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ISSN 1610-0611
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Pro Jahr über 50.000 Brände

WWF fordert Präventivmaßnahmen, um Feuerkatastrophen in Südeuropa zu verhindern.

Angesichts der verheerenden Waldbrände auf Korsika und an der Côte d‘Azur weist der WWF auf die wachsende Gefahr solcher Feuerkatastrophen im gesamten Mittelmeerraum hin. Schon jetzt fallen dort jedes Jahr 600.000 bis 800.000 Hektar Wald den Flammen zum Opfer. Das entspricht der Größe von Kreta. WWF-Waldexpertin Nina Griesshammer: „Das Mittelmeer wird zum Flammenmeer. Die Regierungen der Anrainerstaaten müssen endlich handeln und weitere Feuersbrünste durch wirksame Prävention verhindern. Einer der vielfältigsten Ökoregionen der Erde drohen sonst katastrophale Schäden.“ Mehr als 50.000 Brände vernichten jährlich im Schnitt 1,5 Prozent der gesamten mediterranen Waldfläche. Griesshammer: „Die besonders hohe Artenvielfalt des Mittelmeerraums schrumpft fortlaufend. Dort sind noch 25.000 verschiedene Blütenpflanzen heimisch, etwa zehn Prozent dieser Pflanzen weltweit.“

Großfeuer spielen bei deren Vernichtung die Hauptrolle, und ihre Ursachen sind nur selten natürlicher Art. 95 Prozent der Brände werden nach Erkenntnissen des WWF von Menschen herbeigeführt, aus purer Nachlässigkeit oder aus böser Absicht. Bei den restlichen fünf Prozent handelt es sich dagegen um natürliche Prozesse. In Länder wie Spanien, Italien, Portugal oder Griechenland hat sich die Zahl der Waldbrände seit den 60er Jahren vervierfacht. Zu den Hauptursachen zählen neben menschlicher Fahrlässigkeit vor allem ein Wandel der Landnutzungsformen und ein massiver Ausbau der Infrastruktur für den Massentourismus. „Die Urbanisierung hat rund um das Mittelmeer die traditionelle Waldwirtschaft abgelöst. Brandstiftung ist vielerorts ein beliebtes Mittel geworden, um die einst forstwirtschaftlich genutzten Flächen in profitables Bauland umzuwandeln“, erklärt die WWF-Expertin.

Immer längere Trockenperioden, niedrige Luftfeuchtigkeit und extreme Hitzewellen bilden zudem eine brandgefährliche Mischung. Griesshammer: „Ein Tag mit hohen Temperaturen, trockener Luft und starkem Wind kann reichen, um aus einem Funken eine Katastrophe zu machen.“ Mit der Zunahme der Waldbrände sinkt die natürliche Regenerierungsrate der mediterranen Ökosysteme. Vielerorts lassen sich ein Verlust an Artenvielfalt, Wasserknappheit, Bodenerosion und Wüstenbildung beobachten. Etwa 300.000 Quadratkilometer der europäischen Küstengebiete am Mittelmeer sind von der Wüstenbildung betroffen. Die Gefahr weiterer Waldbrände erhöht sich dadurch. Auch Wiederaufforstung ist keine optimale Lösung. In Gebüschen und Sekundärwäldern fällt viel Trockenholz an, das extrem entzündlich ist.
Um der wachsenden Gefahr wirksam begegnen zu können, müssen strenge Gesetze und hohe Strafen für Brandstifter her. Griesshammer: „Viele der 50.000 Brände des kommenden Jahres können verhindert werden, wenn die Regierungen umdenken und ihr Geld in Präventivmaßnahmen stecken, statt wie bisher fast nur in die Bekämpfung der lodernden Brände.“ Eine Verbesserung der Zusammenarbeit aller an den Löscharbeiten beteiligten Institutionen sei ein sinnvoller erster Schritt. Häufig würden aus kleinen Feuern große, weil die Koordinierung der Einsatzkräfte nicht funktioniert.


Frankfurt a. M., 31. Juli 2003:
Christian Teriete, Pressestelle WWF Deutschland,
Nina Griesshammer, Referentin Forstwirtschaft,

WWF Deutschland
Rebstöcker Straße 55
60326 Frankfurt
Tel.: 069/791 44 0
www.wwf.de


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