitute wie Deutsche Bank und Hermes Kreditversicherung haben diese Entwicklung durch Kredite und Bürgschaften mit zu verantworten. Der WWF weist in seiner aktuellen Studie „Elefantenwald im Ausverkauf“ nach, dass europäische Unternehmen und Finanzinstitute an der Zerstörung dieses Regenwalds beteiligt sind. Durch industrielle und illegale Rodungen wird Tesso Nilo im Zeitraffer in riesige Plantagen umgewandelt. Die auf diesen Plantagen gewonnenen billigen Rohstoffe landen schließlich als Kopierpapier, Kartonage, Margarine und Süßigkeiten in europäischen !
Büros und Haushalten.

„Um den immensen Hunger nach billigem Holz, Papierzellstoff und Palmöl zu stillen, wird mit den Tesso Nilo-Regenwäldern ein ökologisches Juwel durch den
Schredder gejagt“, so WWF-Tropenwaldexperte Martin Geiger. Der WWF fordert die indonesischen Behörden auf, das Kerngebiet von Tesso Nilo sofort zum Nationalpark zu erklären und ihm damit den höchst möglichen Schutz zu gewähren. Mit den Papier- und Zellstoffunternehmen verhandelt der WWF derzeit darüber, dass sie die geplante Vernichtung weiterer Regenwaldflächen nicht durchführen. Außerdem fordern die Umweltschützer, dass die in Tesso Nilo engagierten Banken ihren Einfluss geltend machen, um die letzten verbliebenen Waldflächen noch zu retten. Der WWF verlangt außerdem, dass sie künftig keine Gelder mehr in die Zerstörung tropischer Regenwälder investieren und ökologisch und soziale Standards entwickeln und veröffentlichen, nach denen sie Kredite vergeben.

Tesso Nilo liegt zwischen drei bereits bestehenden Schutzgebieten. Der WWF schlägt vor, diese mit dem geplanten Nationalpark Tesso Nilo und untereinander
durch so genannte Wildtierkorridore zu verbinden. So könne ein 600.000 Hektar großes Schutzgebiet entstehen, in dem sich die hier lebenden Tiere wieder frei bewegen können. Dieses Gebiet wäre mehr als doppelt so groß wie das Saarland. Der Raubbau in Tesso Nilo gefährdet vor allem die vom Aussterben bedrohten Sumatra-Elefanten: Zwar lebt in der indonesischen Provinz Riau, in der Tesso Nilo liegt, die größte noch verbliebene Elefantenpopulation Sumatras - doch die Tiere finden in den schrumpfenden Wäldern immer weniger Rückzugsgebiete. Die Folge: Auf der Suche nach Nahrung weichen die Elefanten in die Plantagen und Siedlungen aus, sodass Zusammenstöße mit den Dorfbewohnern und Waldarbeitern unvermeidlich sind und bereits zum Alltag gehören. Nicht selten enden diese Konflikte für die Dickhäuter tödlich. „Wir fordern die Untern!
ehmen in den Konsumentenländern auf, nur noch Produkte zu verkaufen, für die keine Elefanten sterben müssen!“, stellt Martin Geiger klar. In Deutschland vertreibt zum Beispiel die Firma Papier Union Papier aus der Provinz Riau. Dieses stammt aus Plantagen, für die in den vergangenen zehn Jahren der ursprüngliche Regenwald gerodet wurde. Die WWF-Studie liefert Hinweise dafür, dass auch andere deutsche Unternehmen Papier und Zellstoff aus Indonesien importieren. Das Papier wird in Deutschland unter anderem unter den Markennamen Paper One und Golden Plus verkauft. Die genaue Herkunft kann in den meisten Fällen jedoch nur sehr schwer bestimmt werden.

Noch ist Tesso Nilo der größte zusammenhängende Regenwald im Tiefland Sumatras. Doch durch die fortschreitende Abholzung und die anschließende
Bepflanzung mit Monokulturen wird der „Elefantenwald“ immer mehr zu einer kleinen Insel in einem Meer von Plantagen. Die Weltbank schätzt, dass die Tiefland- Regenwälder in ganz Sumatra bis 2005 völlig verschwunden sein werden, wenn Holzeinschlag und Brandrodung nicht sofort beendet werden. Der WWF ist seit 1999 in Tesso Nilo aktiv und verhandelt mit Gemeinden, Regierung, Behörden sowie den Unternehmen und Investoren über Schutzmaßnahmen. Nachdem die indonesischen Mitarbeiter des WWF im vergangenen Sommer einen Hilferuf für Tesso Nilo nach Deutschland sandten und die deutschen Kollegen sich umgehend vor Ort ein Bild von der prekären Lage machten, wird der WWF Deutschland seine Arbeit in diesem Jahr verstärkt auf die Rettung der Regenwälder in Indonesien, speziell in Tesso Nilo, ausrichten.


WWF Deutschland
Rebstöcker Straße 55
60326 Frankfurt

8.04.2003
www.wwf.de


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