UA 144/03-1 ai-Index: AMR 37/012/2003 22. Juli 2003 - bs
Weitere Informationen zu UA 144/03 (AMR 37/009/2003, 21. Mai 2003)
SORGE UM SICHERHEIT / MORDDROHUNGEN
Honduras: Pater José Andrés Tamayo, Priester und Umweltschützer Gilberto Flores, Gemeindesprecher Orlando Nájera, Gemeindesprecher
sowie: Pater Osmín Flores, Priester und Umweltschützer und weitere Umweltschützer im Departement Olancho
getötet: Carlos Arturo ("Oscar") Reyes, 23 Jahre
amnesty international fürchtet nach wie vor um die Sicherheit von Umweltschützern im Departement Olancho im Norden von Honduras, nachdem erneut Morddrohungen von dort gemeldet worden sind und am 18. Juli 2003 der Umweltschützer Carlos Arturo ("Oscar") Reyes getötet wurde. Die Umweltschützer werden offenbar deshalb angegriffen, weil sie sich für lokale Umweltbelange einsetzen und gegen die Interessen der Holzindustrie und die wirtschaftliche Ausbeutung der Region wenden.
Am 14. Juli 2003 beobachteten Zeugen, wie aus einem dunkelblauen Fahrzeug ohne Nummernschild und mit abgedunkelten Fensterscheiben mit einer Waffe auf Gilberto Flores gezielt wurde, als er gerade das Gebäude der Einrichtung „Pastoral Social„ der Katholischen Kirche in Juticalpa betrat. Die Männer wurden jedoch Berichten zufolge davon abgehalten, ihr Attentat zu verüben, weil ein kleines Kind auf Gilberto Flores zuging, um ihn zu begrüßen. In den folgenden zwei Tagen wurden das selbe Fahrzeug und ein ähnlich ausgestattetes Auto vor dem Bürogebäude der kirchlichen Einrichtung gesehen. Obwohl die Interamerikanische Menschenrechtskommission im Mai 2003 nach einer gegen Gilberto Flores gerichteten gezielten Einschüchterungskampagne Polizeischutz für den Gemeindesprecher gefordert hatte, wurde dieser auf Anordnung des Sicherheitsministeriums am 20. Juni 2003 wieder eingestellt.
Am 18. Juli 2003 wurde der Umweltschützer Carlos Arturo Reyes, der auch unter dem Namen Oscar bekannt war, im Verwaltungsbezirk El Rosario ermordet. Er war um 20 Uhr nach Hause gekommen und hinter das Haus gegangen, um sich das Gesicht zu waschen, als aus der Dunkelheit sechs Mal auf ihn geschossen wurde. Er war sofort tot, als eine der Kugeln seine Schläfe durchschoss. Drei schwer bewaffnete Männer sollen vom Tatort über einen Kanal, der in einen Fluss mündet, geflohen sein. Carlos Arturo Reyes der sich zusammen mit der kirchlichen Einrichtung „Pastoral Social“ für den Umweltschutz einsetzte, war von der Organisation von Guata nach El Rosario versetzt worden, nachdem er Morddrohungen erhalten hatte.
Am Tag des Mordes an Carlos Arturo Reyes wurde das Haus des Umweltschützers Pater Osmín Flores von bewaffneten Männern in einem Fahrzeug beschattet. Nachdem der Geistliche die Polizei angerufen hatte, trafen zwei Polizisten an seinem Haus im Verwaltungsbezirk Catacamas ein. Die Beamten erklärten jedoch, sie könnten die Insassen des Fahrzeugs nicht festnehmen, weil das Fahrzeug zwar verdächtig aussehe, die Personen aber nichts illegales getan hätten.
Pater José Andrés Tamayo setzt sich weiterhin aktiv für den Umweltschutz ein und war einer der Organisatoren des „Marcha por la Vida„ („Marsch für das Leben„), einer Protestkundgebung im Juni 2003 (s.
Hintergrundinformationen). Somit ist er weiterhin in großer Gefahr.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Die fortgesetzten Angriffe gegen Umweltschützer in Honduras stehen offenbar mit einer „Todesliste„ in Zusammenhang, auf der die Namen von engagierten Umweltschützern stehen. Die Liste, die von Sägewerkbesitzern in Olancho erstellt worden sein soll, war nach einem Protestmarsch im Juni 2003 in Umlauf gebracht worden. An dem 200 Kilometer langen siebentägigen Protestmarsch unter dem Titel „Marcha por la Vida„ („Marsch für das Leben„) von Olancho in die honduranische Hauptstadt Tegucigalpa hatten 2500 Mitglieder von Umweltschutzgruppen und religiösen Organisationen teilgenommen. Die Demonstranten fordern die Einstellung der Abholzungen in Zentral-Honduras, damit eine umfassende „Waldstudie„ erstellt werden kann, um die nachhaltige Nutzung der Ressourcen zu ermöglichen. Laut Angaben der Umweltschützer haben die wahllosen Abholzungen Wasserquellen ausgetrocknet und die Armut in der Region verstärkt. Carlos Arturo Reyes, Osmín Flores und Gilberto Flores werden auf der Todesliste genannt.
Die Tötung von Umweltschützern und anderen engagierten Bürgern, darunter auch Angehörige indigener Gemeinschaften, ist Teil eines Musters an Menschenrechtsverstößen gegen Personen, die sich in Honduras für den Umweltschutz engagieren. Nach Einschätzung der Umweltschützer führt die illegale Abholzung der Wälder in Honduras und der Bau von Staudämmen zu schweren Umweltschäden. Im Oktober 2002 erklärte die Interamerikanische Menschenrechtskommission, dass die Umweltzerstörung erhebliche Auswirkungen auf die Menschenrechte habe.
EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen SieIhre Sorge um die Sicherheit von Pater Osmín Flores, Gilberto Flores, José Andrés Tamayo, Orlando Nájera und anderen Umweltschützern zum Ausdruck bringen, die Berichten zufolge mit dem Tode bedroht werden;
die Behörden auffordern, in Absprache mit den gefährdeten Personen sofort Maßnahmen zu ihrem Schutz einzuleiten;
fordern, dass eine sofortige und unparteiische Untersuchung der Drangsalierungen und Drohungen eingeleitet wird und die Ergebnisse der Ermittlungen veröffentlicht werden;
die Behörden auffordern, umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Ermordung von Carlos Arturo Reyes einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen;
die honduranische Regierung daran erinnern, dass Menschenrechtler das Recht haben, ihre Aktivitäten ohne jegliche Einschränkungen oder Angst vor Repressalien auszuüben, wie es in der von der Vollversammlung der Vereinten Nationen im Dezember 1998 verabschiedeten UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern sowie in der Resolution über Menschenrechtsverteidiger der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) festgeschrieben ist;
die Behörden auffordern, zu den bei dem Protestmarsch „Marcha de la Vida„ geäußerten Forderungen Stellung zu beziehen.
APPELLE AN:
Lic. Ricardo Maduro, Presidente de la República de Honduras, Casa Presidencial, Boulevard Juan Pablo Segundo, Palacio José Cecilio del Valle, Tegucigalpa, HONDURAS (Staatspräsident - korrekte Anrede: Señor Presidente) - Telefax: (00 504) 221 4552
Dr. Oscar Alvarez, Ministro de Seguridad Pública, Ministerio de Seguridad Pública, Edificio Poujol, 4o piso, Col. Palmira (Blvd. Morazán), Tegucigalpa, HONDURAS (Sicherheitsminister - korrekte Anrede: Señor Ministro) Telefax: (00 504) 220 4352
Dr. Roy Edmundo Medina, Fiscal General de la República, Fiscalía General de la República, Colonia Loma del Guijaro, Tegucigalpa, HONDURAS (Generalstaatsanwalt - korrekte Anrede: Sr. Fiscal General) Telefax: (00 504) 221 5666
KOPIEN AN:
Oficina del Comisionado Nacional de Protección de los Derechos Humanos, Ramón Custodio López, Avda. La Paz No. 2444, Contiguo a Galerías La Paz, Tegucigalpa, HONDURAS (Ombudsmann für Menschenrechtsfragen) - Telefax: (00 504) 232 6894
Comité de Familiares de Detenidos Desaparecios en Honduras (COFADEH), Apdo. Postal 1243, Tegucigalpa, HONDURAS (Komitee der Angehörigen "Verschwundener") Telefax: (00 504) 220 5280 (kombinierter Telefon-/faxanschluss)
Botschaft der Republik Honduras; S.E. Herrn Roberto Flores-Bermúdez, ao. u. bev. Botschafter Cuxhavener Str. 14, D-10555 Berlin; D-10555 Berlin Tel: 0049/30/39749710; Fax: Telefax: 0049/30-3974 9712; E-Mail: embhonduras@ngi.de; Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 2. September 2003 keine Appelle mehr zu verschicken.
Textvorschlag:
(Der Textvorschlag ist nur als Anregung gedacht. Falls Ihre Fremdsprachenkenntnisse ausreichen, dann verfassen Sie das Appellschreiben bitte selbst! Je individueller die Briefe sind, desto besser!)
(Entsprechende Anrede),
I am writing to you on behalf of Father Osmín Flores, Gilberto Flores, José Andrés Tamayo, Orlando Nájera and other environmental activists placed under threat of death for their activism. My concerns are particularly severe as I have informed that environmental activist Carlos Arturo Reyes (also referred to as Oscar) was murdered at his home in the municipality of El Rosario on 18 July,
I would like to ask you to take immediate and comprehensive action in order to make sure that the above named individuals receive full protection. You should follow their wishes and make sure that all of the protection the threatened themselves regard as necessary will be provided to them.
Furthermore I want you to ensure that an immediate, thorough and impartial investigation into the campaign of harassment and threats to those named above and into the killing of Carlos Arturo Reyes will be carried out. If those responsible for the murder or the continuing threats can be identified they should be brought to justice. In each case the results of the investigation should be made public.
I also want to remind you of the right of human rights defenders to do their legitimate work without any restrictions or fear of reprisals, as set out in Declarations from the United Nations and the Organization of American States. I have full confidence in your sense of justice and your will to protect your citizens. I hope that you will recognize that only if you will take an active role in ordering the protection of the above named individuals their security can be guaranteed.
I thank you for your time and attention.
Yours respectfully,
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