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ISSN 1610-0611
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Regenwälder nicht im Stich lassen

WWF: Schröder muss auf Indonesien-Reise Fehler der rot-grünen Regenwaldpolitik rückgängig machen

Die Umweltstiftung WWF fordert Bundeskanzler Gerhard Schröder vor seiner morgigen Abreise nach Südostasien dazu auf, den systematischen Rückzug der rot-grünen Regierung aus dem Schutz der letzten Regenwälder Indonesiens sofort zu stoppen. In einem offenen Brief an den Kanzler verlangen die Umweltschützer, dass die deutsche Delegation ihre Treffen mit indonesischen Regierungsvertretern am 14. und 15. Mai in der Hauptstadt Jakarta nutzt, um das Engagement Deutschlands für die indonesischen Regenwälder wiederzubeleben. Die Bundesregierung hatte ihre Beiträge zum Schutz und zur nachhaltigen Bewirtschaftung dieser Wälder vor rund zwei Jahren eingefroren. Der WWF weist anlässlich der Kanzler-Reise darauf hin, dass derzeit in Indonesien die größten verbliebenen Regenwaldgebiete Südostasiens so schnell abgeholzt werden wie keine anderen Wälder auf der Welt. „Man muss sich schämen, dass ausgerechnet eine rot-grüne Regierung die indonesischen Regenwälder auf!
gibt“, kritisiert Martin Geiger, Tropenwaldexperte des WWF Deutschland, die Politik der Bundesregierung. Geiger fordert: „Der Bundeskanzler muss die Fehler der Vergangenheit auf seiner Reise unbedingt rückgängig machen und der indonesischen Regierung volle Unterstützung für die Rettung der indonesischen Wälder zusagen!“

Als ein besonders unrühmliches Beispiel deutscher Regenwaldpolitik benennt der WWF eine Bürgschaft der im Auftrag der Bundesregierung agierenden Hermes
Exportkreditversicherung: Mit dieser Bürgschaft sei in den neunziger Jahren eine gigantische Papierfabrik auf der indonesischen Insel Sumatra finanziert worden, die ihren Holz-Bedarf ausgerechnet durch großflächige Kahlschläge in solchen Regenwaldgebieten deckt, in denen die bedrohten Sumatra-Tiger und Sumatra-Elefanten leben. Pikanter Nebenaspekt: Das Unternehmen Asia Pulp and Paper, das in dieser Fabrik den Regenwald zu Zellstoff und Papier verarbeitet, ist inzwischen nicht mehr in der Lage, die Schulden zu begleichen. Martin Geiger: „Deutschland trägt eine Mitschuld am Raubbau in den indonesischen Regenwäldern, und nun sollen auch noch die deutschen Steuerzahler die finanziellen Konsequenzen einer verfehlten Umweltpolitik tragen.“ Der WWF fordert, dass die deutsche Regierung über Hermes Einfluss darauf nimmt, dass in den V!
erhandlungen zur Umschuldung der Bürgschaft der Schutz der artenreichen Wälder auf Sumatra erzwungen wird. Außerdem sollen Bundeskanzler Schröder und der mitgereiste Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement durch verbindliche Kriterien gewährleisten, dass in Zukunft keine weiteren Kreditversicherungen mehr für Vorhaben gewährt werden, die zur Zerstörung der Regenwälder beitragen.

Der WWF hofft, dass die deutsche Delegation um Kanzler Schröder ihren Einfluss auf die indonesische Regierung geltend macht, damit diese den Wald von Tesso
Nilo, den größten verbliebenen Tiefland-Regenwald auf Sumatra, als Nationalpark ausweist. In diesem Gebiet wurde die weltweit größte Pflanzenvielfalt nachgewiesen doch der Schutz dieses Regenwalds, in dem die bedrohten Sumatra-Elefanten leben, ist bislang am Einfluss der in der Region ansässigen Holz- und Papier-Konzerne gescheitert.



Frankfurt a. M., 09.05.03:
WWF Deutschland
Rebstöcker Straße 55
60326 Frankfurt
Tel.: 069/791 44 0




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