Tickende Umweltbomben im Ostsee Eis
WWF fordert: Ostsee vor Tankerunfällen besser schützen
Nach dem griechischen Tanker „Stemnitsa“, der mit 110.000 Tonnen Rohöl vor zwei Tagen durch die Ostsee fuhr, obwohl er dafür völlig ungeeignet war, hat heute ein Schwesterschiff, der Öltanker „Minerva Nounou“ mit 100.000 Tonnen Rohöl den russischen Hafen Primorsk verlassen. Das 270 Meter lange und 50 m breite Schiff kämpft sich mit Hilfe von Eisbrechern durch das bis zu 50 cm dicke Packeis der Ostsee, obwohl es nur für maximal 30 cm dicke Treibeisverhältnisse zugelassen ist. Gleichzeitig liegt der Einhüllentanker „Acushnet“ mit 35.000 Tonnen Öl im dänischen Kattegatt auf Grund.
„Diese Tanker gleichen tickenden Umweltbomben, die jederzeit eine Umweltkatastrophe in der Ostsee verursachen können“, warnte Jochen Lamp vom WWF. Der WWF fordert die EU-Verkehrsminister und die EU-Kommission auf, so schnell wie möglich internationale Standards für Schiffe zu beschließen, die durch die vereiste Ostsee fahren. Nur so kann die Gefahr einer Ölpest in der Ostsee gebannt werden. Vor einigen Tagen hatten der finnische Staatspräsident und der Ministerpräsident persönlich vergebens versucht, auf die russischen Behörden einzuwirken, damit diese das Auslaufen des Tankers „Stemnitsa“ aus den russischen Häfen verhindern sollten. Nun wird mit dem baugleichen Tanker „Minerva Nounou“ ein weiteres Schiff auf die Reise durch das Packeis geschickt.
Die Ostsee ist ein sehr empfindliches Meeresgebiet. Die Route der Öltanker durch den Finnischen Golf führt durch Aufzuchtgebiete von Ringelrobben sowie Kegelrobben, die dort im Eis gerade ihre Jungen aufziehen sowie durch Rast- und Brutgebiete von Zugvögeln. Gewöhnlich ist dieses Gebiet 100 Tage im Jahr mit Eis bedeckt. Statistisch gesehen ist der Winter die gefährlichste Zeit für die Ölschifffahrt.
Trotz dieser gefährlicher Bedingungen hat sich der Transport von Öl auf der Ostsee in den letzten sechs Jahren verdoppelt und beträgt nun 40 Millionen Tonnen im Jahr. Es wird erwartet, dass 2010 nach dem Bau des neuen Ölhafens in Vysotsk (Russland), der Transport auf 160 Millionen Tonnen Öl pro Jahr steigen wird.
Der WWF fordert die Regierungen der Ostsee-Anrainerstaaten auf, bei der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) die Ausweisung der Ostsee oder zumindest der sensibelsten Gebiete der Ostsee, wie der Golf von Finnland , aber auch die Gewässer um die Kadetrinne vor Deutschland, als „Besonders Empfindliches Meeresgebiet“ zu beantragen. „Diese Gebiete müssen dann aber auch durch konkrete Maßnahmen untersetzt sein, wie dem Verbot von Tankern ohne Eisschutz im Winter, Lotsenpflicht und sichere Meldesysteme, damit diese Gebiete vor Umweltkatastrophen durch Öltanker verschont bleiben“, so Lamp .
Jochen Lamp WWF Deutschland Tel.: 0 38 31/29 70 18 oder 0160-90613817
Anita Mäkinen WWF Finnland Gabriele Kranz Pressereferentin WWF Deutschland WWF Deutschland Rebstöcker Straße 55 60326 Frankfurt
Stralsund, 10.02.03:
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